Anrüchige Doppelleben bei Heim und Welt

Publishing Die Yellow-Zeitschrift Heim und Welt führt ein Doppelleben. Während auf dem Titel und in den redaktionellen Geschichten des Blattes die üblichen Herzschmerz-Geschichten von Hochadel und Schlagerbarden durchgekaut werden, geht es im Kleinanzeigenteil deutlich handfester zur Sache. In der biederen Heim und Welt verbirgt sich seit Jahrzehnten der größte Stellenmarkt für Bordelle und Prostituierte in Deutschland. Mittlerweile wirbt das Blatt damit sogar ganz unverblümt.

Werbeanzeige

Besucht man die Internet-Seite von Heim und Welt steht da sofort: “Deutschlands größter Stellenmarkt für erotische Stellenanzeigen und beliebter Treffpunkt für Partnerschaftsanzeigen”. Gesammelt sind die eindeutigen Anzeigen unter der Rubrik “Stellenangebote”. Dort buhlen Groß-Bordelle und “gut eingelaufene” (offenbar ein Branchen-Fachbegriff) Häuser um “aufgeschlossene Damen jeden Alters”.

Liest man die Stellenbeschreibungen wirkt es, als sei Deutschlands Rotlichtmilieu ein Paradies für Arbeitnehmerinnen. Das Eros-Center in Neu-Ulm lockt mit “Top Verdienst!”, “freier Arbeitszeit!”, “steuerfrei!”, “eigenem Zimmer!” (mit TV!). Mithin: “Leben und arbeiten in tollem Ambiente mit Vollverpflegung in eigener Kantine”. Das “Wohlfühl Ambiente” und die “fairen Konditionen” (auf Wunsch sogar “mit Vertrag”) werden immer wieder hervorgehoben. Hier und da sind sogar “kleine Hunde erlaubt”. Man ist halt tolerant. Kriminelle Zuhälterei, Menschenhandel? Nie gehört!

Im Gewerbe soll Heim und Welt unter dem Spitznamen “Bräute heute” firmieren. Der Auflage ist das Doppelleben nicht abträglich. Im vergangenen Quartal machte Heim und Welt ein Auflagen-Plus von 8,5% auf 44.490 verkaufte Exemplare.

Direkt neben den Business-Anzeigen des horizontalen Gewerbes finden sich allerlei Anzeigen für wohltätige Organisationen wie “Brot für die Welt”, den WWF oder die Seenotretter. Vielleicht eine Art Anzeigen-Ablasshandel für das unmoralische Geschäft? Den ein gutes Geschäft ist der anrüchige Stellenmarkt in der Oma-Postille nach wie vor. Schon 2008 zitierte der Spiegel einen Branchenkenner mit der Schätzung, dass mit einer einzigen Kleinanzeigen-Seite aus dem Milieu bis zu 10.000 Euro verdient werden. In der Tat ein “Top Verdienst!” mitten im “Wohlfühl-Ambiente” zwischen Viktoria von Schweden, Semio Rossi und dem Rezept für die leckere Linsensuppe.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige