Wooga-Chef: „Tablets werden PCs ablösen“

Publishing Wooga ist eine deutsche Start-up Erfolgsgeschichte. Die Gaming-Experten, die sich auf Zwischendurch-Spiele konzentrieren, haben mit Diamond Dash, Monster World und Co. Games-Gassenhauer geschaffen. Wooga-Chef Jens Begemann sagt nun: "Tablets werden PCs in Privathaushalten ablösen." Darum arbeite bereits die Hälfte der Mitarbeiter in Berlin an mobilen Games. Die Abhängigkeit von Facebook verringert sich dadurch. Das Start-up will Spiele zu einem Unterhaltungsmedium für alle machen.

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Sechs Wooga-Spiele laufen derzeit über Facebook – die Plattform hat für Begemann trotz Negativ-Berichterstattung über den missratenen Börsengang nicht an Attraktivität eingebüßt. Aber: Smartphones und Tablets werden für die Spieleschmiede so wichtig wie Facebook. Der Trend habe sich schon länger abgezeichnet – und nach und nach wurden mehr Entwicklungen für Apple- und Andriod-Geräte angeschoben. Diamond Dash beispielsweise wurde 70 Millionen mal installiert – 20 Millionen Apple-Nutzer luden das Spiel bisher auf ihr Smartphone oder Tablet. In Kürze soll es eine Android-Version geben. Im Herbst wird Monster World für Apple-Geräte verfügbar sein.

Wo der Weg aufs Smartphone für Spieleentwickler zwingend ist, will Begemann aber ebenso konsequent auf Tablet-Anwendungen setzen. Weil die Wachstumsraten bei verkäufen und Nutzung der neuen Geräteklasse so hoch ausfallen, sieht Begemann in ihr ein Wohnzimmer-Medium – und auf den Geräten funktionieren "Spiele für Jedermann" besonders gut. Der typische Wooga-Gamer ist kein 18-Jähriger Strategiespiel-Nerd, sondern eine Frau zwischen 30 und 50 Jahren, die gerne zwischendurch zu Handy oder Tablet greift. Begemann wünscht sich, dass Games bis spätestens 2020 gleichberechtigt neben Kultur- und Unterhaltungsgütern wie Filmen und Musik stehen. Damit das gelingt, will Wooga seine Spiele auf Plattformen anbieten, die nicht nur ein paar Millionen Nutzer anziehen, sondern Hunderte von Millionen. "Die kritische Masse ist unheimlich wichtig", sagt Begemann.

Darum ist – ähnlich wie beim US-Vorbild Zynga – die Anbindung von Wooga an Facebook ausgeprägt. Auch wenn die Begemann´sche Mobilstrategie bedeutet, dass die Abhängigkeit von der Plattform geringer wird, so ist und bleibt das Netzwerk für Wooga eine schwer zu toppende Infrastruktur. Auch, weil die Wooga-Games in erster Linie dazu gedacht sind, sie gemeinsam mit Freunden zu spielen. Anhand der Erfahrungswerte bei Diamond Dash kann Begemann erklären, warum Facebook insbesondere für Social Games so gut funktioniert. Mittlerweile nutzten 64 Prozent der aktiven Spieler von Diamond Dash (wie viele das sind, verrät Wooga nicht) Facebook Connect – d.h. der Nutzer kann seine Freunde einladen, bzw. Freunde des Nutzers werden über die aktuellen Höchstleistungen in Kenntnis gesetzt.

Mit spürbaren Auswirkungen: die Vernetzung via Facebook führe zu einer höheren Monetarisierung pro Nutzer, erhöhe deren Aktivität und führe auch zu einer höheren Viralität, so Begemann. Wird das Spiel demnach über FB Connect gespielt, sei die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Nutzer Geld etwa für Spielhilfen ausgibt – das Spiel selber ist wie alle Wooga-Games kostenlos – etwa acht mal so hoch wie bei anderen Spielern.

Zu Umsatzzahlen oder deren Entwicklung sagt das 2009 gegründete Unternehmen nichts. Generell gilt in der Games-Branche, dass etwa 5 Prozent der Nutzer von Gratis-Spielen bereit sind, Geld auszugeben, um den Spielefortschritt zu beschleunigen oder den Spielspaß zu erhöhen. Der umsatz pro Nutzer mit einem Spiel unterscheidet sich je nach Gerät oder Plattform, auf dem gespielt wird. Den größten Umsatz pro Nutzer vermutet Begemann via iPads. Geringer dürfte er bei Facebook- und Android-Nutzern ausfallen. Aber: Entscheidend sei der Gesamtumsatz, sagt Begemann. Täglich würden derzeit eine Million Android-Geräte aktiviert – die von ihm geforderte kritische Masse also.

Wooga-Games werden künftig für alle relevanten Plattformen entwickelt – also für Facebook, Apples iOS und Android. Das Ziel: Nutzer sollen ihr Spiel in allen Lebenslagen spielen können, egal, wo sie sich befinden. Gleichzeitig will das Unternehmen, das derzeit 200 Mitarbeiter beschäftigt und das in diesem Jahr weitere 50 Jobs schaffen möchte, sein Spiele-Angebot innerhalb der nächsten zwölf Monate verdoppeln.  Begemanns Mobil-Strategie sollte anderen Mediengattungen Hoffnung machen – denn wo gespielt wird, werden vielleicht auch andere Medien konsumiert.

Ein sehr schönes Wooga-Porträt war zuletzt im Zeit-Magazin zu lesen. Investoren von Wooga sind Holtzbrinck Ventures, Balderton Capital, Highland Capital und Tenaya Capital.

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