„Die Rolle von Anna klebte wie Pech an ihr“

Fernsehen Der frühe Tod der Schauspielerin Silvia Seidel ist zum Wochenstart das beherrschende Thema in den Feuilletons und Leute-Rubriken der Medienportale. Als "Anna"-Darstellerin im gleichnamigen ZDF-Weihnachtsmehrteiler war die Münchnerin mit 17 berühmt geworden. 25 Jahre später ist davon nichts geblieben. Seidel starb einsam und verarmt. Erst Tage nach ihrem Tod wurde die 42-Jährige in ihrer Wohnung gefunden. Die Medienstimmen zu dem tragischen Ende eines Publikumlieblings.

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Sueddeutsche.de: "Trotz des Erfolges versuchte die gebürtige Münchnerin, sich von dem "Anna"-Image zu lösen. "Ich weiß genau, was ich will, und nichts anderes werde ich tun: Rollen spielen, die mir gefallen und hoffen, dass ich in diesen Rollen den Leuten gefalle", gab sie sich als 20-Jährige selbstbewusst. Doch das mit dem Selbstbewusstsein erwies sich als schwierig, große Rollen blieben aus. So wie viele andere Kinderstars konnte sie nicht mehr an ihre ersten Erfolge anknüpfen."
Bild.de: "Sie war das Mädchen, das sich in unsere Herzen tanzte. Als TV-Ballerina ‚Anna‘ verzauberte sie als 18-Jährige Millionen Zuschauer. Doch am Ende dieses Mädchen-Märchens standen die Verzweiflung, die Einsamkeit und der Tod."

Spiegel Online: Die Rolle der zarten Tänzerin sollte wie Pech an ihr kleben bleiben. (…) Vor fünf Jahren erzählte sie: ‚Nach ‚Anna‘ stand ich unter Schock, wie nach einem Unfall. 15 Jahre hat es gedauert, bis ich aufgewacht bin. Es passierte damals einfach zu viel in zu kurzer Zeit. Seitdem habe ich einen Großteil meines Lebens damit verbracht, unberühmt zu werden.’ Die eigentliche Wende kam, als sich 1992 ihre schwer depressionskranke Mutter das Leben nahm und Seidels Prominenz sich von einer Last in einen Fluch verwandelte. Die Boulevardpresse hatte für die junge Schauspielerin die Rolle der Tochter vorgesehen, die ihr Leben im Licht der Kameras genießt – und ihre Mutter in der Dunkelheit zugrunde gehen lässt. ‚Man möchte auf die Straße laufen und schreien, das ist nicht wahr, bitte glaubt das nicht, was in der Zeitung steht. Das ist alles ganz anders gewesen. Und man ist so machtlos, so ohnmächtig machtlos, man kann nichts tun.’"

Hamburger Abendblatt: "Tragik war ein steter Begleiter im Leben der Silvia Seidel – und mit tragisch kann auch eine Interview-Passage des ehemaligen Kinderstars aus dem Jahr 2007 bewertet werden. Damals beantwortete die Schauspielerin eine Frage der Zeitschrift ‚Bunte‘, wo sie in fünf Jahren sein wolle, mit folgenden Worten: ‚Bei mir, in meiner Mitte. So wie es sich jetzt gerade anfühlt, hoffe ich, dass es bleibt. Es geht mir sehr, sehr gut im Moment.‘ Die nächste Frage: ‚Unverwundbar sind Sie aber immer noch nicht." Die nächste Antwort: "Nein, ich bin mir sicher, das Leben wird noch viele böse Sachen für mich bereithalten.’"
Swantje Dake auf stern.de: "All diese Serien habe ich nicht gesehen. Das Leben und die Karriere von Seidel nicht weiter verfolgt. Sie war für mich, wie für viele, nicht eine Schauspielerin. Sie war Anna. Und erst jetzt, nach ihrem Tod, erinnere ich mich wieder an die rote Rose quer im Mund, die strenge Ballettlehrerin Kralowa und an Annas Liebe Jacob, den man auch als Neunjährige schon anschmachten konnte."
B.Z.: "Wie sie wollte jedes Mädchen damals sein: Eine tanzende Ballerina, die ihr Schicksal besiegt und trotz eines Autounfalls die Pariser Bühnen erobert. Doch während ‚Anna‘ 1987 in der ZDF-Weihnachtsserie 13 Millionen TV-Zuschauer pro Folge verzauberte, schien die Darstellerin am echten Leben immer mehr zu verzweifeln. (…) Silvia Seidels Wirklichkeit entfernte sich immer weiter vom Ballerina-Märchen der glücklichen Serien-Anna. Was ihr schließlich nur blieb, war Ausweglosigkeit."

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