Cover – Frauenheft mit Hirn und Haltung

Publishing Schon wieder eine Frauenzeitschrift. Am Samstag startet Burdas neues monatliches Magazin Cover am Kiosk. MEEDIA hat das Heft, das eine multimediale Marke sein will, unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Cover überrascht positiv. Chefredakteurin Michaela Mielke und ihrem Team ist es gelungen, ein modernes, Mode-orientiertes Magazin mit Hirn und Haltung aufzuladen. Der Augmented-Reality-Schnickschnack ist dabei zwar ganz nett, spielt aber glücklicherweise nur die zweite Geige.

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“Menschen, Mode, Meinungen” lautet der redaktionelle Claim von Cover. Das klingt ein bisschen modernistisch und ranschmeißerisch an den Zeitgeist. Umso überraschender ist, dass der Claim vom Heft tatsächlich eingelöst wird. Cover hat etwas, das vielen anderen Magazin-Neugründungen – den größeren vor allem – fehlt: Haltung. Chefredakteurin Michaela Mielke, die einst für Springer erfolgreich Jolie entwickelte, formuliert das Mission-Statement im Editorial: “Wie schaffen es Frauen, ihren Alltag zu meistern und ihre Träume zu verwirklichen?” Um die Beantwortung dieser Frage dreht sich Cover und um den Spagat zwischen Alltag und Träumen.

Natürlich fehlen sie nicht: üppig fotografierte Mode- und Kosmetikstrecken, seitenweise Bling-Bling-Produkte und allerlei (für männliche Leseraugen) hohles Gedöns. Remember: Wir haben es immer noch mit einer Frauenzeitschrift zu tun. Aber die Produktstrecken sind toll fotografiert und warten hier und da mit prominenten Gesichtern auf. So gibt es im hinteren Heftteil eine toll fotografierte Modestrecke inklusive Interview mit der Schauspielerin Sibel Kekilli. Und auch die Cover-Story mit Jennifer Lopez, in Szene gesetzt von Über-Fotograf Mario Testino, ist alles andere als billig.

Zurück zum Kern der Sache, zur Haltung. Das Thema “moderne Frauen” zieht sich schlüssig durchs gesamte Heft. Da gibt es eine Rubrik “Von Jungen lernen, von Alten lernen”, in denen zwei Vorbild-Frauen gegenübergestellt werden. In der Premieren-Ausgabe sind das die junge tunesische Bloggerin Lina Ben Mhenni und die hundertjährige Kriegsreporterin Clare Hollingworth.

Bei den 15 Frauen der Zukunft gibt es auch Schauspielerinnen und Adelige (Victoria von Schweden) aber eben auch eine Wissenschaftlerin (Saskia Biskup) und eine afghanische Frauenrechtlerin (Fausia Kufi). Das ist das Bemerkenswerte an Cover: Das Magazin schafft es, Mode-Glitzerwelt, Promi-Quatsch und ernste Themen scheinbar mühelos zwischen ihren Umschlagseiten zu vereinen.

Dazu passen auch die drei großen Reportagen über drei ungewöhnliche Frauen. In der ersten Ausgabe sind das die Tierfilmerin Sophie Darlington, die Münchner Szenewirtin Sandra Forster und Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg. Und, ja, auch die Männer, die in diesem Frauenheft vorkommen, heben sich ganz wohltuend vom Einerlei ab. Da wird auch ein Manager vorgestellt, der erzählt, wie er das Problem, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, löst, es gibt ein Interview mit Ryan Gosling und “Prometheus”-Darsteller Michael Fassbender schreibt in der Star-Kolumne über Religion.

Noch was? Ach ja: das Augmented-Reality-Zeugs. Burda arbeitet bei Cover mit der Augmented-Reality-App Junaio, die man sich zuerst runterladen muss. Auf Seiten mit dem Augmented Reality Hinweis muss man mit seinem Smartphone erst ein wenig über die Seite wackeln, dann erkennt das Handy aber Cover und die Zusatz-Inhalte lassen sich (zumindest mit WLAN-Verbindung) problemlos laden und anzeigen. So kann man sich beispielsweise Film-Trailer oder Vorträge der porträtierten Personen anschauen, einen schicken Schuh in 360-Grad bewundern und man wird auch gleich auf die entsprechende Shopping-Site weitergeleitet. Alles in allem eine nette Spielerei. Die wahren Werte von Cover sind aber nicht das Multimedia-Geklingel, sondern ganz altmodisch die Inhalte. Das ist die eigentlich gute Nachricht.

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