Warum Apple ein neues iPhone nötig hat

Die Gerüchte brodeln mal wieder über: Dass ein neues iPhone in den nächsten Monaten kommt, gilt als ausgemacht. Nun haben zahlreiche US-Techmedien den 12. September übereinstimmend als den Tag bestätigt, an dem Apple eine neue Keynote halten wird. In anderen Worten: das neue iPhone vorstellt. Will der Kultkonzern aus Cupertino sein zweistelliges Wachstum fortsetzen, ist ein September-Launch auch nötig. Im vergangenen Quartal hatte Apple Anleger und Analysten mit seinen iPhone-Absätzen enttäuscht.

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Die Gerüchte brodeln mal wieder über: Dass ein neues iPhone in den nächsten Monaten kommt, gilt als ausgemacht. Nun haben zahlreiche US-Techmedien den 12. September übereinstimmend als den Tag bestätigt, an dem Apple eine neue Keynote halten wird. In anderen Worten: das neue iPhone vorstellt. Will der Kultkonzern aus Cupertino sein zweistelliges Wachstum fortsetzen, ist ein September-Launch auch nötig. Im vergangenen Quartal hatte Apple Anleger und Analysten mit seinen iPhone-Absätzen enttäuscht.
Was für einen Unterschied eine Woche machen kann: Sieben Tage ist es her, als die Spannung vor Apples Geschäftsergebnissen ins Unermessliche wuchs – und mit ihr die Erwartungen. Die Folge: eine in der Deutlichkeit nicht für möglich gehaltene Quartalsverfehlung.
Die Aktie brach ein und erholte sich doch schnell wieder. Eine Woche nach der Quartalsverkündung ist das Paradoxon eingetreten, dass das Papier wieder fast exakt dort steht, wo es vor der Bilanzbekanntgabe notiert hatte: 599 Dollar leuchteten heute auf, bei 600 Dollar war der Kursticker der Nasdaq vergangenen Dienstag mit dem letzten Tick vor den Geschäftsdaten stehen geblieben. Viel Lärm also um Nichts?
US-Blogs bestätigen Apple-Event am 12. September
Nicht so schnell. Die Wall Street ist nicht umsonst so gnädig. Um zehn Dollar wurde die Apple-Aktie heute nach oben katapultiert, nachbörslich kamen weitere zwei Dollar hinzu. Anlass des Kursfeuerwerks: Das Apple-Blog iMore berichtete von einer Apple-Pressekonferenz am 12. September. Im Zentrum der Keynote: Das lang erwartete neue iPhone.
Nach Handelsschuss bestätigte auch der gewöhnlich gut informierte Wall Street-Journal-Ableger All Things Digital die frohe Kunde für Apple-Aficionados: Kreise hätten berichtet, beim Event Mitte September werde das neue iPhone vorgestellt.
Apples iPhone-Verkäufe brachen zuletzt regelrecht ein
Tatsächlich kann es für Apple-Aktionäre keine wichtigere Nachricht geben. Apple, das bestätigte einmal mehr, das jüngste Quartal, ist längst zur iPhone-Company geworden. 46 Prozent der Erlöse erzielt Apples durch sein Kulthandy. Schwächelt das iPhone, wie im vergangenen Dreimonatszeitraum, bekommt Apples Wachstumsdynamik einen Knick.
„Nur“ 26 Millionen iPhone verkaufte Apple zwischen April und Juni – zwei bis drei Milionen weniger als von Analysten erwartet und sogar 8 Millionen weniger als noch im Vorquartal. Die Folge: „Nur“ noch 21 Prozent Gewinnwachstum – der schwächste Wert seit der großen Finanzkrise 2008/2009.
iPhone-Umsätze: Rückfall unter das Niveau von Juni 2011?
Weil Apple-CEO Tim Cook offen von einer „Fall Transition“ sprach, also einer Produktüberholung im Herbst, schlugen die Erwartungen eines baldigen iPhone-Launchs in die Höhe. Gleichzeitig gab Apple einen selbst für die eigene Maßstäbe extrem konservativen Ausblick heraus: Lediglich einen Gewinn je Aktie von nur noch 7,65 Dollar wolle Apple im laufenden Quartal erzielen.
Das würde einen Rückfall auf Niveau des Juni-Quartals von 2011 bedeuten! Mit dem Unterschied, dass die iPad-Sparte heute wesentlich größer ist als vor 15 Monaten. Seinerzeit setzte Apple 20,34 Millionen iPhones ab und verkaufte 9 Millionen iPads. Im vergangenen Quartal waren es schon 17 Millionen verkaufte Tablet-Macs. Befeuerte durch den späten Launch in China am vorvergangenen Wochenende scheinen neue Rekordwerte im September-Quartal durchaus denkbar.
