Mario Garcia über gutes Tabloid-Design

Publishing Größe spielt keine Rolle. Sagt US-Stardesigner Mario Garcia. Seine These: Beim Design einer Tabloid-Zeitung spiele das Format keine entscheidende Rolle. Es gehe vielmehr um den Spirit, den Geist eines Blatts. Garcia unterscheidet fünf verschiedene Kategorien von Tabloid-Zeitungen, wobei sein Lieblings-Tabloid, die deutsche Bild-Zeitung, vom Format eigentlich gar keine ist. Ein Leser müsse in zehn Sekunden erfassen können, wie ein Blatt tickt. Die Zeitung selber müsse dem Leser zurufen: Ich weiß, wer ich bin.

Werbeanzeige

Zur Klärung des Wortes: Im Englischen ist ein Tabloid im eigentlichen Sinn ein Boulevardblatt. Das Tabloid-Format ist wiederum ein kompaktes Zeitungsformat. Um bei Garcias Favoriten zu bleiben, ist Bild zwar von der Ansprache und den Inhalten her ein Tabloid, das Format ist aber Broadsheet, also in etwa vergleichbar mit dem nordischen Format in deutscher Zeitungssprache.

Garcia, der Zeitungen auf der ganzen Welt gestaltet hat, betont seine Zuneigung zu Bild gelegentlich – was beispielsweise bedeuten könnte, dass er nicht übel Lust hätte, die größte Boulvardzeitung Europas mal ein wenig aufzuhübschen. Doch Garcia behauptet treu: Die Bild folge keinen Regeln, außer denen, die ihre eigene DNA vorgebe. "Bild ist, was sie sein will." Klingt wie ein Bewerbungsschreiben.

Das Tabloid-Format hat sich, anders als in vielen anderen großen Zeitungsnationen wie etwa England, in Deutschland nicht durchgesetzt. Und es scheint fast unwahrscheinlich, dass ein tipping point, an dem reihenweise Zeitungen Kompaktausgaben herausgeben, kommen wird. Die Umstellung von Frankfurter Rundschau und Handelsblatt auf ein solches Tabloid-Format brachte beiden keine nennenswerten Impulse. Das Beispiel Rundschau zeigt sogar, dass eine optisch durchaus ansprechende Formatumstellung einen Auflagenniedergang keineswegs stoppen kann, wenn die Marke als solche schon am Boden liegt. Das Handelsblatt hat sich nach der Formatumstellung und insbesondere noch mal nach der Übernahme der Chefredaktion durch Gabor Steingart auch inhaltlich gewandelt ("tägliches Magazin" als Schlagwort). Die Meinungen zu diesem Schritt sind geteilt. Die Welt Kompakt, die parallel zur klassischen Welt erscheint, weist keine separaten Auflagenzahlen aus – ihr Erfolg ist darum nicht quantitativ zu erfassen.

Garcias fünf Kategorien für das weltweit äußerst erfolgreiche Tabloid-Format sind:

Die klassischen Tabloids – Darunter fasst Garcia qualitativ hochwertige Leitmedien wie El Pais und den Guardian. Diese brauchen Artikel auf der Titelseite und nicht zwingend riesige Fotos. "Entspannt und elegant", nennt Garcia das.
 

Zeitgemäße Tabloids – Sie sprechen ein gebildetes Publikum an, die ihre Zeitung aber bunt, abwechslungsreich und lebendig haben wollen. Der Textanteil der Titelseite ist gering, die Titelseite dient als attraktiver Navigator durchs Blatt. Garcia bezeichnet sie als seriös und unterhaltsam zugleich. Gleichzeitig sei dieser Typus ideal für eine einheitliche Ansprache gedruckt wie digital, glaubt Garcia. Beispiele: Publico (Portugal), Göteborgs Posten (Schweden), Ara (Spanien)
 

Massenmarkt-Tabloids – Sie sind laut, frech, und haben "Inhalte wie ein Feueralarm". Tabu-Themen gibt es nicht – Sex, Crime, Klatsch sind Pflicht, es darf aber auch mal investigativ werden. Beispiele: Bild, Daily News (USA), Iltalehti (Finnland), Aftonbladet (Schweden)
 

Poster Look-Tabloids – Garcia sagt, dass dieser Typus vor allem eine gute Art Direktion benötige, denn die Erfolgsformel sei seitenfüllendes Foto plus gute Geschichte. Es sei schwer, diesen Anspruch jeden tag zu erfüllen. Beispiele: Newsday (USA), Kleine Zeitung (Österreich), Liberation (Frankreich)
 

Sport-Tabloids – Sie zeichnen sich durch große Fotos und ebenso große Überschriften aus. Das Design eines Sport-Tabloids sei wie Urlaub, findet Garcia. Beispiele: Diez (Honduras) und Marca (Spanien) 

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige