Zwei Jahre Haft für Pussy Riot

Fernsehen Das Urteil ist verkündet: Pussy Riot ist schuldig im Sinne der Anklage. Die drei Frauen müssen für zwei Jahre ins Gefängnis, die bisherige U-Haft wird angerechnet. Damit zeigte sich das Gericht unbeeindruckt vom weltweiten Medienrummel um den Prozess sowie den vielen Solidaritätsbekundungen von Politikern und Künstlern. Vor Gericht wurde auch hervorgehoben, dass die Frauen ihre Tat mit den Massenmedien über den Kreis der Kirche hinaus öffentlich machten.

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Auslöser für den Prozess gegen die zuvor weltweit kaum bekannte Punkrock-Band war ein nicht genehmigter Auftritt in der Christ-Erlöser Kathedrale in Moskau im Februar dieses Jahres. Pussy Riot protestierte hier mit einem "Punk Gebet" gegen die Regierung Putin und die russisch-orthodoxe Kirche, welche die Regierung unterstütze. Als Reaktion wurde Klage wegen "Rowdytum aus Motiven des religiösen Hasses" gegen die drei Musikerinnen erhoben. Die Opposition und vor allem das Ausland sahen darin einen politischen Prozess und den Versuch kritische Stimmen mundtot zu machen. Es folgte ein beachtliches Medienecho.
Weltweit erklärten sich Musiker mit Pussy Riot solidarisch, darunter Weltstars wie die Red Hot Chili Peppers, Sting, Madonna und Paul McCartney. Nahezu alle Medien berichteten umfangreich. Am heutigen Tag der Urteilsverkündung waren mehrere TV-Sender live vor Ort. Der Spiegel machte mit dem Thema auf und hob Bandmitglied Nadeschda Tolokonnikowa auf das Cover. Aufgrund der hohen Aufmerksamkeit war spekuliert worden, dass die Strafe geringer ausfallen würde, als die zunächst geforderten drei Jahre Haft. Es wurde über eine Bewährungsstrafe spekuliert.
Vor der Urteilsverkündung bekräftigte Frederike Behr von Amnesty International im Nachrichtensender n-tv, dass man jedoch mit einer Haftstrafe für die Musikerinnen rechne. Zudem erhob sie den Vorwurf, die Justiz sei nicht unabhängig: "Sicherlich ist die Richterin sehr unter Druck gesetzt worden. Es gab schon viele Hinweise im Verlauf des Prozesses darauf, dass der Prozess nicht wirklich allen Regeln des fairen Gerichtsverfahrens folgt."
Dies gelte nicht nur im Fall Pussy Riot. Man in den vergangenen Jahren oft gesehen, dass Menschen zu längeren Haftstrafen verurteilt worden seien, obwohl  nicht genug Beweise vorgelegen haben "weil es einen politischen Hintergrund gab". Dennoch habe man bei Amnesty International bis zuletzt Hoffnung gehabt, dass die Frauen freigesprochen würden.

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