Tausende Daten für unter zehn Sekunden

Publishing Für Datenjournalisten sind die Olympischen Spiele ein Segen. Unmengen an Statistiken lassen sich erstellen und täglich werden neue Daten erhoben. Besondere Faszination geht von den schnellsten Männern der Welt aus. Genauer: von Usain Bolt. Seine Geschwindigkeit: 23,3 Meilen pro Stunde, errechnet der Guardian. Seine Reaktion: 0,014 Sekunden schneller als die seines größten Konkurrenten Blake, zeigt suedeutsche.de. Und wie die New York Times analysiert ist Bolts engter Verfolger: Usain Bolt.

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Darüber redet die Welt heute: Usain Bolt wiederholt seinen Olympia-Sieg über die 100 Meter. 9,63 Sekunden benötigte der Jamaikaner und war damit schneller als jeder andere Läufer bisher bei Olympischen Spielen – eingeschlossen sich selbst. Die Welt saß vor dem Fernseher und ist auch heute noch entzückt. In Büros vergleichen die Menschen, wie viel langsamer sie sind als Bolt. Es ist die womöglich schnellste Entscheidung der Spiele, aber sie liefert genug Daten, um sich Tage lang damit zu beschäftigen.
Und so bieten auch mehrere Online-Nachrichtenseiten weiteren Stoff für Gespräche über die prestigeträchtigste Entscheidung der Leichtathletik-Wettbewerbe. Der Guardian hat im Data-Ressort analysiert, wie sich die Geschwindigkeit im Sprint über die Jahre entwickelt hat. Bolt schraubte die Durchschnittsgeschwindigkeit hier auf 23,3 Meilen pro Stunde – das entspricht etwa 37,5 km/h. Wohlgemerkt – es handelt sich um die Durchschnittsgeschwindigkeit, nicht um den Spitzenwert. Die dazugehörige Grafik ist leider nicht ganz so aussagekräftig.
Umso imposanter dafür das, was die Damen und Herren der New York Times (NYT) veröffentlicht haben. Sie vergleichen Bolt mit den bisherigen Medaillen-Gewinnern der olympischen 100 Meter-Historie und errechneten mit Hilfe der Durchschnittsgeschwindigkeiten, wie weit die jeweiligen Sprinter hinter Bolt ins Ziel gekommen wären. Sie erstellten einen großen, virtuellen 100 Meter-Lauf. Erkenntnisse: Usain Bolt 2012 kommt 0,6 Meter vor Usain Bolt 2008 in das Ziel. Bolt ist also selbst sein engster Verfolger. Der beste Deutsche, Armin Hary, liegt mit seinem Gold-Lauf von 1960 satte 5,6 Meter zurück. Jesse Owens mit seinen 10,3 Sekunden aus Berlin sogar 6,5 Meter. Und Thomas Burke, Sieger der ersten Spiele der Neuzeit, kommt fast 20 Meter hinter Bolt ins Ziel.

Neben einer interaktiven Grafik haben die Macher in einem Video die interessantesten Fakten visualisiert und informieren dabei über weitere Erkenntnisse, wie die Nationalität der Medaillengewinner und die Tatsache, dass nur 3 Läufer ihren Olympia-Sieg wiederholen konnten. Außerdem vergleichen die Journalisten der NYT die historischen 100 Meter Zeiten mit denen der aktuell schnellsten US-amerikanischen Jugendsprinter. Vergleichbare Grafiken und Videos hat die New York Times auch für den Weitsprung der Männer und die 100 Meter Freistil der männlichen Schwimmer online gestellt.
In Deutschland sticht vorallem sueddeutsche.de aus der sonst eher einfach und in Textform gehaltenen Berichtertsattung der Online-Medien heraus. Wie schon für das Rennen der Frauen haben die Münchner eine interaktive Grafik erstellt, in dem die Nutzer die verschiedenen Phasen des Rennens Revue passieren lassen können. So erfährt der Betrachter: Am Start führte der Niederländer Churanda Martina auf der Außenbahn. Dann kam Yohan Blake – in der Mitte der Strecke überholt jedoch Bolt mit dem höheren Endtempo.

Wer lieber die gesamten Spiele statistisch einordnen will, kann natürlich fast überall den Medaillenspiegel betrachten. Doch auch hier gibt es viele Wege, die Daten in Relation zu setzten, wie der Guardian beweist. Auch hier zeigt sich das Data-Ressort der Briten verantwortlich und präsentiert den Nutzern die Möglichkeit den Medaillenspiegel im Hinblick auf Bruttoinlands-Produkt, Bevölkerung oder Größe des Teams zu sortieren. In allen drei Kategorien schneidet Deutschland übrigens deutlich schlechter ab, als im offiziellen Ranking.

Eine ähnliche Anwendung bietet das ZDF. Im "Medaillienmodul" können ebenfalls die Medaillien im Verhältnis zur Bevölkerung betrachtet werden. Außerdem sind die Nutzer in der Lage den Medaillienspiegel nach Gesamtmedaillien sortieren und die erfolgreichten Sportler betrachten.

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