“Auf der WAZ lastet erbärmlicher Druck”

Publishing In einem Interview mit DRadio Wissen hat David Schraven, Leiter der zentralen Recherche-Redaktion der WAZ-Gruppe, sein Haus scharf kritisiert. Gerade auf der WAZ laste ein “ganz erbärmlicher Druck”, nennenswert Geld zu verdienen. Der Spardruck hänge mit der Übernahme der WAZ-Mehrheit durch Gesellschafterin Petra Grotkamp zusammen. Schravens Recherche-Redaktion wurde von sechs auf vier Personen reduziert. Schraven: “Noch kleiner geht nicht. Noch kleiner, dann wäre ich weg.”

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Schraven erläuterte auch, dass der zentrale Content-Desk der WAZ-Gruppe, jene Redaktion, die überregionale Themen für alle fünf WAZ-Zeitungen in Nordrhein-Westfalen bereitstellen soll, zusammengestrichen wurde. 16 bis 20 Redakteure von dort seien zurück in die Lokalredaktionen beordert worden. Die Sparzwänge führt Schraven in dem Gespräch mit DRadio Wissen einerseits auf Auflagenrückgänge aber auch auf ökonomischen Druck wegen der WAZ-Übernahme zurück. Hintergrund: Anfang des Jahres hat WAZ-Gesellschafterin Petra Grotkamp die andere Hälfte an dem Medienkonzern von der zweiten Gesellschafterfamilie Brost übernommen. Geschätzter Kaufpreis: rund 500 Mio. Euro.

Damit endete einerseits der langjährige Zwist zwischen den beiden Gesellschafter-Stämmen bei der WAZ-Gruppe. Andererseits muss der Kauf auch finanziert werden. Hinzu kommt, dass die WAZ vor allem in NRW offenbar mit den Folgen der Sparpolitik der vergangenen Jahre kämpft. 2009 wurden rund 600 Stellen abgebaut, davon viele in den Redaktionen, gerade auch in den Lokalredaktionen. Die Folge sind die von Schraven beschriebenen Personal-Rochaden.

David Schraven leitet das Recherche-Ressort der WAZ seit Juni 2010. Er hat u.a. für die Süddeutsche Zeitung, die taz und die Welt gearbeitet und das Blog Ruhrbarone mit aufgebaut. Für seine Recherchen zum PFT-Giftskandal an der Ruhr erhielt er 2008 einen Wächterpreis der Tagespresse. Schraven sitzt außerdem im Vorstand des Netzwerks Recherche. In einem Kommentar beim Branchendienst Turi2 relativierte Schraven seine harten Worte bereits wieder: “Aufgrund des wirtschaftlichen Druckes im Medienwandel auf alle Printobjekte verstehe ich die Notwendigkeit, dass sich die WAZ verändert. Deswegen verstehe ich, dass die Zentralredaktion der WAZ-Gruppe am Content Desk reduziert wurde. Deswegen bin ich einverstanden mit der aktuellen Reduzierung in meinem Ressort. Das ist so besprochen und ich bin damit einverstanden.” Mit seinem „Abgang“ gedroht wie Turi2 ein wenig zugespitzt formulierte, habe er keinesfalls gedroht. In den oberen WAZ-Etagen dürfte man über den Klartext von Schraven bei DRadio Wissen nicht uneingeschränkt amüsiert gewesen sein.
Hier gibt es das Gespräch mit David Schraven bei DRadio Wissen zum nachhören.

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