Stolpersteine: Cannes entlastet Jung von Matt

Marketing Die Agentur Jung von Matt kann in Sachen Stolpersteine aufatmen. Eine Untersuchung des hoch umstrittenen Casefilms durch das Cannes Werbefestival kam zum Ergebnis, dass die Kriterien für die Cannes-Preisvergabe durch die Kampagne erfüllt wurden. Das Stolpersteine-Projekt von Jung von Matt kam in die Kritik, nachdem MEEDIA bekannt gemacht hatte, dass der ausgezeichnete Casefilm Funktionen zeigt, die es gar nicht gibt, und dass die Idee zu dem Projekt eigentlich alt war.

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Hintergrund: Seit 2004 verlegt der Künstler Gunter Demnig so genannte Stolpersteine in Deutschland. Das sind Pflastersteine, die vor Häusern platziert wurden, in denen Holocaust-Opfer lebten. Die Werbeagentur Jung von Matt erstellte zu dem Projekt eine Website, die die Stolpersteine über Google Maps im Internet auffindbar macht. Der dazugehörige Casefilm wurde auf dem Cannes Werbefestival in der Kategorie Media mit Gold und in der Kategorie Integrated mit Bronze ausgezeichnet.
Allerdings zeigt der Film zahlreiche Funktionen und Features, die bei der realen Website gar nicht vorhanden sind. Zudem stellte sich heraus, dass die Idee, zu dem Projekt eine Website zu machen, alt war: Bereits im September 2007 sicherte sich Sven-Olaf Peeck, heute Geschäftsführer der Hamburger Social Media-Agentur Crowdmedia, die Domain stolpersteine.org. Zudem wurde im Jung von Matt Casefilm gleich zweimal ein falsches Nazi-Opfer im Bild gezeigt.
Nachdem vielfältig Kritik an dem in weiten Teilen gefakten Casefilm laut wurde, startete das Cannes Festival eine Untersuchung. Auf Anfrage von MEEDIA erklärte eine Festival-Sprecherin nun, das die Untersuchung abgeschlosen wurde, und Jung von Matt die Auszeichnungen behalten darf. Das Cannes Festival begründet den Entschluss damit, dass die Agentur JvM nicht behauptet habe, dass das Konzept ihre eigene Idee war. JvM habe mit dem Künstler Gunter Demnig seit Oktober 2011 zusammengearbeitet und es würden auch aktuell immer noch neue Fotos und Biografien hochgeladen. Einer der Haupt-Kritikpunkte war, dass die JvM-Website kaum Biografien und Fotos enthält, wie es der Casefilm suggerierte. Die Biografien, die in dem Casefilm einem bestimmten Schicksal zugeordnet wurden, fehlen auf der JvM-Website allerdings nach wie vor. 
Die Agentur hat gegenüber dem Cannes Festival ausgesagt, dass sie die erste globale Kooperation mit dem Künstler Gunter Demnig auf Basis von Google Maps erfunden habe. “Wir haben alls Stolpersteine für Hamburg manuell in Panoramio und Google Earth eingepflegt”, so die Agentur laut Cannes Festival. Die eingereichte Arbeit der Agentur würde darum den relevanten Kriterien für das Cannes Festival entsprechen, so die Cannes-Sprecherin.

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