Mopo und Express: billig auf’s iPad

Publishing Es hat relativ lange gedauert, aber jetzt sind auch die beiden DuMont-Boulevardzeitungen Kölner Express und Hamburger Morgenpost auf dem iPad gelandet. Beide Boulevardtitel bieten Apps, die mit einem Print/Digital-Abo verknüpft werden können. Zuständig für die Umsetzung war die hauseigene Abteilung DuMont Net sowie die Design-Agentur KircherBurkhardt. Die Technik läuft soweit gut, die Einbindung der Bezahlschranke erfolgte aber mit dem Holzhammer.

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Zunächst zum Express (beide Apps sind praktisch identisch). Die App wird in den Zeitungskiosk von Apple geladen. Ansonsten bietet die Express-App eine aufgeräumte und übersichtliche Optik ohne Schnickschnack. Der Start-Bildschirm gleicht der Homepage der Website – auch die Stories und die Aufteilung sind identisch. Das kann man langweilig finden oder nutzerfreundlich – immerhin findet sich der Express-Leser so gleich zurecht.

Bei der Navigation gibt es wenig zu mäkeln. Einmal aufgerufen, wird der Artikel übersichtlich präsentiert. Mit einem Klick kann man den Text via Twitter, Facebook oder E-Mail weiterleiten. Allerdings haben die Kölner vor dem unbegrenzten App-Genuss die Bezahlschranke runtergelassen. Im Test konnten wir nur einen Text der Online-Ausgabe des Express gratis lesen. Bei allen anderen Texten erschien die Aufforderung, die Zeitung digital zu kaufen oder ein Abo abzuschließen. Auch wenn man Videos aufrufen, Galerien anschauen oder die “Lecker Mädche” begaffen will: Katsching – bitte erst zahlen!

Im Prinzip ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, dass Verlage für Inhalte Geld verlangen – aber das Pricing ist hier mal wieder erschreckend irreführend. Wieso soll der Nutzer in der Express-App für Inhalte zahlen, die er nebenan im Web-Browser gratis bekommt? Und wieso ist die Einzelausgabe Express im iTunes-Store mit 79 Cent teurer als der Express am Kiosk (70 Cent). Jaja, schon klar: Apple hat 79 Cent als untersten Bezahlwert im App-Store festgelegt. Aber man sollte Leser und Nutzer bei nicht nachvollziehbarem Pricing nicht mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen kommen.

Die Lösung? Entweder so viel Mehrwert innerhalb der App anbieten, dass der Mehrpreis gerechtfertigt ist (ist hier Fehlanzeige) oder zumindest die Web-Inhalte in der App gratis anbieten. Oder aber die Bezahlschranke auch im Web runterlassen, was vermutlich auch wieder keiner will, weil dann die Reichweite der Website runtergeht.

Die App der Hamburger Mopo ist identisch mit der des Express: Aussehen, Nutzerführung – alles gleich. Nur die “Lecker Mädche” heißen hier wenig überraschend “Sexy Girls”. Im Unterschied zum Express gibt es die digitale Mopo bis zum 29, Juli noch komplett gratis. Die Videos laufen stabil, Bilder-Galerien lassen sich gut durchklicken – alles Okay. Die Umsetzung der Print-Zeitung besteht aus den PDFs, die archiviert werden können. Es steht zu befürchten, dass nach dem Ablauf der Probezeit bei der Mopo ein ähnlich wirres Pricing eingeführt wird, wie beim Express.

Der DuMont Verlag hat immer zu Recht wieder viel Lob bekommen für die wegweisenden iPad Apps der Frankfurter Rundschau und des Kölner Stadt-Anzeigers. Beides sind vorbildliche Digital-Umsetzungen der Zeitungen mit echtem Mehrwert. Allerdings auch erkauft mit viel Manpower und hohem technischen Aufwand. Bei den beiden Boulevardtiteln geht man jetzt den Weg des billigen Jakob: Die Inhalte, die im Web und in der Zeitung ohnehin da sind, werden leidlich attraktiv umverpackt ins iPad gekippt. Das kann man machen, das muss noch nicht einmal die schlechteste Strategie sein. Aber dann bitte auch ein nachvollziehbares Pricing anbieten. Dieser so wichtige Punkt wird von Verlagen immer wieder verkorkst. So auch hier.

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