WAZ besinnt sich aufs Ruhrgebiet

Publishing Seit kurzem hat die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) ein überarbeitetes Design – und damit einen neuen Zeitungskopf. Statt wie bisher "Deutschlands größte Regionalzeitung" heißt es nun "Die Zeitung des Ruhrgebiets". Ruhrgebiet statt Deutschland im Fokus – die WAZ und auch die drei anderen Tageszeitungen der Gruppe in NRW betonen die lokale und regionale Ausrichtung stärker. Den vorherigen Abbau von Stellen im Lokalen kritisiert er: "Das hätte man auch anders machen können."

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Mitgeschäftsführer Manfred Braun will der lokalen Tageszeitung "wieder mehr Leben einhauchen", sagte er der FAZ. Braun ist seit einigen Monaten neben Christian Nienhaus Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe. Die Aufgaben haben sich die Chefs, die eine Art Zweckbündnis geschlossen haben und just den dritten Geschäftsführer Thomas Ziegler als Finanzchef ins Boot holten, aufgeteilt. Um die vier NRW-Zeitungen kümmern sich die beiden aber gemeinsam. Wobei es Braun ist, der mit der FAZ über die Umgestaltung der vier Blätter gesprochen hat.

Die von der Agentur KircherBurkhardt
frisch überarbeitete WAZ

Als Nienhaus vor einigen Jahren bei der WAZ anfing, musste er wegen erheblicher Defizite bei drei von vier Blättern sparen. Über die Jahre wurden 300 Stellen abgebaut, heute arbeiten 600 festangestellte Redakteure für die Zeitungen. Maßgeblich vorangetrieben von WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz wurde ein gemeinsamer Newsroom in Essen aufgebaut. Das Lokale wurde dagegen nicht so betont. Heute sagt Braun, damals noch nicht involviert: "Damals wurden gerade im Lokalen Stellen gestrichen, das hätte man auch anders machen können". Eine milde, aber unüberhörbare Kritik an seinem Co-Geschäftsführer und seinem Vorgänger Bodo Hombach.

Nun soll die lokale Berichterstattung wieder verbessert werden. 80 Stellen werden innerhalb der Redaktionen umbesetzt, um das Lokale zu stärken. Die Umbesetzung geht teilweise auf Kosten der überregionalen Ressorts. Um wie viele Redakteure die Lokalredaktionen letztlich aufgestockt werden, wird allerdings nicht gesagt. Dass im Lokalen die Aufgabe und Berufung für Regionalzeitungen liegt, müsste eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber anscheinend nicht, geht es nach dem FAZ-Stück, das Brauns Ansatz darstellt, als würde hier die Zeitung neu erfunden. "Der Lokalchef ist ein kleiner Chefredakteur", sagt Braun. Und Geschichten bräuchten Nachricht, Einordnung, Erzählstil und Service. Das sollen die Redakteure nun in Schulungen lernen. Die WAZ erhebt den Standard des Tageszeitungsjournalismus zu dessen Zukunft.

Das Ziel der Bemühungen: Den Auflagenrückgang von etwa 5 Prozent über alle vier Titel stoppen. Der Erfolg ist wichtig, machen die Umsätze der Zeitungen doch einen kapitalen Anteil am Gesamtumsatz aus. Aber auch auf der Anzeigenseite sieht es nicht gut aus – Umsätze im Einzelhandel seien weggefallen, konstatiert Braun. Doch nun soll es nach vorn gehen, mit "Investitionen in die Qualität und am Produkt". Sagt Braun, und klingt erneut recht kritisch gegenüber der Sparpolitik in der Vergangenheit. Und was ist mit dem Internet? Auch darauf hat Braun eine Antwort: "Das Internet zerstört nicht die Tageszeitung, sondern die Zeitung ist zu vorsichtig, sich der Zeit anzupassen."

Das Geschäftsführer Trio hat auch strukturell Arbeit zu leisten. Die Überführung in eine neue Konzernstruktur – vermutlich eine Kommanditgesellschaft auf Aktien – soll bis Jahresende geschafft sein. Damit das auch eintritt, müssen die Mehrheitsgesellschafterin Pertra Grotkamp und die zwei Minderheitsgesellschafter Renate Schubries und Stpehan Holthoff-Pförtner an einem Strang ziehen.

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