„Bergfürst wird für Aufsehen sorgen“

Publishing Der Finanzexperte Guido Sandler und StudiVZ-Mitgründer Dennis Bemmann setzen auf Crowdinvesting: Auf ihrem Portal Bergfürst sollen Investoren Eigenkapitalbeteiligungen – mit anderen Worten: Aktien – an Unternehmen erwerben und handeln können. Im Gespräch mit MEEDIA erklärt Bemmann, warum die Zeit für diese Art der Unternehmensfinanzierung gekommen ist: "Ich glaube, die Crowd hat es weniger als klassische Investoren auf schnelle Spekulation und Rendite abgesehen. Die denkt nicht so kurzfristig."

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Die Crowd ist schon seit längerem das schickere Wort für den Schwarm, dem ja zumindest eine gewisse Intelligenz nachgesagt wird. Das Prinzip Crowdfunding, also das via Internet organisierte Geldsammeln für ein Projekt, hat bereits eine Reihe von Filmen und Musikalben finanziert, darunter den gern zitierten Teamworx-Streifen "Hotel Desire" oder den noch zu drehenden "Stromberg"-Kinofilm. Plattformen wie Kickstarter werden zum Inbegriff des Crowdfunding, wobei die Liste ähnlicher Initiativen beeindruckend lang ist.

Warum nicht gleich ganze Unternehmen finanzieren?
"Das Konzept, Geld für etwas zu sammeln, beispielsweise ein wohltätiges Projekt, gibt es seit jeher", sagt Bemmann, der bei StudiVZ für die Technik verantwortlich war und seitdem in eine Reihe von Start-ups investiert hat. Richtig gut funktioniere das Funding-Prinzip aber erst, seit des das Internet gebe. Bemmann sagt: "Daraus hat sich für uns die Frage ergeben, warum man nicht gleich ganze Unternehmen statt nur einzelne Projekte finanziert."

Die Idee für Bergfürst stammt von Bemmanns Mitgründer Guido Sandler, der auf einer Zugfahrt einen Artikel über "Hotel Desire" im Handelsblatt gelesen hatte. Auf Vermittlung eines Bekannten trafen sich die beiden – und entwickelten das Konzept für das Portal. Sandler ist Gründer der Berliner Effektenbank AG sowie der E*Trade Bank AG und bringt entsprechend Erfahrung mit, was neue Formen der Geldanlage angeht. Nun ist der Ansatz, über Online-Plattformen für Unternehmen zu sammeln, nicht ganz neu. Seedmatch bietet beispielsweise schon "Crowdfunding für Start-ups" an.

Umstellung auf eine AG dauert eine Viertelstunde
Also, what´s new? "Die Besonderheit unseres Modells ist, dass wir Eigenkapitalbeteiligungen ermöglichen. Investoren wollen eigentlich keine Kredite geben, sie wollen nicht nur auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, sondern direkt partizipieren und möglichst Gewinne machen", sagt Bemmann. Nicht ohne zu erwähnen, dass es dieses Modell ja eigentlich bereits sehr erfolgreich gebe: "Es heißt Aktie." Das heißt: Investoren haben den Vorteil, sich direkt an Unternehmen beteiligen zu können und diese nicht nur mit einem Beitrag zu "unterstützen". Für das Unternehmen bedeutet das selbstredend, dass es als Aktiengesellschaft aufgestellt sein muss. "So schwierig ist das nicht zu handhaben", meint Bemann. Die Umstellung brauche etwa eine Viertelstunde beim Notar.

Ganz so einfach ist es aber wiederum für die Begfürsten nicht, Investoren auf einer Plattform Eigenkapitalbeteiligungen anzubieten. Dazu braucht es eine besondere Lizenz als Finanzdienstleister. Die hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zwar noch nicht erteilt, aber die Berliner Gründer sind zuversichtlich, diese zu bekommen. Was eine solche Lizenz auch ermöglicht, ist direkter Handel mit den Beteiligungen durch die Nutzer, der ebenfalls auf der Plattform abgewickelt werden soll. Alles in allem also eine komplexe Angelegenheit, vor allem auch was die technische Umsetzung angeht.

