So feierte Friede Springer ihren 70.

Publishing Was schenkt man einer Verlegerin zum 70. Geburtstag? Einen Tanzkurs. Genauer gesagt: Einen Tangokurs. Denn Tanzen kann Friede Springer schon gut, nur den Tango hat sie noch nicht erobert. Beziehungsweise: Er sie bisher noch nicht. Zum Empfang der Verlegerin waren am Mittwoch vormittag Politik- und Medien-Mächtige gekommen. Sie hörten, wie die Jubilarin ein Bekenntnis zum Unternehmen abgab: "Die Zeiten waren nicht immer rosig", aber: "Mein Herz gehört dem Verlag."

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Der Werdegang Friede Springers vom Kindermädchen von der Insel Föhr zur Verlegerin und Mehrheitsaktionärin der Axel Springer AG ist vielfach erzählt worden – in Artikeln wie in einem Buch, das die Journalistin Inge Kloepfer nach zahlreichen Gesprächen mit der Witwe von Axel C. Springer geschrieben hat. Im Auftritt ist sie zurückhaltend, ihr liegt das persönliche Gespräch erkennbar mehr als die große Bühne. Als vor einigen Monaten der 100. Geburtstag des Verlegers mit einer Revue gefeiert wurde, sprach sie nicht zu den Gästen. Bei ihrem eigenen Geburtstag kam sie nicht darum herum.

Sie sei eine Frau, "die von sich behauptet, zufrieden zu sein", sagte die Verlegerwitwe über sich. Gesundheit sei ihr das Wichtigste. Dann kommt aber schon die Arbeit. "Ich brauche die Herausforderung, sie hält mich agil", erklärte sie. Sie denke immer daran, was gut für die AG sei: "Mein Herz gehört dem Verlag." Heißt also: Dass Friede Springer sich jetzt, wo das Unternehmen blendend dasteht und einen Rekordgewinn nach dem anderen einfährt, von ihren Anteilen trennen könnte, um das Leben ohne Verantwortung zu genießen, ist ausgeschlossen.

Zuvor hatte ihr Mathias Döpfner, Vorstandschef seit mehr als zehn Jahren, einen Tangokurs geschenkt. Döpfner spielte in seiner Rede mit einem Gerücht, das der Spiegel vor einigen Wochen in die Welt gesetzt hatte. Demnach solle sich Frau Springer von ihrem Manager, mit dessen Familie sie auch privat als Patentante eines Döpfner-Kindes verbunden ist, distanziert haben. Der Spiegel las diese Entwicklung in eine Neuauflage der Kloepfer-Biografie hinein. Darauf nun Döpfner: Ja, es gebe eine Entfremdung. Und das sei so gekommen: Bei der Besichtigung eines Atombunkers im ukrainischen Sewastopol seien Frau Springer, Döpfner und Entourage in einer Kneipe gelandet, hätten dort Wodka getrunken und später habe die Verlegerin ihren Vorstandschef zum Walzer aufgefordert. Der nicht sehr gelungene Tanz habe offenbar zu einer "bitteren Enttäuschung" auf Frau Springers Seite geführt – einen Tanz bei der Geburtstagsrevue zu Ehren ihres Mannes habe sie abgelehnt. Darum der Tangokurs als Entschädigung. Döpfner: "It takes two to tango – and I´m your partner."

Nach dem talentierten Geschichtenerzähler Döpfner kam Aufsichtsratschef Guiseppe Vita zu Wort. Ebenfalls persönlich und humorvoll. Friede Springer sei auch auf gemeinsamen Reisen in Springer-Angelegenheiten "gar nicht anstrengend und immer sehr pünktlich", in ihren Entscheidungen zumal "sehr schnell". Bei der Berufung der Vorstandsvorstände habe sie "große Menschenkenntnis bewiesen" – zumindest seit er sie kenne. Vita zitierte auch aus der Gratulation von Helmut Kohl, in der der Ex-Kanzler schrieb: "Du bist in Deinem Leben immer auch unterschätzt worden." Vita: "Ich muss sagen – nicht von mir."

Die Schlange der Gratulanten, die Friede Springers Hand schüttelten und die Jubilarin gelegentlich auch mal umarmten, war lang und prominent. Es reihten sich u.a. ein: Medienmächtige wie Liz Mohn (Bertelsmann) Manfred Braun (WAZ), Bernd Buchholz (Gruner+Jahr), Friedhelm Haak (Madsack-Aufsichtsrat) und Marc Walder (Ringier), Politiker wie Klaus Wowereit, Philipp Rösler und Rainer Brüderle – und natürlich die Kanzlerin Angela Merkel. Die selbstverständlich nicht in der Schlange warten musste. 

Ein ausführliches Interview führte die Welt (gehört auch zur Springer AG) anlässlich des 100. Geburtstages von Axel Springer mit seiner Witwe. 

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