Groupon erobert die alte SAT.1-Zentrale

Publishing Groupon, das sich selbst "das am schnellsten wachsende Unternehmen überhaupt" nennt, hat sein neues Büro in Berlin mit 850 Mitarbeitern bezogen. Die alte Zentrale des TV-Senders SAT.1 stand noch frei, da hat das Schnäppchenportal zugeschlagen. "Ich bin super-neidisch", begrüßte Firmengründer Andrew Mason seine Angestellten in der deutschen Hauptstadt, sagte ansonsten aber nicht allzu viel. Derweil verkündete Manager Veit Dengler neue Angebote für lokale Händler.

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Der neue Firmensitz an der Oberwallstraße 6 in Berlin-Mitte, verwaist seit dem Umzug von SAT.1 nach München, ist ein imposantes Gebäude mit einer ausladenden Treppe in den ersten Stock. "Repräsentativ" nennt sich das wohl, und vermutlich haben nur wenig andere Groupon-Büros ein vergleichbares Ambiente. Das alte Europa hat es besser als die US-Kollegen, die sich nicht täglich an Säulen, Stuck und Marmor erfreuen dürfen. Einige Fotos und Grundrisse des ehemaligen Kaufhauses zeigt dieses YouTube-Video.

Säulen hin oder her, dieselbe Arbeit erledigen die Groupon-Mitarbeiter, 12.500 sind es mittlerweile, trotzdem. In Berlin sitzen nun Mitarbeiter aus allen operativen Abteilungen – Planung, Vertrieb, Außendienst, Forschung, Service, Finanzen und Online-Marketing. "Wir sind "der Marktplatz für lokalen Handel", sagte Dengler, der für den Ausbau des internationalen Geschäfts zuständig ist. Das Unternehmen arbeite daran, weitere Lösungen für lokale Händler zu bieten, die ihr Geschäft besser managen". Mit anderen Worten: Weg vom Image des Schnäppchenportals, hin zum umfassenden und unverzichtbaren Dienstleister.

Welche Dienste Groupon für den deutschen Markt anbieten will, wollte Jens Hutzschenreuter, Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz, auf Nachfrage noch nicht konkretisieren. Auch der Zeitpunkt, zu dem neue Dienste angeboten werden sollen, liegt noch im Ungefähren. Zu den aktuellen Geschäftszahlen gab es keine Stellungnahmen, man befindet sich in der "quiet period". Hutzschenreuter ist Mitgründer von CityDeal, das im Mai 2010 von den Samwer-Brüdern an Groupon verkauft wurde.

Dabei gäbe es zum Kurs vermutlich schon einiges zu sagen – er liegt aktuell bei 6 Euro pro Aktie, der Höchststand in den letzten 52 Wochen lag dagegen bei knapp 20 Euro. "Wir sind ein sehr junges Unternehmen", sagt Dengler zur regelmäßig vorgebrachten Kritik an dem Portal – Nutzern werden oft nicht auf sie zugeschnittene Deals angeboten, Händler klagen über die Effektivität der Rabattangebote, die sie über Groupon anbieten. Aber, so Dengler, man habe "extrem viel in Qualitätssicherung investiert". Und: "Täglich spielen 10.000 Händler mit uns." Wer Groupon einmal probiert habe, verstehe den Mehrwert.

Groupon-Gründer Andrew Mason fehlte, als es darum ging, der versammelten Presse zu zeigen, wie kreativ das Groupon-Management ist. Zur Büroeröffnung soll ein großes Bild aufgehängt werden, das sich aus vielen kleinen Einzelbildern zusammensetzt. Unter Anleitung eines Trainers malten darum die Chefs inklusive des zu Lobreden angereisten stellvertretenden Botschafters der USA ("junges und dynamisches Unternehmen") in Berlin kleine quadratische Bildchen.

Während dieser Übung fielen allerlei kuriose Sätze, die so im Geschäftsbericht nie zu lesen sein werden, etwa: "Ganz essential – lassen Sie die Logik weg", "Bitte mit der linken Gehirnhälfte starten" oder "Mischen Sie die Farben auf der Leinwand und eliminieren Sie möglichst viel Weiß."

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