Neuer Tiefststand: Fallobst-Aktie Facebook

Die Demontage von Facebook als börsengelistetes Unternehmen geht weiter: Im gestrigen Handelsverlauf wurden erneut neue Allzeittiefs erreicht – die Aktie durchbrach die Marke von 22 Dollar nach unten. Enorme 42 Prozent Anlegerkapital bzw. unfassbare 45 Milliarden Dollar Börsenwert hat das weltgrößte Social Network in Rekordgeschwindigkeit verbrannt – gerade mal zehn Wochen reichten für die beispiellose Kapitalvernichtung. Die schlechte Nachricht für Facebook-Aktionäre: Auch nach dem Kurssturz ist die Aktie immer noch sehr teuer.

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Die Demontage von Facebook als börsengelistetes Unternehmen geht weiter: Im heutigen Handelsverlauf wurden erneut neue Allzeittiefs erreicht – die Aktie durchbrach die Marke von 22 Dollar nach unten. Enorme 42 Prozent Anlegerkapital bzw. unfassbare 45 Milliarden Dollar Börsenwert hat das weltgrößte Social Network in Rekordgeschwindigkeit verbrannt –  gerade mal zehn Wochen reichten für die beispiellose Kapitalvernichtung. Die schlechte Nachricht für Facebook-Aktionäre: Auch nach dem Kurssturz ist die Aktie immer noch sehr teuer. 
Rot, rot, rot: Das ist alles, was Anleger in diesen Tagen sehen, wenn sie das Tickersymbol "FB" derzeit abrufen. Die Facebook-Aktie befindet sich schon wieder im freien Fall und holt sich wie ein angeschlagener Boxer an der Wall Street seit der Bekanntgabe der enttäuschenden Quartalsbilanz eine Tracht Prügel nach der anderen ab.  
Schon wieder um mehr als 6 Prozent ging es heute nach unten, nicht mal mehr die 22-Dollarmarke konnte die Aktie im Handelsverlauf halten – und das, obwohl die Technologiebörse Nasdaq fast unverändert schloss. Unglaubliche 42 Prozent Anlegerkapital gingen in den zehn Wochen seit dem Börsenlisting Mitte Mai verloren. 
Der Börsencrash hat Facebook und die Branche schwer beschädigt
Das Tempo der Kapitalvernichtung ist so atemberaubend, dass Facebook drauf und dran ist, neue Negativrekorde aufzustellen: Enorme 45 Milliarden Dollar Anlegerkapital hat das weltgrößte Social Network in den ersten zehn Wochen seines Börsendebüts verbrannt – ein in diesen Dimensionen nie da gewesener Vorgang.
Facebook, das ist jetzt schon klar, hat sich und die Branche mit dem Börsengang schwer beschädigt. Es ist der bisherige Tiefpunkt einer rasanten Erfolgsgeschichte, der die Start-up-Szene lähmt, das Fenster für Neuemissionen auf Monate einfriert und den Dotcom-Emporkömmling diskreditiert, der gegenüber Bewerbern schon tönte, das erste Billionen-Unternehmen der Welt werden zu wollen. 
Desaster Facebook-IPO: Kurszuwächse nur für private Investoren im Vorfeld
Köder Mitarbeiteraktien? Wer in den vergangenen Monaten in der Hoffnung auf schnellen Reichtum bei Facebook unterzeichnete, dürfte nun den 1999er-Blues singen: Manche hochfliegenden Börsenträume zerschellen schneller als andere.  
Dabei war das Facebook-Fiasko so hausgemacht wie absehbar: Das Social Network startete mit einer Mondbewertung von 104 Milliarden Dollar – Kurszuwächse gab es nur für private Investoren, die sich im Vorfeld an Facebook beteiligen konnten. Der Rest zahlt jetzt die Zeche für den vermutlich überteuertsten Börsengang des bisherigen Jahrhunderts.  
Geschäftsentwicklung kann aktuelle Bewertung nicht rechtfertigen
Anleger, die 42 Prozent hinten liegen, dürften sich an das Prinzip Hoffnung klammern: Facebook habe doch ein großes Potenzial, die enorme Nutzerzahl sei noch längst nicht monetarisiert, die Zukunft liege ohnehin im mobilen Internet. Alles in Theorie richtig – an der Wall Street zählen indes nur Zahlen des laufenden Geschäfts.
Und die können bisher einfach nicht beeindrucken. Nur 32 Prozent Umsatzwachstum? Gerade mal drei Prozent Gewinnwachstum – und das auch nur nach gütiger Lesart des Non-GAAP-Bilanzierungsstandards, also die realen Kostenposten für Mitarbeiteraktien und Marketingaufwendungen herausgerechnet. Selbst in Addition mit dem ersten Quartal sieht es nicht besser aus: Facebooks Gewinne zwischen Januar und Juni wuchsen gerade mal um zehn Prozent. 
