Rheinische Post vor Einstieg in Saarbrücken

Publishing Die Suche nach einem neuen Verlagspartner hat nicht allzu lange gedauert. Nach Informationen von MEEDIA will der Verlag der Rheinischen Post die Mehrheit an der Saarbrücker Zeitungsgruppe kaufen. Erst vor kurzem hatte die Verlagsgruppe Holtzbrinck ihren Ausstieg erklärt - und gab Anteile an die bisherige Minderheitsgesellschafterin GSB ab. Diese bestätigt auf Anfrage Verhandlungen, nennt aber keine Details. Für den stattlichen Zeitungsdeal hat sich auch die WAZ-Gruppe interessiert.

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Zum 1. August hatte die GSB, die Gesellschaft für staatsbürgerliche Bildung Saar, ihren Anteil an der Saarbrücker Zeitungsgruppe von 26 auf 46,9 Prozent erhöht. Der Plan war, dass bis Ende 2014 die gesamten 52,3 Prozent, die bisher die Verlagsgruppe Holtzbrinck gehalten hatte, auf die GSB übergehen. Damit hätte die GSB knapp 80 Prozent an der Zeitungsgruppe kontrolliert. Gesellschafter der GSB sind drei Stiftungen, die den politischen Parteien CDU, SPD und FDP nahestehen. Die Mehrheitsübernahme hatte darum auch Kritik ausgelöst. GSB-Vorstand Friedel Läpple kündigte in einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung indes bereits an: "Wir streben an, nach dem Ausscheiden der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck einen neuen Gesellschafter zu finden, der die Rolle der Verlagsgruppe übernehmen kann."

Dieser neue Gesellschafter wird aller Voraussicht nach die Rheinische Post Mediengruppe. Für die Düsseldorfer dürfte der Deal, wenn er zustande kommt, die größte Übernahme in der Historie des Verlags sein. Schließlich erzielte die Saarbrücker Zeitungsgruppe im vergangenen Jahr mit 2.700 Mitarbeitern einen Umsatz von 330 Millionen Euro. Zur Gruppe gehören auch die Zeitungen Trierischer Volksfreund, die Lausitzer Rundschau in Cottbus und der Pfälzische Merkur in Zweibrücken, sowie eine Mehrheitsbeteiligung an der Saarländischen Wochenblatt Verlagsgesellschaft. Das Bundeskartellamt, das Übernahmen dieser Art genehmigen muss, dürfte vermutlich keine Einwände haben. Eine Sprecherin der Mediengruppe wollte auf Nachfrage keine Stellung nehmen.

Auf MEEDIA-Anfrage zu der möglichen bevorstehenden Übernahme ruft GSB-Chef Friedel Läpple zurück, aber "nur anstandshalber". Er bestätigt laufende Verhandlungen, zu dem Verhandlungspartner will er aber nichts sagen. Nur so viel: Die Verhandlungen seien auf einem guten Weg. Der SPD-Politiker Läpple war lange Jahre saarländischer Innenminister.

Die Zeitungsgruppe in Saarbrücken gilt als sehr gut geführt – Geschäftsführer ist Holtzbrinck-Mann Joachim Meinhold – und erzielt eine zweistellige Rendite. Ein journalismusfernes Schmuckstück ist das Tochterunternehmen Euroscript, ein vor allem für die EU tätiger Übersetzungsdienstleister, der dem Vernehmen nach für etwa 100 Millionen Umsatz steht. Auch auf digitalen Geschäftsfeldern hat die Gruppe ihre Hausaufgaben gemacht. 15 Prozent des Unternehmens halten dessen Mitarbeiter über eine Beteiligungsgesellschaft. Es gilt in Saarbrücken als möglich, dass diese ihren Anteil auf 20 Prozent erhöht wird. 

Die Rheinische Post Mediengruppe veröffentlicht keine Umsatzzahlen, erzielt aber geschätzt mindestens hundert Millionen Euro mehr Umsatz als der Übernahmekandidat. Vorsitzender der Geschäftsführung der Holding Rheinisch-Bergische Verlagsgesellschaft ist Karl Hans Arnold. Dem Verlag gehören 24,5 Prozent an der Zeitungsgruppe Aachen, dazu kommen eine Reihe von Medien in Tschechien, der Slowakei, Polen und den Niederlanden. Nach inländischer Auflage ist die Gruppe der zehntgrößte Zeitungsverlag der Republik, würde aber durch den Zukauf seine Position verbessern. Der Deal ist angeblich nicht unumstritten – schließlich ist eine Investition ins Zeitungsgeschäft keineswegs mehr ein Selbstgänger. Entscheidend ist offenbar die sehr gute Marktstellung der Saarbrücker Zeitungsgruppe in ihrem Kerngebiet. Dass die Lausitzer Rundschau eher ein Klotz am Bein ist, spielt anscheinend nur eine Nebenrolle.

Ebenfalls für den Zukauf hat sich nach MEEDIA-Informationen die WAZ Mediengruppe interessiert. Allein: Weil sich in Essen die Gesellschafterin Petra Grotkamp zur Mehrheiteigentümerin aufgeschwungen hat und die inner-gesellschaftliche Anteilsübernahme viel Geld kostet, scheint eine Investition in dieser Größenordnung derzeit nicht drin zu sein. Pech für die WAZ, die jahrelang auf viel Geld saß, aber in den vergangenen Jahren bei möglichen Zukäufen nie richtig zum Zuge kam. In Saarbrücken hätte das Medienunternehmen noch ein halbwegs intaktes Zeitungsbiotop vorgefunden. Darüber freuen sich nun die Nachbarn aus Düsseldorf. Wenn alles glatt läuft. 

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