Wie J.K. Rowling die Medienmaschine anwirft

Publishing Am 27. September erscheint "Ein plötzlicher Todesfall" – der erste Roman von Joanne K. Rowling für Erwachsene. Rowling, die von ihrem Verlag nur noch J.K. Rowling genannt wird – das klingt vermutlich mehr nach einer "Marke" – ist die Autorin der "Harry Potter"-Bücher. Bis zum Ende der siebenteiligen Buchreihe wurde jeder neue Wälzer von einem beispiellosen Medienkonzert begleitet. Die Autorin und ihr Verlag versuchen nun, an die magische Strategie der "Potter"-Bände anzuknüpfen.

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Bei J.K. Rowling ist sogar die Fertigstellung eines Buchcovers eine ziemlich geheime Angelegenheit. Am Mittwoch veröffentlichte der Verlag Little, Brown den finalen Entwurf des Buchcovers von "The Casual Vacancy", so heißt Rowlings Erwachsenen-Erstling. Das Cover wird von den Verlagen Carlsen (gebundene Ausgabe) und Ullstein (Taschenbuch) für die deutschen Ausgaben übernommen. Der deutsche Titel lautet: "Ein plötzlicher Todesfall".

Bis zum Verkaufsstart in mehr als zwei Monaten muss die Marketingmaschine angeheizt werden. In der Pressemitteilung von Carlsen und Ullstein heißt es: "Bis zur Veröffentlichung unterliegt das 600-Seiten-Manuskript strengster Geheimhaltung". Die deutschen Übersetzer arbeiteten in London, weil das Manuskript "ausschließlich in den Räumen des englischen Verlags zugänglich" sei. Das erinnert stark an die Mechanismen, mit denen Medien wie Leser bei den Fortsetzungen der "Potter"-Serie geködert wurden: Bis auf die Tatsache, dass das Alphabet 26 Buchstaben hat, und einige sorgsam gestreute Gerüchte (dieses Mal stirbt jemand, dieses Mal küsst Harry ein Mädchen, dieses Mal stirbt wieder jemand), war über den Inhalt der Bücher jedes Mal wenig bekannt, sollte nichts an die Öffentlichkeit gelangen.

So gesehen, gibt sich der Verlag schon fast wieder offenherzig, wenn er folgendes über den Inhalt verbreitet: "Als Barry Fairbrother mit Anfang vierzig plötzlich stirbt, sind die Einwohner von Pagford geschockt. Denn auf den ersten Blick ist die englische Kleinstadt mit ihrem hübschen Marktplatz und der alten Kirche ein verträumtes und friedliches Idyll, dem Aufregung fremd ist. Doch der Schein trügt. Hinter der malerischen Fassade liegt die Stadt im Krieg. Krieg zwischen arm und reich, zwischen Kindern und ihren Eltern, zwischen Frauen und ihren Ehemännern, zwischen Lehrern und Schülern. Und dass Barrys Sitz im Gemeinderat nun frei wird, schafft den Nährboden für den größten Krieg, den die Stadt je erlebt hat. Wer wird als Sieger aus der Wahl hervorgehen – einer Wahl, die voller Leidenschaft, Doppelzüngigkeit und unerwarteter Offenbarungen steckt?"

Aber klar, es handelt sich eben um ein Buch ohne Potter drin. Der Handel, teilen die Verlage mit, gehe dennoch davon aus, dass "Ein plötzlicher Todesfall" der Beststeller des Jahres werde. Die Marketingkampagne sei "breit" angelegt und enthalte "Überraschungen".

Von den "Harry Potter"-Büchern wurden nach Verlagsangaben 450 Millionen Exemplare weltweit verkauft. Jedes der Bücher wurde verfilmt – aus dem letzten Teil wurden sogar zwei abendfüllende Kinostreifen gemacht. Rowling soll mit ihren Megasellern zur Dollar-Milliardärin geworden sein. Nachvollziehbar, dass die beteiligten Verlage schon jetzt zu trommeln beginnen, um einen nahtlosen Anschluss an die Erfolgsgeschichte des Zauberlehrlings hinzubekommen. In der Buchbranche hatte zuletzt der Erfolg der "Sadomaso-Softporns" (Spiegel Online) "Shades of Grey" für Aufsehen gesorgt. Die Bücher verkaufen sich auch als E-Books wie geschnitten Brot – vor allem wohl auch, weil man mit einem E-Reader nicht preisgibt, was man gerade liest. Ob "Ein plötzlicher Todesfall" dem Absatz elektronischer Bücher einen ähnlichen Impuls geben kann, ist fraglich. Fest steht nur eines: In den Medien wird die Autorin J.K. Rowling in der zweiten Jahreshälfte Hochkonjunktur haben. 

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