Google sucht Garagen-Gründergeist

Publishing "Wir brauchen mehr Begeisterung für Ideen", sagt Günter Faltin. Innovation, sagt der Professor für Entrepreneurship an der Freien Universität Berlin, müsse demokratisiert werden. Faltin ist der Kopf hinter der "Gründer-Garage", einem neuen Wettbewerb für angehende Unternehmer. An die Gewinner vergibt Google Preisgelder im Gesamtwert von 150.000 Euro. Bewerber müssen nicht nur mit einem Geschäftsmodell überzeugen, sie sollen via Crowdfunding auch die Finanzierung ihres Start-ups mit anschieben.

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Die "Gründer-Garage" bietet Neu-Unternehmern mit einer überzeugenden Geschäftsidee die Möglichkeit, verschiedene Online-Trainings zu durchlaufen. Die übernimmt Faltins Stiftung Entrepreneuership. Im Anschluss sammeln die Teilnehmer ab September Geld bei Förderern ein. Dies läuft über eine lokale Unterseite der US-Crowdfunding-Plattform Indiegogo. Jedes Unternehmen setzt sich selber ein Förderungsziel. Erreichen Sie über die Plattform dieses Ziel, gehören sie zu den Gewinnern. Indiegogo (die Amerikaner  nennen sich die "weltweit führende Crowdfunding-Plattform") ermitteln zusätzlich aus 20 Kriterien einen "GoGo-Faktor", der die Aktivität ausdrückt, den ein Start-up bei dessen Förderern entwickelt.

Nun gibt es bereits diverse staatliche Förderprogramme für Start-ups, ebenso eine wachsende Zahl von Crowdfunding und Crowdinvesting-Plattformen, auf denen risikobereite Nachwuchsunternehmer ihr Geschäftsmodell bewerben können. Initiator Faltin sieht in der "Gründer-Garage" einen Unterschied. Der Wettbewerb soll Menschen ansprechen, die nicht zum Dunstkreis der Startup-Szene beispielsweise in Berlin gehören. Menschen, die mit dem Wort "Unternehmertum", das Faltin selber ungern verwendet, gar nicht viel anfangen können, die aber eine Idee haben, von der sie bislang nicht dachten, dass sie diese auch tatsächlich umsetzen würden.

"Das Experiment ist notwendig", sagt der Professor. Aber: Geld allein reiche nicht, es gehe um neue Konzepte, die auch einer genauen Überprüfung auf ihre Geschäftstüchtigkeit standhalten. Denn schließlich scheiterten 80 Prozent aller Neugründungen in den ersten fünf Jahren. Geld lasse sich auftreiben, auch Mitstreiter mit einem MBA-Titel. In erster Linie aber zählten nur durchdachte Ideen. Es gehe bei dem Aufruf zu mehr Gründergeist aber nicht darum, "das Silicon Valley zu imitieren", sagt Faltin. "Wir haben in Europa eine ganz andere kulturelle Vielfalt." Sein Motto lautet: "Diversity drives innovation."

Google als Wettbewerbssponsor ist dabei eine naheliegende Lösung – auch das Geschäftsmodell des Suchmaschinenanbieters hängt an abertausenden kleinen und mittelständischen Unternehmen. Und Google wurde schließlich auch in einer Garage gegründet, erinnerte Wieland Holfelder, Entwicklungschef von Google Deutschland, bei der Vorstellung des Wettbewerbs. "Deutschland kann einen neuen Gründergeist gut gebrauchen", sagt Holfelder. In dieselbe Kerbe haute Projektbeirätin Verena Delius, Chefin von Goodbeans, das u.a. Apps für Kinder entwickelt: "Gründen ist nicht in der DNA der Deutschen." Insofern wettet die Unternehmerin nun darauf, dass die "Gründer-Garage" ihre These widerlegt.  

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