Schimpf, Schande und die Pipi-Papst-Affäre

Publishing Die Ferienzeit sorgt bisher nicht dafür, dass im Medienzirkus ein bisschen Ruhe und Gelassenheit einkehrt. Der Papst verklagt die Titanic, die daraufhin von Franz Josef Wagner eingeschenkt bekommt, Stefan Niggemeier lässt seinem Hass auf Markus Lanz freien Lauf, SZ-Chefredakteur Kurt Kister schimpft auf “Design-Schamanen” und “Digital Nerds”. Bloß das ZDF “auslandsjournal” widmet sich leichteren Themen, nämlich einer Hollywood-Scheidung und einem Junior-Diktator auf Freiersfüßen.

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Da hat der Papst nun also gegen das aktuelle Titanic-Cover geklagt, das ihn mit besudelter Soutane zeigt. In einer Art Pawlowschem Reflex hat Bild-Briefeonkel und Papst-Fan Franz Josef Wagner einen geifernden Brief an die “liebe Titanic” geschrieben. Wagner: “Ich frage mich, ob Ihr Humorhelden jemals einen sich besudelnden Propheten Mohammed auf den Titel gebracht hättet.” Hätten sie nach Ansicht Wagners natürlich nicht, „… weil Euer Arsch auf Grundeis ging. Scharia, Todesdrohungen. Euer Redaktionsgebäude würde belagert von Demonstranten. Fahnen würden brennen.“ Soweit der olle FJW. Wann erzählt dem eigentlich mal jemand, dass er auf Facebook ist? Ähnlich hat Bild-Chef Kai Diekmann bei Facebook argumentiert: „..ob sich die tollkühnen Jungs in der Chefredaktion von Titanic den gleichen Umgang wohl auch mit Mohammed zutrauen??? Gibt ja nur eine Einstweilige Verfügung und tolle PR fürs Blatt….” Merke: Witze über den Papst sind nach Meinung von Diekmann/Wagner nur dann statthaft, wenn man sich vorher ausgiebig über den Propheten Mohammed lustig gemacht hat und die „Todesschwadronen“ quasi schon unterwegs sind. Im Interview mit MEEDIA hat Titanic-Chefredakteur Leo Fischer glaubhaft versichert, dass sich seine Zeitschrift jederzeit auch über den Islam lustig machen würde und dies auch schon gemacht hat. Fischer verwies in dem Zusammenhang auf das Titanic-Cover “Religionen im Vergleich”. Bei dem Schwanzvergleich zog der Islam den deutlich Kürzesten. Vernünftige Worte zum Thema findet übrigens Wiglaf Droste unter der Überschrift “Der Papst in Pipi-Kacka-Land”.

Woher dieser unbändige Hass auf Markus Lanz? Stefan Niggemeier rechnete diese Woche gleich zweifach, im gedruckten Spiegel ("Im Äquatorialbereich") und in seinem Blog, mit dem ZDF-Moderator ab. Seine Art zu sprechen, seine Formulierungen, seine Gesten – alles widert Niggemeier an. Er hat sich sogar die Mühe gemacht, Video-Zusammenschnitte zu erstellen, die belegen sollen, wie schrecklich und eklig Lanz ist. Wobei man solche fiesen Zusammenschnitte wahrscheinlich über jeden TV-Menschen erstellen kann, der so oft auf Sendung ist wie Lanz. So schlimm wie der Kollege finde ich Markus Lanz und seine Show nicht. Manchmal sogar recht unterhaltsam und auf jeden Fall ein Riesen-Fortschritt im Vergleich zu seinem scheinheiligen Vorgänger Johannes B. Kerner. Prognose: “Wetten dass..?” mit Lanz wird gar nicht so schlecht. Wir werden sehen.

Hosianna! Seit dieser Woche hat die Süddeutsche ein neues Layout! Obwohl: Die von Chefredakteur Kurt Kister vollmundig angekündigte Layout-Reform erwies sich dann eher als ein Reförmchen. Neue Schriften, hier und da ein Bisserl was geglättet. Jede Wette: Wäre das neue Layout nicht so großspurig angekündigt worden, viele hätten es gar nicht gemerkt. Überflüssig war aber vor allem diese arg pauschale Beraterschelte des SZ-Chefs, der von “Design-Schamanen” und “Digital Nerds” schwadronierte, gegen die es die Intellektuellen-Bastion Süddeutsche offenbar zu verteidigen gilt. Ein bisschen mehr Leichtigkeit hätte den Münchnern ganz gut zu Gesicht gestanden. Sowohl beim neuen Layout als auch bei dessen Verkündigung.

Diese Woche beim “auslandsjournal” im ZDF waren die Top-Themen: die Scheidung der beiden "Super-Promis" ("auslandsjournal"-Moderator Theo Koll) Tom Cruise und Katie Holmes bzw. die dahinter liegenden “Machenschaften von Scientology” und: „Wer ist die unbekannte Schöne? Ein Diktator im Liebesglück.” Claus Kleber pries das Thema Cruise-Scheidung im „heute journal“ mit dem Worten an: “Ein Thema, das man auf den ersten Blick nicht in einer politischen Sendung vermutet.” Äh. Auf den zweiten Blick auch nicht. Vielleicht sollte sich das Magazin umbenennen. Vorschlag: “das bunte auslandsjournal”.

Schönes Wochenende!

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