"Ein proof-of-concept wollen wir schon sehen"
Was Bergfürst nicht werden soll, ist ein Eldorado für Start-ups, die sich auf diesem Weg mit einem schnittigen Pitch ihr Seed-Investment abholen wollen. "Wir nehmen keine Start-ups auf, die eine Gründungsfinanzierung brauchen", schränkt Bemmann den Kreis von Unternehmen ein, die sich über Bergfürst frisches Kapital besorgen können. "Ein proof-of-concept wollen wir schon sehen." Trotzdem sei das Risiko eines Investment auch bei nachgewiesenem Geschäftsmodell "natürlich hoch": "Hohe Chancen und hohes Risiko gibt es halt nur im Paket." Die Auswahl von Unternehmen – Gespräche mit möglichen Emittenten sollen laufen – sei auch nicht zwingend auf die Internet-Branche beschränkt. Aber: "Internet- und IT-Unternehmen liefern in der Regel schnelle Ergebnisse, ihre Geschäftsmodelle lassen sich leichter skalieren und sind daher für eine neue Art der Finanzierung wie Bergfürst besonders geeignet."

Das Portal, das mit einer ersten Emission im Herbst an den Start gehen soll, wird registrierten Investoren laut Technikchef Bemmann eine Reihe von Möglichkeiten bieten, sich über ein Unternehmen zu informieren. "So wie bei eBay" könne die angebotene Information nicht aussehen, diese müssten "qualifiziert" sein. Neben geprüften Zahlen und Fakten sollen Videos, möglicherweise auch Live-Übertragungen, angeboten werden. Investoren sollen Unternehmer direkt befragen können. Bemmann, der bei StudiVZ viel darüber gelernt hat, wie Internet-Nutzer angesprochen und mobilisiert werden können, erhofft sich einen "echten Mehrwert" von der Crowd: "Ich glaube, die Crowd hat es weniger als klassische Investoren auf schnelle Spekulation und Rendite abgesehen. Die denkt nicht so kurzfristig." Unternehmen hätten "eher die Chance, eine faire Bewertung zu bekommen".

Kardinalfrage: Wie renditefixiert ist die Crowd?
Zwei Zielgruppen als Investoren haben die Gründer vor allem im Blick: einerseits versierte Anleger, andererseits Internet-Affine, die das Prinzip der Crowd verstehen. Ob sich größere Gruppen von Internet-Investoren allerdings rationaler, weniger kurzfristig orientiert oder gar fairer verhalten als klassische Wagniskapitalgeber, wird sich erst in der Praxis zeigen. Einen Beleg dafür, dass die Crowd nicht so renditefixiert denkt wie Berufs-Investoren, hat Bemmann nicht. Denn schließlich ist nicht ausgeschlossen, dass Privatinvestoren auch mit einem vermeintlich heißen Investment einen schnellen Euro machen wollen, ohne wirklich am nachhaltigen Erfolg eines Geschäftsmodells interessiert zu sein.

Bergfürst selber soll sich von Gebühren für die Emittenten und Provisionen finanzieren, die klassisch für den An- und Verkauf von Anteilen fällig werden. In einem Blogpost hat Finanzexperte Sandler das Potenzial des Crowdinvesting auf 50 Milliarden Euro taxiert. "Kein Größenwahn", schreibt Sandler. Sondern das Resultat einer Überlegung, dass genau diese Summe von deutschen Sparern derzeit "in schwer durchschaubare Konstrukte mit extrem schwankender Durchschnittsrendite" wie etwa Optionsscheinen investiert sei. Und da sei eine Beteiligung in Online- und Technologieunternehmen, die bisher so nicht möglich sei, doch keine so schlechte Alternative. Dennis Bemmann hat sich von Sandler schon mal überzeugen lassen. Er sagt: "Bergfürst hat die Chance, groß zu werden. Für Aufsehen werden wir auf jeden Fall sorgen."

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