Anzeigenflaute: „Schmerzliche Einbußen“

Publishing "Es kann sich im Herbst positiv drehen", "wir müssen es nicht so pessimistisch sehen", für bezahlte Inhalte "sind noch viele Entwicklungen denkbar" – Helmut Heinen, Verleger der Kölnischen Rundschau und BDZV-Präsident, setzt in einem Interview mit der FAZ auf das Prinzip Hoffnung. Eine signalträchtige Information gibt Heinen gleich in der ersten Antwort: Das erste Halbjahr sei bei der "Rundschau" von "teilweise schmerzlichen Einbußen im Anzeigenbereich" geprägt gewesen. Sicher kein Einzelfall.

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Vor allem Großkunden bzw. deren Werbe-Abstinenz scheinen der Kölnischen Rundschau im ersten Halbjahr Probleme bereitet zu haben. Damit befindet sich das Blatt in guter Gesellschaft – Discounter wie Aldi und Lidl experimentieren immer mal wieder mit alternativen Werbeformen und verschieben ihre Budgets gerne hin und her. Die Krise bei Metro macht sich ebenso in den Anzeigenstatistiken bemerkbar. Und Schlecker ist pleite.

Darum ist es nicht verwunderlich, dass Heinen an die Verlage appelliert: "Im Sinne unserer Leserschaft müssen wir weiblicher, jünger und verständlicher werden." Ganz korrekt hätte Heinen aber eigentlich sagen müssen: "In unserem eigenen Interesse". Denn die Leserschaft der Tageszeitungen ist eben noch viel zu wenig weiblich und jung. Auch das gesteht der wie immer pragmatisch-argumentierende Mathematiker Heinen ein: "Es wird schwerer, jüngere Menschen als Käufer zu finden."

Der Zeitungsverlegerverband BDZV veröffentlichte erst vor zwei Wochen die Umsatzstatistik deutscher Zeitungsverlage des vergangenen Jahres. Demnach landeten 2011 ca. 85 Millionen Werbeeuros weniger in den Kassen deutscher Verlage, was einem Minus von 2,25 Prozent zum Vorjahr bei einem Gesamtwerbeumsatz von 3,77 Milliarden Euro entspricht. Der BDZV erhebt die Zahlen im Rahmen einer Umsatzerhebung jedes Jahr – die Verlage werden hier explizit um die Angabe ihrer Nettoumsätze gebeten.

Heinen erwartet in Zukunft "die eine oder andere Übernahme" in der Zeitungsbranche. Bisher hätten verkaufswillige Verleger aber noch immer einen Abnehmer in der Branche gefunden. Dies sei "ermutigend". Hoffnungen setzt Heinen auch in die Digitalisierung – in den vergangenen drei Monaten habe beispielsweise die Rundschau "einige hundert digitale Abonnenten" gewinnen können. Gemeinsam mit dem Rundschau-Kooperationspartner M. DuMont Schauberg ist Helmut Heinen auch an der Berliner Zeitung beteiligt.

Hinweis: In einer ersten Version des Artikels hieß es, die BDZV-Umsatzzahlen beruhten auf Bruttowerten. Dies ist nicht korrekt, es werden Nettoumsätze abgefragt. 

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