Zalando nach ZDF-Enthüllung im Shitstorm

Publishing Ein Mini-Stundenlohn von 7,01 Euro, keinerlei Sitzmöglichkeiten, ständige Überwachung und ein verschmutzter Toiletten-Container für Hunderte von Arbeitskräften: Der Report von ZDFzoom am Mittwochabend über die Praktiken des Web-Versandhändlers Zalando hat bei Facebook eine Welle der Empörung entfacht. Auf der Facebook-Fanpage des von den Samwer-Brüdern gepushten Startups rufen Nutzer seither zum Bestell-Boykott auf und fordern eine Stellungnahme der Verantwortlichen.

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Über Stunden äußert sich das Unternehmen mit Sitz in Berlin jedoch nicht zu den im Bericht geäußerten Vorwürfe (die sich der Art nach etwa auch gegen Amazon richteten), während die Kommentarspalte von Parolen wie "Nie wieder Zalando!" gespickt war. Auch zu einer Stellungnahme war das Management nicht bereit. So konnte ZDF-Autor Marc Rosenthal nur mittels verdeckter Kamera in den Firmenhallen (Zalando-O-Ton: "Deutschlands größter Kleiderschrank") drehen. Was dabei zutage trat, fasst in dem Beitrag ein Experte so zusammen: "Das ist ein anderes Deutschland von schlecht bezahlter Arbeitskraft, von Rechtlosigkeit am Arbeitsplatz."
Mit seiner aggressiven Wachstumsstrategie hat Zalando rasch bundesweite Bekanntheit erlangt. Ein Dauer-Bombardement an kreischigen TV-Spots (Slogan: "Schrei vor Glück!") hat die Umsätze vor allem im vergangenen Jahr nach oben katapultiert. 2011, so schätzen Marktbeobachter, hat das Samwer-Unternehmen allein für Fernsehwerbung einen zweistelligen Millionen-Euro-Bruttobetrag locker gemacht – pro Monat. In diesem Jahr soll das Investment auf um 5 Millionen Euro brutto heruntergefahren worden sein, immer noch ein immens hoher Wert.
Doch rund um Zalando wurde immer wieder auch Kritik laut. So macht das Unternehmen keine Angaben über die angeblich sehr hohe Retourquote und schlechten Arbeitsbedingungen. Und als die Berliner am Donnerstagnachmittag endlich auf den Protest-Sturm antworteten, fanden sie zwar beschwichtigende Worte, schoben in der Sache aber Partnerunternehmen die Schuld an Missständen in die Schuhe.
So heißt es in der Replik des Unternehmens ("posted by Juliane") eingangs nebulös: "Natürlich haben auch wir den Bericht im ZDF-Magazin Zoom verfolgt. Vielen Dank für Euer kritisches Feedback – das ist uns wichtig und trägt dazu bei, dass wir uns immer wieder hinterfragen und verbessern. Wir freuen uns, dass Ihr Euch mit solchen Themen auseinandersetzt und uns in die Verantwortung nehmt."
Und dann mit Blick auf die Vorwürfe: "Zalando ist sich seiner Verantwortung für jeden einzelnen Mitarbeiter, egal ob direkt oder indirekt beschäftigt, bewusst. Die Eindrücke der Dokumentation spiegeln aus unserer Sicht nicht die Arbeitsatmosphäre in den Zalando-Standorten wieder. Leider ist uns jedoch bewusst geworden, dass wir auf unsere Dienstleister deutlich mehr Einfluss nehmen müssen. Im Fall von unserem Lager in Großbeeren arbeitet Zalando mit einem Partner zusammen, der größtenteils für das Personal und für die Prozesse im Lager verantwortlich ist. Diesen Partner werden wir stark prüfen und noch regelmäßiger kontrollieren, damit es zu keinen Missständen mehr kommen kann. (…) Außerdem werden wir zukünftig noch stärker darauf achten, dass alle unsere Partner die von uns gesetzten Sozialstandards einhalten. Die Mitarbeiter, die Ihr in dem Beitrag gesehen habt, waren alle keine Zalando Mitarbeiter sondern für unseren Dienstleister tätig. Aber wir müssen auch hier für die Angleichung aller Standards Sorge tragen und werden dies auch aktiv tun."
Immerhin eine Sache verspricht das Unternehmen ganz konkret: "In Bezug auf die sanitären Anlagen werden sofort Maßnahmen ergriffen." 

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