Berliner Morgenpost setzt auf Leserreporter

Publishing Die nächste Lokal-Offensive: Nach der WAZ ruft nun auch die Berliner Morgenpost eine noch stärkere Konzentration auf regionale Themen aus. Dazu setzen die Berliner auf Leserreporter, die unentgeltlich für die Redaktion aus den Bezirken berichten sollen. Zudem werden nun ausgewählte Inhalte des Wochenblattes Berliner Woche bei Morgenpost.de integriert. Im MEEDIA-Interview erklärt Chefredakteur Carsten Erdmann, dass er „über die Berichterstattung aus den Stadtteilen unser Online-Angebot stärken“ will.

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Wie sieht die neue Lokal-Strategie aus und warum setzt die Berliner Morgenpost erst jetzt auf Leserreporter?
Die Leserreporter sind nur ein Teil einer Strategie, die wir seit mehreren Jahren verfolgen. Wir sind die Zeitung aus Berlin für Berlin. In diesem Monat starten wir nun weitere Projekte, mit denen wir unseren Lesern und Nutzern ein noch breiteres und tieferes Angebot aus der Hauptstadt bieten. Dazu gehören die Leserreporter, die künftig für Morgenpost Online aus ihren Kiezen berichten, aber auch die Zusammenarbeit mit der Berliner Woche, die inklusive dem Spandauer Volksblatt 33 Lokalausgaben in der Stadt hat. Ausgewählte Inhalte daraus bieten wir künftig auf unserem Online-Angebot – und haben damit das größte gebündelte Angebot an Lokalnachrichten, Service-, Veranstaltungsinfos und Rubriken aus den Berliner Stadtteilen.
Wer sind die Leserreporter?
Wir haben in Print und Online dazu aufgerufen, sich als Leserreporter der Berliner Morgenpost zu bewerben. Seitdem gehen täglich viele Bewerbungen bei uns ein. Wir sichten diese und wählen dann aus: Die Kandidaten müssen authentisch Geschichten erzählen können. Vor allem aber müssen sie ihren „Kiez“ kennen. Leserreporter kann der 28jährige Blogger aus Mitte genauso sein wie der 50-jährige Bankangestellte aus Steglitz. Berliner berichten über Berlin – darum geht es.

Auch die neuen Anzeigen-Motive der Berliner Morgenpost werden noch lokaler

Werden die Leserreporter für ihren Einsatz bezahlt?

Sowohl die Leserreporter als auch die Redaktion der Berliner Morgenpost profitieren von dem Modell. Wir bekommen exklusive Inhalte aus den verschiedenen Kiezen und ermuntern gleichzeitig unsere Leserreporter, die Inhalte auch auf ihren eigenen Blogs zu veröffentlichen. Diese wiederum können wir mit zusätzlichem Traffic von Morgenpost.de versorgen, sodass sich eine schöne Win-win-Situation ergibt. Zusätzlich statten wir alle Lesereporter mit den erforderlichen Arbeitsgeräten aus.
Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Leserreportern konkret aus? Schreiben die Leserreporter selber oder fungieren sie nur als Tippgeber?
Die Leserreporter schreiben und bieten ihre Geschichten der Redaktion an. Dort werden die Texte gesichtet, redigiert und dann unter dem Namen der Leserreporter veröffentlicht.
Gelten für die Inhalte der Leserreporter dieselben redaktionellen Grundsätze wie für die Geschichten der Redakteure?
Die Leserreporter werden in den meisten Fällen keine professionellen Journalisten, sondern talentierte Blogger und Autoren sein. Aber natürlich weisen wir sie vorab auf die journalistischen Standards hin. Die Beiträge werden bei Morgenpost Online als Leserreporter-Beiträge kenntlich gemacht. Jeder Leserreporter hat zudem einen Paten und Ansprechpartner in der Redaktion.
Sind auch die Inhalte der Leserreporter kostenpflichtig?
Nein, die Artikel der Leserreporter fallen derzeit nicht unter das kostenpflichtige Angebot, genauso stehen die Bezirksberichte der Berliner Woche im "Free-Bereich" – im Unterschied zu der Lokal-Berichterstattung der Redaktion der Berliner Morgenpost. Mit dem Freemium-Modell für Morgenpost Online bieten wir seit 2009 eine bewährte Mischung aus kostenpflichtigen und kostenlosen Inhalten. Ich freue mich, dass es derzeit offenbar ein Umdenken in der Branche gibt und andere Häuser über Bezahlstrategien für ihre Premium-Inhalte nachdenken.
Werden die Storys der Leserreporter auch gedruckt?
Zunächst wollen wir mit der Berichterstattung aus den Stadtteilen unser Online-Angebot stärken. Ein gutes Leserreporter-Thema kann natürlich auch eine Rechercheanregung für die gedruckte Ausgabe der Berliner Morgenpost sein.
Was muss passieren, dass sie sagen, dass die Einführung der Leserreporter ein Erfolg war?
Wenn es gelingt, mit den Leserreportern zusätzliche Informationen zu bekommen, neue Geschichten zu generieren, näher an den Problemen und Sorgen der Menschen in den Berliner Kiezen zu sein, dann hat sich das Projekt gelohnt.
Warum setzen Sie auf Leserreporter und schicken nicht ein paar Reporter-Profis tief in die Bezirke?
Wir machen beides. Wir setzen auf Leserreporter, haben aber zugleich die größte Lokalredaktion der Stadt. Natürlich sind unsere Reporter auch in den Bezirken unterwegs. In einer Stadt wie Berlin können wir aber nicht immer jeden Winkel abdecken. Da helfen uns Leserreporter – mit authentischen Berichten aus den Bezirken.
Liegt die Zukunft der regionalen Tageszeitungen im Hyperlokalen?
Es ist einer von vielen Wegen. Hyperlokale Berichterstattung allein reicht nicht aus. Die Berliner Morgenpost versteht sich als Dachmarke für das Berliner Stadtgefühl – aus Berlin für Berlin: mein Kiez, mein Bezirk, mein Berlin und dazu das Wichtigste aus Deutschland und der Welt. Die Kooperation mit der Berliner Woche ist ein weiterer Baustein. Und auch in der Werbung gehen wir neue Wege. Erstmals regionalisieren wir unsere Werbekampagne und nutzen in den verschiedenen Bezirken lokale Motive.

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