Die deutsche Presse-Vielfalt sinkt weiter

Publishing Walter J. Schütz, unermüdlicher Forscher der Tageszeitungsbranche, hat erneut alle Zeitungsausgaben ausgewertet, die in der Republik erscheinen. Wie die taz berichtet, hat Schütz ermittelt, dass es nur noch 130 "Publizistische Einheiten" gibt, also Zeitungen mit Vollredaktionen. Vor vier Jahren waren es noch 135, zuvor hatte sich der Rückgang verlangsamt. Die Zahl der Verlage als Herausgeber ist seit 2008 von 353 auf 333 gesunken, die Zahl der unterschiedlichen Ausgaben allerdings von 1.515 auf 1.527 gestiegen.

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Schütz, 81, erstellt die Zeitungsstatistik seit 1954. Der Bonner war u.a. Leiter des Medienreferats des Bundespresseamts. Seit der ersten Erhebung gilt: Eine Tageszeitung erscheint mindestens zweimal wöchentlich und weist einen aktuellen politischen Teil auf sowie in der Regel verschiedene (Lokal)-Ausgaben. 

Bereits bei der letzten Auswertung 2008 – Schütz lässt sich zu diesem Zweck alle Ausgaben, die in einer "Stichwoche" erscheinen, nach Hause schicken – stellte der Zeitungsforscher fest, dass ein Wettbewerb zwischen Verlagen und deren Zeitungen "nur noch marginal" stattfinde. So lasse sich der in den vergangenen Jahren entschleunigte Rückgang der Publizistischen Einheiten, also der Kernredaktionen in Deutschland, erklären. Der Zeitungsmarkt, so Schütz damals, sei "gefestigt".

Mit 130 Vollredaktionen ist vier Jahre später allerdings erneut ein Tiefstand erreicht. "Die Zeitungskrise ist nach wie vor da. Da ist auch kein Ende in Sicht", sagte Schütz der taz über das Fazit der aktuellen Auszählung. Der anhaltende Rückgang auch der Auflage der Zeitungen beträfe vor allem Großstädte und Ballungsräume ("katastrophal"). Aber, so Schütz: "Je entlegener die Region, je weniger urbanisiert sie ist, desto unangefochtener sind die Zeitungen."

Die Zahl der Ausgaben hält sich derzeit konstant, aber tendenziell geben diese immer weniger eigenständige Verlage mit immer weniger Vollredaktionen – die also auch einen Mantelteil mit überregionalen Nachrichten produzieren – heraus. Die Vielfalt in der deutschen Zeitungslandschaft, die vergleichsweise immer noch groß ist, nimmt also rein quantitativ ausgedrückt schleichend ab.

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