SZ „bedauert“ Prantls Voßkuhle-Gate

Publishing Die Süddeutsche Zeitung hat bedauert, dass ihr Autor Heribert Prantl in einem Porträt über Verfassungsrichter Andreas Voßkuhle eine Szene beschrieb, die er selbst gar nicht erlebt hatte. Prantl, seines Zeichens Ressortleiter Innenpolitik und Mitglied der Chefredaktion hatte eine Küchenszene mit dem Verfassungsrichter beschrieben. “Die Redaktion bedauert diesen Fehler”, heißt es am heutigen Dienstag. Prantl steht nach dem “Voßkuhle-Gate” in der Redaktion angeblich massiv in der Kritik.

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Die Frankfurter Rundschau schreibt, dass in der Redaktionskonferenz der SZ am Montag über die szenische Rekonstruktion Prantls heftig diskutiert wurde. Alexander Gorkow, Leiter des Reportage-Ressort, habe angezweifelt, ob Prantl künftig noch auf der renommierten Seite 3 der Süddeutschen gedruckt werden kann. Der Jurist Prantl ist einer der wichtigsten und bekanntesten Leitartikler und Autoren der SZ. Dass er eine Art “Seite-3-Verbot” erhält, wäre eine Sensation.

Wörtlich schreibt die SZ-Redaktion am heutigen Dienstag auf Seite 3: "Die Süddeutsche Zeitung hat am 10. Juli auf Seite Drei unter dem Titel ‚Der Verfassungsschützer‘ ein Porträt über Andreas Voßkuhle veröffentlicht, den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts. Darin schildert der Autor, Heribert Prantl, eine Szene, die zu Hause in der Küche Voßkuhles spielt. Bei dieser Schilderung konnte der Eindruck entstehen, Prantl sei selbst Gast im Hause Voßkuhle gewesen. Das war nicht der Fall. Der Autor hat sich die Szene vielmehr von Teilnehmern der Küchenrunde schildern lassen, ohne dies ausdrücklich kenntlich zu machen. Die Redaktion bedauert diesen Fehler."<br <br="" >
Prantl schrieb wörtlich: "Die Küche ist sein Lieblingsort – der Ort, an dem das Fleisch geklopft, der Fisch entgrätet, das Gemüse gegart und das Essen abgeschmeckt wird. Man muss ihn am Küchentisch erleben. Man muss erleben, wie er ein großes Essen vorbereitet. Bei Voßkuhles setzt man sich nicht an die gedeckte Tafel und wartet, was aufgetragen wird. (…) Der eine Gast putzt die Pilze, der andere die Bohnen, der dritte wäscht den Salat. Jeder hat seinen Part, jeder hat was zu schnippeln, zu sieden und zu kochen, jeder etwas zu reden. Voßkuhle selbst rührt das Dressing. Man ahnt, wie er als oberster Richter agiert."

Der Fall erinnert an das Pfister-Gate vom Henri-Nannen-Preis 2011. Damals gewann René Pfister vom Spiegel den Preis in der Kategorie Reportage für ein Horst-Seehofer-Porträt, in dem er eine Szene aus dem Modellbahnkeller Seehofers schilderte, den er selbst nie gesehen hatte. Pfister bekam den Preis aberkannt, als dies bekannt wurde.

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