Verkauft Apple erstmals in einem Quartal mehr iPads als iPhones?
Das wiederum könnte eine bemerkenswerte Verschiebung implizieren: Erstmals in einem Quartal könnte Apple mehr iPads als iPhones verkaufen. Zahlen von 20 Millionen erscheinen in der Tablet-Sparte im laufenden Quartal nicht vollkommen unrealistisch. In der iPhone-Unit wäre Apple wohl selbst über diese Größenordnung nicht unglücklich, würde sie doch bedeuten, dass die eigenen Vorgaben geschlagen werden. (Im Juni-Quartal 2011 erzielte Apple einen Gewinn je Aktie von 7,79 Dollar.)
Bleibt nur eine Frage: Wer kauft tatsächlich in den kommenden sechs Wochen noch ein iPhone 4S? Die – von Apple wohl mehr oder weniger selbst geleakte – Ankündigung eines iPhone-Events im September stützt zwar die Aktie, friert aber gleichzeitig den Smartphone-Markt ein. Höchstens in den Emerging Markets oder anderen Nationen, in denen das iPhone kein Herbst-Update erhält, machen weitere Käufe Sinn. Aber reicht das, um selbst Apples konservative Guidance zu erfüllen?
Wer kauft in den nächsten sechs Wochen noch ein iPhone 4S?
Angenommen, der Juli wäre noch auf dem Niveau des Vorquartals ausgefallen – was angesichts des beeindruckenden Galaxy S III-Debüts eher unwahrscheinlich erscheint – hätte Apple vielleicht bislang acht Millionen iPhones abgesetzt. Um den eigenen Ausblick nicht zu gefährden, bräuchte der Kultkonzern aus Cupertino wohl auch bei starken iPad-Absätzen mindestens weitere zehn Millionen verkaufte iPhones.
Zehn Millionen iPhones – davon mindestens 90 Prozent iPhone 4S –  zu einem Zeitpunkt, in dem in den großen Märkten (mit Ausnahme Chinas) das Debüt des Nachfolgermodells erwartet wird? Das klingt nicht unproblematisch. In anderen Worten: Bis gestern schien es nicht völlig ausgeschlossen, dass selbst der Wachstumsgigant Apple in Zeiten einer schwächelnden Konjunktur Gefahr lief, im Zuge einer Produktüberholung seine eigenen Schätzungen zu unterbieten. Es wäre das erste Mal seit dem September 2000 – und ein echtes Drama für Jobs’  Nachfolger Tim Cook.
Operation Quartalsrettung: Tim Cook kann den Joker iPhone 5 spielen
Tim Cook dürfte das Risiko längst abgewogen und einkalkuliert haben – zu wohl gesetzt waren die Hinweise der „Fall Transition“ im Conference Call.  In anderen Worten: Das iPhone im September dürfte längst eingeplant gewesen sein – und sei es nur eine Woche vor Quartalsende, um die Bilanz zu retten, wenn nötig.
Was Apple bei einem iPhone-Launch zu liefern imstande ist, machte der Vorgänger klar. Vom iPhone 4S gingen 4 Millionen über die Ladentische – am Startwochenende. Nicht auszudenken, was in einer Woche mit sehnlichst erwarteten Nachfolgermodell drin ist. Den Joker kann Cook also spielen, wenn er ihn denn braucht, um das Quartal zu retten.
Preis eines September-Launches: Die Dezember-Bilanz 
Gleichfalls dürfte Cook sehr genau abwägen, ob das nötig ist. Denn noch wichtiger als ein gerade noch akzeptables September-Quartal, das zum Teil längst eingepreist scheint, ist ein gigantisches Dezember-Quartal. Verkauft Apple fünf oder gar acht Millionen iPhone 5 auf den letzten Metern des Fiskaljahres 2012, das bekanntlich im September endet, fehlen diese Einheiten wieder im Dezember-Quartal, das – wie Pando Daily vorrechnet – galaktisch gut werden muss.
Wenn Apple auch nur 40 Prozent iPhone-Umsatzwachstum – was trotzdem der bislang schwächste Wert der Konzerngeschichte wäre – liefert, müssen trotzdem mehr als enorme 50 Millionen iPhones im Weihnachtsquartal verkauft werden! Tim Cook hat also die Wahl: Alle Chips auf den Oktober setzen – oder doch auf den letzten Metern den September retten. Am Ende könnten es wenige Tage sein, die über Apples Wachstumsdynamik des gesamten nächsten Fiskaljahres entscheiden.

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