SZ-Feuilletonchef Steinfeld outet sich

Publishing Thomas Steinfeld, Feuilletonchef der Süddeutschen Zeitung, hat sich gegenüber der Nachrichtenagentur dpa als Co-Autor des Schwedenkrimis "Der Sturm" zu erkennen gegeben. Die Zeitung Die Welt hatte die Identität des Pseudonyms Per Johansson enthüllt – und nahegelegt, dass das Mordopfer in dem Buch niemand Geringeres als FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher sein soll. Das weist Steinfeld ganz weit von sich - denn eine solche Gleichsetzung habe in fiktiver Literatur nichts zu suchen.

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Diese Vermutung hatte Welt-Literaturkritikers Richard Kämmerlings in einem Artikel geäußert. Von dieser Theorie will Steinfeld nichts wissen. Sein Romanopfer sei eine "abstrakte, idealtypische Gestalt", sagte er gegenüber dpa. Die Figur könne nicht "auf einen respektierten Journalisten" übertragen werden, diese Vermutung sei "abenteuerlich".

In einem Interview mit dem Deutschlandradio bezeichnete Steinfeld Kämmerlings Artikel am Donnerstag als "radikale Verschwörungsthese". Irgendeine Leiche müsse es immer geben, der im Buch gemeuchelte Chef sei "ein Amalgam aus Figuren". Habe er nicht vielleicht doch ausschließlich Schirrmacher gemeint? Steinfelds Entgegnung: "Für was für einen Kindskopf halten Sie mich?"

Schirrmacher selber, der laut den bisher bekannten Auszügen tatsächlich der im Roman beschriebenen Figur ähnelt, äußerte sich u.a. gegenüber MEEDIA nur mit einem Satz: "Ich lese keine schwedischen Kriminalromane."

Ein Skandal, den manche Medien bereits vorhersagten, sieht anders aus. Die amüsante Sommerposse ist wohl eher ein Beleg für die recht selbstbezügliche Welt des Feuilletons. Steinfeld hat gemeinsam mit Schirrmacher bei der FAZ gearbeitet, ist dann aber 2001 im Streit zu SZ gegangen. 

Im Freitag hat sich just dessen Herausgeber Jakob Augstein des Falls angenommen. Er findet, die erfundene Biografie von Per Johansson, das falsche Foto, die nicht existente Übersetzerin – das sei alles "eine große Peinlichkeit". Steinfeld sei eigentlich nicht auf seinem Posten zu halten.

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