Facebook im Vergleich mit Google nur ein Zwerg
Wie wenig das ist, unterstreicht der aktuelle Vergleich mit dem großen Mitbewerber Google, den Facebook ja eigentlich einmal ablösen sollte. Heute erscheint der Hype, der in den vergangenen Jahren um das boomende Social Network entfacht wurde, wie ein Treppenwitz der jüngeren Internet-Geschichte: Facebook, das muss man so klar sagen, sieht gegen Google – zumindest in der Geschäftsentwicklung – aktuell wie ein Zwerg aus. Gerade mal gut einer Milliarde Dollar Erlöse stehen mehr als 10 Milliarden Dollar beim Powerhouse Google gegenüber. 
Die Gewinnentwicklung ist ähnlich eklatant: Google hat im abgelaufenen Quartal 2,79 Milliarden Dollar vedient, Facebook auf Pro Forma-Basis gerade mal lumpige 295 Millionen. Der Abstand zwischen Facebook und Google könnte mit dem Vergleich David und Goliath nicht besser beschrieben werden, auch wenn das Selbstbewusstsein, mit dem Mark Zuckerberg auftritt, es durchaus mit dem von Larry Page und Sergey Brin zusammen aufnehmen kann. 
Facebook dreimal so teuer wie Google
Überraschenderweise wird die Facebook-Aktie auch nach dem jüngsten Kurssturz immer noch mit einem enormen Premium-Aufschlag zu Google gehandelt. Angesichts Facebooks Börsenwert von aktuell 60 Milliarden Dollar ist Google mit einer Marktkapitalisierung von aktuell 207 Milliarden Dollar nicht mal 3,5-Mal wertvoller als das Social Network, obwohl der Internetgigant zehnmal mehr verdient und erlöst und aktuell beim Gewinn als auch Umsatz  sogar leicht schneller wächst. 
Facebook hat also immer noch ein immenses Bewertungsproblem. 12 Cent je Aktie verdiente Facebook im abgelaufenen Dreimonatszeitraum, 8 Cent waren es im März-Quartal. Macht zusammen 20 Cent je Aktie im ersten Halbjahr. Wenn man Facebook ein monströs gutes Weihnachtsquartal unterstellt, könnte das Social Network vielleicht doch noch die bisherigen Wall Street-Konsensschätzungen von 50 Cent je Aktie erreichen. (Wahrscheinlicher erscheinen eher 45 bis 48  Cent). 
Facebook-Aktionäre setzen auf das Prinzip Hoffnung
Doch selbst dann ist Facebook aktuell immer noch extrem teuer. Die Aktie wechselt nämlich bei 22 Dollar dann immer noch mit einem KGV von 44 bis 48 den Besitzer. Der Marktdurchschnitt liegt aber bei 15. Genau dieses Niveau wird aktuell für die Google-Aktie bezahlt. 
Wie ist nun dieser enorme Premium-Aufschlag bei Facebook zu rechtfertigen, obwohl es aktuell sogar schon langsamer wächst als der Rivale Google? Mit einem Wort: gar nicht. Es sei denn Facebook-Fans hoffen auf ein Wachstumswunder, einen großartigen neuen Produktlaunch Zuckerbergs oder den Weg einer knallharten Monetarisierung, der viele Nutzer vertreiben dürfte.
Facebook-Aktie bei Google-Bewertung noch bei 7,50 Dollar
In der Zwischenzeit lohnt für Aktionäre in einem ruhigen Augenblick der Vergleich mit der Entwicklung der Google-Aktie, die seit drei Jahren gar nichts getan hat, obwohl das Unternehmen kerngesund ist und beständig nachhaltiges zweistelliges Wachstum abliefert. Google war auch einmal da, wo Facebook jetzt ist: In der Region eines KGVs zwischen 40 bis 50. 
Die Geschichte lehrt jedoch, dass Multiplen in dieser Größenordnung an der Wall Street nie lange durchgehalten werden. (Es sei denn, das Unternehmen heißt Amazon und gehorcht seinen eigenen Regeln.) Die Anpassung an die Bewertungsnormalität folgt früher oder später. Je höher das Unternehmen bewertet ist, desto länger dieser Weg. Bei Facebook hat der Abstieg mit Tag eins des Börsenlistings begonnen.  
Wie weit nach unten es noch gehen kann, bleibt Kaffeesatzleserei. Nur ein Vergleich macht nachdenklich: Wenn Facebook so bewertet werden würde, wie Google aktuell, würde die Facebook-Aktie heute nicht bei 22 notieren – sondern bei 7,50 Dollar. 

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