Über die Zukunft des Storytellings

Medienmacher und –entwickler sprechen oft und gerne von der "Zukunft des Storytellings". Was genau damit gemeint ist, bleibt meistens nebulös bis offen. Reicht ja, dass es gut klingt. Sicher ist immer nur, dass der reine, unveränderbare Text, erstellt von einem Autor und vielleicht noch mit einem Foto versehen, ganz sicher kein Storytelling der Zukunft ist. Die Beratungsagentur Latitude hat jetzt spezifischer nachgefragt und erfahren: Nutzer wollen Themen intensiver "erleben" und manchmal sogar mitgestalten.

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Medienmacher und –entwickler sprechen oft und gerne von der "Zukunft des Storytellings". Was genau damit gemeint ist, bleibt meistens nebulös bis offen. Reicht ja, dass es gut klingt. Sicher ist immer nur, dass der reine, unveränderbare Text, erstellt von einem Autor und vielleicht noch mit einem Foto versehen, ganz sicher kein Storytelling der Zukunft ist. Die Beratungsagentur Latitude hat jetzt spezifischer nachgefragt und erfahren: Nutzer wollen Themen intensiver "erleben" und manchmal sogar mitgestalten.

Latitude hat die Storytelling-Vision in vier Stichworten zusammengefasst: Immersion (Vertiefung), Interaktivität, Integration, Impact (Auswirkung). 158 "early adopter" haben dazu beigetragen, die vier I´s herauszufiltern, darunter vauch deutsche Umfrage-Teilnehmer. Viele der Idealvorstellungen und Wünsche der Nutzer sind heute noch nicht umsetzbar und vielleicht auch ein wenig zu viel verlangt, doch sie vermitteln ganz gut, wie hoch die Erwartungen an Medieninhalte heute schon sind.

"Storytelling", das bedeutet für viele technisch versierte und erfahrene Nutzer, dass sie "tiefer" in eine Geschichte eintauchen wollen, wenn sie dazu Lust haben. Beispielsweise, indem sie zusätzliche Informationen zu einer Geschichte bekommen, Hintergründe, Seitenaspekte, etc. Ein Teil der Nutzer will idealerweise selber die Geschichte mitgestalten, eine aktive Rolle spielen. Die Geschichte muss über verschiedene Plattformen erzähl- und erfahrbar sein, auch zeitversetzt. Die physische Welt wäre dabei nur eine weitere Plattform, die es auch einzubeziehen gilt. Konkret: Veranstaltungen könnten eine Geschichte ergänzen. Schließlich wollen Nutzer, dass aus einer Geschichte, der sie ihre Aufmerksamkeit schenken, auch "reale" Handlungen abgeleitet werden können.

Wichtigste Botschaft an Medienmacher: Eine Geschichte auf verschiedenen Plattformen zu erzählen, bedeutet in den Augen von Nutzern nicht, dass dieselbe Geschichte einfach nur auf einem anderen Kanal dupliziert wird. Ein neuer Kanal muss eine weitere Perspektive einer Geschichte bieten. In Deutschland mag das TV-Online-Format "Dina Foxx" von UFA und ZDF als exemplarisches Beispiel herhalten. Ein Kriminalfall, der zunächst als TV-Film im klassischen Fernsehen lief, wurde im Netz fortgeführt. 82 Prozent der von Longitude Befragten wünschten sich, dass eine mobile App ergänzende Informationen und Inhalte zu einem TV-Beitrag oder Film liefert.

Gesucht sei Technologie, die eine Brücke zwischen verschiedenen Plattformen baut. Ganze 79 Prozent der Befragten wünschen sich Möglichkeiten, in die Story eingreifen zu können. Mehr als die Hälfte schlägt vor, beispielsweise Augmented Reality einzubeziehen. Um von solchen Konzepten nicht nur zu träumen, sondern sie auch in die Tat umzusetzen, wären zwei Drittel der Befragten bereit, per Crowdfunding Geld zu sammeln.

Klar ist: Mit dem journalistischen Tagegeschäft haben solche Vorstellungen wenig bis nichts zu tun. Aber klar ist auch: Medien, die von technikversierten jungen Nutzern ernst genommen werden wollen, müssen auch solche Inhalte anbieten. Das erfordert viel Planung, viel Expertise, viel Experimentierlust – und natürlich ein Budget. Die Idee des "transmedia storytelling" ist nicht neu, doch die Voraussetzungen, aus Geschichten richtige "Erlebnisse" zu machen, sind heute viel besser als zu Anfang der 90er Jahre, als dieser Begriff geprägt wurde. 

Kennen Sie gelungene Beispiele für journalistisches transmedia storytelling? Beispiele an: christian.meier@meedia.de.

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