Amazon wettet weiter auf die Zukunft

Publishing Gewinne? Wie oberflächlich betrachtet! Amazons Konzernchef Jeff Bezos hat im vergangenen Quartal wieder das gemacht, was er am liebsten macht: Die Erwartungen der Wall Street ignoriert. Einen symbolischen Gewinn von 1 Cent je Aktie erzielte Amazon zwischen April und Juni. Im laufenden Quartal wird es nicht besser werden: Amazon nimmt sogar Verluste in Kauf. Amazon-Gründer Jeff Bezos dürfte darüber dennoch in bekannter Manier herzhaft gelacht haben: Die Wall Street verzeiht dem Ex-Fondsmanager ohnehin alles fast.

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Dass man es als Volkswirtschaftler eher schwer hat, die Gesetze der Börse zu verstehen, gilt als offenes Geheimnis der Kapitalmärkte. Offenkundig wird das immer wieder in der Berichtssaison, wenn das Wechselspiel zwischen Erwartungen und tatsächlichen Ergebnissen Kapriolen schlägt.
Apple verdient 8,8 Milliarden bei Gewinnzuwächsen von 21 Prozent? Zack, ab 5 Prozent nach unten! Google legte nur um 15 Prozent auf 2,79 Milliarden Dollar zu? Wird mit Kusraufschlägen von drei Prozent belohnt. Und Amazon? Gewinneinbrüche von happigen 96 Prozent auf einen Mini-Profit von 7 Millionen Dollar. Was macht die Wall Street daraus? Obwohl sie mehr erwartet hat, klatscht sie dennoch Beifall und schickt die Amazon-Aktie nach Handelsschluss noch um ein Dollar nach oben. 
Umsätze leicht unter den Erwartungen
Dabei gab es in der Konzernbilanz des mit einem Börsenwert von exakt 100 Milliarden Dollar immerhin zweiwertvollsten Internetkonzerns wenig Highlights zu besichtigen. Die Umsatzentwicklung? Ein Plus von 29 Prozent auf 12,83 Milliarden Dollar, das leicht unter den Analystenerwartungen lag. 
Im laufenden Quartal sollen die Erlöse auf 12,9 Milliarden bis 14,3 Milliarden steigen. Die Wall Street liegt allerdings mit 14,09 Milliarden Dollar am oberen Ende der Schätzungen. 
Wall Street ignoriert Bezos’ Verlustwarnung
Dabei nimmt Amazon sogar Verluste in Kauf: 50 bis 350 Millionen Dollar will das weltgrößte Online-Kaufhaus im Dreimonatszeitraum bis Ende September wegen Investitionen in seine Tablet-Reihe Kindle verlieren. Die Wall Street hatte dagegen mit Gewinnen gerechnet. 
Anleger nahmen die schlechteren Nachrichten achselzuckend zu Kenntnis. Nach schnellen Verlusten von 7 Prozent erholte sich die Amazon-Aktie nachbörslich schnell wieder, um sogar im positives Terrain zu schließen. Der Ex-Banker Bezos genießt halt seit vielen Jahren das Vorschussvertrauen der Wall Street, die längst aufgehört hat, Amazon nach klassischen Bewertungsmaßstäben zu messen. Das maßgebliche KGV beträgt inzwischen weit über 200. Werte zwischen 10 und 15, auf die Apple und Google kommen, sind normal. 

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