„Curiosity“: die Social-Media-Profis der NASA

Publishing Es war ein Live-Event, dessen weltweite Auswirkungen auf die Menschen man wohl kaum hätte absehen können. Seit Anfang der Woche dominiert ein Thema die Social Networks: Der Marsrover “Curiosity” landete auf dem roten Planeten - und die ganze Welt fieberte online mit. Was sich nach einem unberechenbaren Hype anhört, war das Ergebnis konstanter Social-Media-Arbeit und einem guten Händchen für die kleinen, menschelnden Geschichten rund um die technische Meisterleistung.

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“Curiosity” ist ein Superstar. Innerhalb weniger Tage hat der kleine Marsrover schon rund 800.000 Follower bei Twitter angesammelt. Lady Gaga brauchte da weitaus länger. Dafür lässt es die Maschine beim Mikrobloggingdienst ordentlich menscheln. “Ich und mein Schatten”, lautet da ein Tweet, der auf einem Bild ein paar Steine zeigt, die auch an irgendeinem Nordseestrand liegen könnten. Tatsächlich ist eine Aufnahme aus einem Krater des Mars zu sehen. “Geiles Foto, Alter”, schreibt da ein Nutzer. “Danke, dass Du das Leben auf dem Mars mit uns teilst”, schreibt eine andere Nutzerin.

Keine Frage: Die Social-Media-Gemeinde hat den NASA-Roboter ins Herz geschlossen. Natürlich hat die Maschine kein Bewusstsein und twittert selbst. Hier sind Profis am Werk. Denn die NASA versteht sich schon seit Jahren darauf, das Web für seine Missionen zu begeistern. “We have ice”, twitterte der Marsrover Phoenix schon 2008. Seitdem unterhält die NASA viele Dutzend Social-Media-Profile. Hochrangige Mitarbeiter twittern, jedes Programm, jede Mission hat ihre eigene Facebook-Seite – auch die Mars-Rover. Bilder und Videos werden auf Flickr und YouTube geteilt, Starts und Landung lassen sich via Ustream verfolgen.

Die NASA geht sogar so weit, ihre Sonden und Roboter untereinander kommunizieren zu lassen. Schließlich sollen auch die anderen Projekte der Raumfahrtbehörde sich im Licht der gelungenen “Curiosity”-Mission sonnen. Da retweetet das Kepler-Teleskop, das über mehr als 220.000 Follower verfügt, auch mal gerne die Jubelmeldung von “Curiosity” über die gelungene Landung.

Aber nicht nur der Roboter “Curiosity” wurde über Nacht zum Star. Ein bislang unbekannter NASA-Mitarbeiter sammelte während der Landung auf dem Mars im Web ordentlich Sympathiepunkte. Vor der Curiosity-Mission war Bobak Ferdowsi nur Kennern der Materie ein Begriff. Der Flugdirektor des Mars Science Laboratory der NASA hatte bis vor Kurzem nur 200 Follower. Mittlerweile sind es weit über 30.000. Kein Wunder: Schließlich setzte ihn die Raumfahrbehörde öffentlichkeitswirksam nah an die Kameras, die das Geschehen live übertrugen. Mit seiner Mohawk-Frisur und einrasierten Sternen und einem Siegerlächeln schaut "Busy Bobak" so gar nicht aus wie der typische Ingenieur. In den USA entstand um den Ingenieur ein regelrechter Web-Hype.

Derweil versorgt die NASA die neugierige Fangemeinde mit Aufnahmen vom Mars. Für die Behörde ist das gute Image überlebenswichtig. In den USA stehen bald Wahlen an, es geht um die Vergabe enormer Budgets, um weitere Missionen finanzieren zu können. Der NASA muss es in den kommenden Monaten gelingen, den Hype um “Curiosity” am Laufen zu halten und das öffentliche Interesse auch weiterhin zu wecken. Das soll auch mit solch aufwändig produzierten Clips funktionieren, die ein wenig an eine Szene aus dem Actionkracher "Armageddon" erinnern – Spannung und Tränen inklusive. Für die junge Zielgruppe vermutlich genau das richtige Stilmittel.
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Solche Bilder verkaufen sich fast besser als die tatsächliche Aufnahme von der Landung des kleinen Roboters, mag man meinen. Doch auch dieser Clip wurde schon fast 500.000 Mal angeschaut. Denn im Social Web punkten die Wissenschaftler durch Lässigkeit und Humor – zwei Attribute, die man auf Anhieb nicht mit Astronauten, Physikern und Ingenieuren in Verbindung bringt.

Unternehmensberater Matthias Schwenk resümiert das Event in seinem Blog folgendermaßen: “Allgemein wird man daraus ableiten können, dass wer in diesem Jahrhundert etwas Wichtiges zu kommunizieren hat, dafür am besten selbst Sorge trägt und sich nicht mehr in die Abhängigkeit der klassischen Massenmedien begibt.” Tatsächlich hätte die Live-Übertragung der Landung auch im Fiasko enden können. So hat die NASA hoch gepokert und erntet jetzt auf Facebook, Twitter und Co. die Früchte ihrer Arbeit.

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