WSJ: Apple plant Einstieg in den TV-Markt

Fernsehen Frontalangriff aufs Wohnzimmer: Wie das Wall Street Journal in Erfahrung gebracht haben will, befindet sich Apple derzeit in Gesprächen mit einigen großen US-Kabelnetzbetreibern. Im Mittelpunkt der Gespräche soll die Entwicklung einer Set-Top-Box sein, die neben Streaming auch Live-TV wiedergeben könnte. Solche Pläne waren in den vergangenen Jahren immer wieder verworfen worden. Anstatt als Konkurrent aufzutreten könnte Apple nun mit den großen Netzbetreibern kooperieren. Noch sind viele Hürden zu nehmen.

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Die sind so hoch, dass Apple-Gründer Steve Jobs zu seiner Zeit als CEO derartigen Plänen eine Absage erteilte. Vor allem in den USA gilt der Kabelmarkt als zerklüftet. Wie Großherzoge herrschen einzelne Betreiber über Bundesstaaten. Doch Apple braucht einen nationalen Verbreitungskanal. Derzeit sei Apple in Gesprächen mit einigen der größten Kabelnetzbetreiber, um über diese Problematik zu reden. Allerdings konnte man sich laut WSJ noch zu keinem Ergebnis durchringen.

Großkonkurrent Samsung ist bereits im Set-Top-Box-Markt aktiv, allerdings mit mäßigem Erfolg. Apple kann sich stattdessen über gute Absatzzahlen seines Apple TV freuen. 1,3 Millionen Exemplare verkaufte man im vergangenen Quartal, ein Anstieg von 170 Prozent im Vergleich zu Vorjahr. Trotzdem bezeichnet das Unternehmen den TV-Knirps nach wie vor als Hobby. Derzeit lässt sich die 99 Euro teure Box zum Streaming von Medieninhalten über iTunes nutzen. In den USA können Nutzer via Apple TV außerdem auf die Mediatheken von Netflix und Hulu zugreifen. Live-TV wäre der logische nächste Schritt. Details zur eingesetzten Technologie gibt es bislang nicht.

Laut WSJ hegen die Kabelnetzbetreiber große Zweifel. Man befürchtet, dass Apple der Beziehung zum Kunden nachhaltig schaden könnte. Man will keinen Mittelsmann. Apples Policy, für die Vermittlung von Transaktionen jeglicher Art eine Provision von 30 Prozent zu verlangen – etwa im Appstore – hätte die TV-Anbieter vergrault, zitiert das US-Blatt eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle.
Also alles nur heiße Luft? Fakt ist: Apples CEO Tim Cook traf sich im vergangenen Monat mit Glenn Britt, dem CEO von Time Warner Cable, auf dessen hauseigener Medienkonferenz. Laut WSJ sei Time Warner Cable einer der großen Netzbetreiber, mit denen Apple seine TV-Pläne diskutiert.

Experten sehen eine Chance für den Konzern aus Cupertino darin, auf eine bewährte Strategie aus dem Mobilmarkt zu setzen. Anstatt in Konkurrenz zu existierenden Playern zu treten, bräuchte es ein Kooperationsmodell. Exklusive Partnerschaften, wie damals zum iPhone-Start mit dem Mobilfunkprovidern AT&T oder der deutschen Telekom, wären denkbar. Damit würde sich ein weiterer Vorteil für die Kabelnetzbetreiber bieten: Die Anschaffungskosten ließen sich nahezu vollständig auf den Kunden umlegen. Bislang kaufen die Unternehmen die Set-Top-Boxen teuer ein und leasen sie an die Kunden.

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