Pardon: Wolfram Weimer macht Satire

Publishing Er meint es ernst: Ex-Welt-Chefredakteur, Cicero-Gründer und Kurzzeit-Focus-Lenker Wolfram Weimer macht jetzt eine Satire-Zeitschrift. Er hat von Gründer Johannes Nikel die Namensrechte an der legendären Satire-Zeitschrift Pardon erworben. Als Chefredakteure sind Peter “Bulo” Böhling und Daniel Häuser, die Macher des Medienmagazins Clap, mit ihm Boot. Geplant ist zunächst eine einmalige Ausgabe im Herbst zum 50. Jubiläum von Pardon. Fortsetzung nicht ausgeschlossen.

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Die Neuauflage von Pardon erscheint in der Weimer Media Group. Wolfram Weimer hat die Firma gegründet, nachdem er den kompletten Verlagsbereich der finanzpark AG mit diversen Finanztiteln (u.a. Börse am Sonntag) übernommen hat. Das neue Pardon wird nun der erste Publikumstitel der Weimer Media Group. Die Druckauflage liegt bei 70.000 Exemplaren, das Heft soll Ende November (Weimer witzig: “Irgendwann zwischen dem 11.11. und Nikolaus”) zum Preis von fünf Euro an die Kioske kommen. Den Vertrieb übernimmt Gruner + Jahr, Anzeigen verkauft Katja von Wedel.

Die neuen Pardon-Macher: Chefredakteure Peter "Bulo" Böhling (l.), Daniel Häuser (r.), Verleger Wolfram Weimer (Mitte); Foto: Alexander von Spreti

Sitz der Entwicklungsredaktion ist das Karikaturen-Museums Gulbransson am Tegernsee. Das Museum ist dem norwegischen Karikaturisten und Zeichner der Zeitschrift Simplicissimus, Olaf Gulbransson, gewidmet. Simplicissimus, Gulbransson, Pardon – Weimer und sein Team machen deutlich, dass sie die Niveau-Latte eher hoch als niedrig hängen wollen. Pinkel-Bilder vom Papst, wie jüngst auf dem Titanic-Cover, darf man wohl nicht erwarten. Eine Reihe namhafter Autoren für die Erstausgabe soll bereits verpflichtet sein. U.a. ist von Eckhard von Hirschhausen, Harald Schmidt und Hellmuth Karasek die Rede. Weitere bekannte Namen sollen folgen. Für die Erstausgabe des Pardon 1962 schrieb Erich Kästner das Vorwort und Loriot zeichnete den Titel. Das sind mal Vorbilder.

Pardon-Erstausgabe von 1962 – Cover von Loriot, Vorwort von Erich Kästner

Pardon hatte seine Hoch-Zeit in den 60er und Anfang der 70er Jahre. Robert Gernhardt, F.W. Bernstein, Hans Traxler, Chlodwig Poth und F.K. Waechter veröffentlichten in Pardon. Aber auch Alice Schwarzer, Günther Wallraff, Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser und Günter Grass. Von F.K. Waechter stammt auch das berühmte Pardon-Logo mit dem Teufelchen, das seine Melone lupft. Die Zeitschrift erreichte auf ihrem Höhepunkt eine Auflage von bis zu 320.000 Exemplaren. Ende der 70er Jahre begann dann der Niedergang. Mit-Gründer Erich Brämeier schied aus und Johannes Nikel führte Pardon alleine weiter. Das Prinzip der Satire-Zeitschrift wurde zunehmend verwässert, bis sich namhafte Autoren abwendeten und unter dem Begriff “Neue Frankfurter Schule” zusammenfanden, aus der schließlich 1979 die Titanic hervorging.

2004 gab es schon einmal einen Versuch, Pardon wiederzubeleben. Der ostdeutsche Komiker Bernd Zeller – als “Ossi” in der “Harald Schmidt Show” zu einer gewissen Bekanntheit gelangt – startete das Magazin durchaus ambitioniert. Allerdings ging dem Projekt bald die Luft aus und 2007 wurde Pardon erneut begraben.

Nun also die nächste Reanimation. Die beiden Chefredakteur Peter Böhling und Daniel Häuser haben mit ihrem Medienmagazin Clap gezeigt, dass sie ein Händchen für Unterhaltung haben. Böhling hat sich als “Bulo” auch bereits einen guten Ruf als Karikaturist erarbeitet und ein eigenes Buch mit Karikaturen herausgebracht. Und Wolfram Weimer? Der hat immerhin in seiner Zeit als Welt-Chefredakteur den ehemaligen Titanic-Chef Hans Zippert als Kolumnisten für die erste Seite verpflichtet (“Zippert zappt”).
Weimer sieht das Thema Humor in der deutschen Zeitschriftenlandschaft unterbesetzt: "Im Fernsehen funktioniert es, im Internet funktioniert es, bei Büchern funktioniert es. Ich habe mich gefragt: Warum zielen Journalisten mit dem Thema Humor nicht mal auf ein breiteres Publikum?", so Weimer gegenüber MEEDIA. Humor und Satire seien eine "Leidenschaft" von ihm, so Weimer weiter. Immerhin habe er auch die Realsatire "Heimspiel" veröffentlicht. Zunächst soll Pardon als Jubiläumsausgabe zum 50. Geburtstag des großen Namens herauskommen. Bei Erfolg können sich die Macher aber eine Fortsetzung vorstellen.

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