Riskant: Wie US-Banken Facebook stützen

Diese Woche beginnt die turnusmäßige Berichtssaison in den USA, bei der Technologie- und Internetunternehmen über ihre Geschäftstätigkeit im abgelaufenen zweiten Kalenderquartal vor ihren Aktionären Rechenschaft ablegen. Erstmals dabei: Facebook. Das weltgrößte Social Network berichtet am 26. Juli über den Dreimonatszeitraum April bis Juni. Die Analysten-Erwartungen wurden im Vorfeld so weit gesenkt, dass eine positive Überraschung gut möglich wäre. Doch was wäre sie wert?

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Diese Woche beginnt die turnusmäßige Berichtssaison in den USA, bei der Technologie- und Internetunternehmen über ihre Geschäftstätigkeit  im abgelaufenen zweiten Kalenderquartal vor ihren  Aktionären Rechenschaft ablegen. Erstmals  dabei: Facebook. Das weltgrößte Social Network berichtet am 26. Juli über den Dreimonatszeitraum April bis  Juni. Die Analysten-Erwartungen wurden im Vorfeld  so weit gesenkt, dass eine positive Überraschung gut möglich wäre. Doch was wäre sie wert?    
Der Aufprall war hart: 33 Prozent gingen in nicht mal drei Wochen verloren – Facebooks Börsendebüt geriet zum veritabeln Desaster, das den Social Media-Sektor mit in die Tiefe riss. 
Dabei hatten die Analysten der konsortialführenden Banken ihre Kunden ja noch ganz kurzfristig gewarnt, dass sich die Geschäfte beim weltgrößten Social Network im laufenden Quartal weniger gut entwickeln als erwartet. Die Folge war ein kurz vor dem IPO kaum für möglich gehaltener Vertrauensverlust, der den Börsengang des Jahres zum perfekten Flop werden ließ. 
Konsortialführende Banken reduzieren Gewinnerwartungen drastisch
Wie schwer der Stein des Anstoßes nun tatsächlich wiegt, können Anleger in zweieinhalb Wochen überprüfen. Dann nämlich, am 26. Juli nach Handelsschluss, wird Facebook erstmals als börsengelistetes Unternehmen einen Geschäftsbericht für ein abgelaufenes Quartal ablegen. 
Was dort zu erwarten ist? Erneut schlägt die Stunde der Analysten der konsortialführenden Banken: Wenig überraschend halten sie, ganz im Sinne der Einschätzungen kurz vor dem IPO, den Ball flach. Wie flach? Bei 10 Cent je Aktie. In dieser Höhe nämlich beziffern die Analysten von Morgan Stanley, Goldman Sachs & Co nun nur noch die erwarteten Gewinne je Aktie.
Zweites Quartal: Verharrt Facebook lediglich auf dem Niveau des Jahresbeginns?
Um zu verstehen, wie enorm niedrig die Wall Street damit plötzlich die Latte für Facebook hängt, lohnt ein Blick auf das Vorquartal, das als echte Enttäuschung aufgenommen wurde. Zwischen Januar und März vermeldete Facebook ziemlich überraschend einen Rückgang des Nettogewinns um 12 Prozent von 233 auf 205 Millionen Dollar, was wiederum 10 Cent je Aktie entsprach. 
Verharrt Facebook also lediglich auf dem Niveau des Jahresbeginns? Die Banken, die Facebook an die Börse geführt haben, prognostizieren dies – und liefern damit rückwirkend ihre Rechtfertigung für die extrem ungewöhnlichen Abstufungen kurz vor dem IPO.
Gewinnerwartungen an Facebook plötzlich stark gesunken
Gleichzeitig  aber leisten die konsortialführenden Banken Facebook damit erneut Schützenhilfe: Mit den eigenen niedrigen Erwartungen nämlich sinken auch die sogenannten Konsensschätzungen, die als Durchschnittswert vor den Quartalszahlen von Thomson Reuters gesammelt  werden. Vor den jüngsten konservativen Schätzungen gingen Analysten noch von einem Gewinn je Aktie in Höhe von 15 Cent aus. Nun sanken die Konsensschätzungen auf nur noch 12 Cent zusammen.
Ergebnis: Facebook wird es am 26. Juli weitaus leichter haben, die Erwartungen der Wall Street zu übertreffen. Und damit steht ein Wachstumswert wie Facebook schließlich in der Pflicht. Wer die Analystenschätzungen nicht zu treffen – oder besser: zu überbieten – vermag, wird von Anlegern während der Berichtssaison oft hart abgestraft. 
Am Ende muss Facebook liefern – und seine Wachstumsstory untermauern
Die Ausgangslage für die ersten Quartalszahlen an der Börse haben sich für Facebook damit über Nacht fraglos verbessert. Doch dieses Vorgehen ist für das Social Network nicht ohne Risiko: Denn am Ende muss Facebook so oder so liefern: Im vergangenen Jahr verdiente das Social Network exakt 1 Milliarde Dollar, was einem Gewinn je Aktie von 49 Cent entsprach. 
Damit ist die Messlatte gesetzt: Um die weiter extrem ambitionierte Bewertung eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) jenseits der 60 zu rechtfertigen, muss Facebook die Nachhaltigkeit seiner Wachstumsstory nachweisen. Alles andere als eine signifikante Steigerung der Quartalsgewinne gegenüber dem Vorquartal und damit ein Übertreffen der Konsensschätzungen dürfte von Aktionären am 26. Juli wohl kaum akzeptiert werden. Es bleiben noch zweieinhalb Wochen für Spekulationen. 

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