Deutsche zurückhaltend bei Online-News

Publishing Deutsche Nachrichtenkonsumenten nutzen im Vergleich weniger häufig Online-Nachrichtenquellen als Amerikaner, Briten oder Dänen. Stattdessen sind sie sehr loyal gegenüber gedruckten Medien – und checken die Nachrichtenlage über alle Medien hinweg häufiger. Dies ist ein Ergebnis der vergleichenden Studie "Digital News Report 2012" des Reuters Institute. Nur 5 Prozent der Deutschen lesen regelmäßig Nachrichten via Tablet, jeder Fünfte nutzt sein Mobiltelefon. Für News bezahlt haben 6 Prozent der Befragten.

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Die Nachrichtenstudie (hier zum pdf) ist auf Ergebnisse aus Großbritannien fokussiert, fördert aber einige wertvolle Hinweise für Deutschland und den internationalen Vergleich zutage. Die Deutschen liegen im Vergleich mit den anderen untersuchten Nationalitäten (Großbritannien, USA, Frankreich, Dänemark – befragt wurden Nachrichtenleser) ganz vorne, wenn gefragt wird: Wie oft verschaffen Sie sich einen Nachrichten-Überblick? 89 Prozent der befragten Deutschen tun das laut Reuters Institute täglich. Es folgen Dänen (88%), Amerikaner (82%), Franzosen (78%) und Briten (75%). Auf die Frage, welche Nachrichtenkanäle sie in der vergangenen Woche genutzt haben, sagen allerdings nur 61 Prozent der Deutschen: Online. Da sind Amerikaner (86%), Briten (82%), Dänen (82%) und Franzosen (77%) weit voraus.

Stattdessen informieren sich deutsche Nachrichtenkonsumenten häufiger als Bürger anderer Länder via gedruckte Zeitung oder Zeitschrift – 68 Prozent der Befragten haben angegeben, dass sie dies mindestens einmal wöchentlich tun. Einen Grund für diesen Unterschied vor allem zu Briten und Amerikanern sehen die Medienforscher in der starken regionalen Tagespresse Deutschlands. Ebenso vermuten sie einen Hintergrund in der Medienregulation. So sei Rundfunksendern die Expansion im Internet nicht ungehindert möglich. Diese Vermutung ist nur teilweise nachvollziehbar – einerseits betrifft die Regulation nur gebührenfinanzierte Sender, andererseits betreiben die Öffentlich-Rechtlichen auch trotz Restriktionen zahlreiche News-Angebote wie etwa tagesschau.de.

Diejenigen Nachrichtenkonsumenten in Deutschland, die digitale Kanäle nutzen, lesen Nachrichten vorwiegend auf ihrem Computer (80%). Rund ein Fünftel (21%) nutzen dazu auch ihr Mobiltelefon (32% in Dänemark). Immerhin 4 Prozent, das ist Spitze im internationalen Vergleich, nutzen zur Informationsaufnahme ihr Smart-TV. Angesichts des Hypes ist der Anteil der Tabletnutzer mit 5 Prozent (11% in den USA, 13% in Dänemark) eher gering. Doch gerade Tablet-Nutzer, so haben die Medienforscher ermittelt, konsumieren insgesamt mehr digital verbreitete Nachrichten als andere Nutzergruppen. "Ermutigend" sei das, finden sie, denn: Es gehe den Medienunternehmen ja darum, "cross-platform subscriptions" zu verkaufen, also Abos für Medienmarken, die dem Nutzer den Zugang zu Informationen über alle verfügbaren Kanäle ermöglichen.

Während 12 Prozent der befragten Dänen und 9 Prozent der US-Amerikaner schon einmal für den Zugang zu digitalen Nachrichten bezahlt haben, gilt das nur für 6 Prozent der Deutschen und gar nur für 4 Prozent der Briten. Weit voraus sind die Amerikaner europäischen Nutzern, wenn es um eine andere Übung geht – das Teilen von Nachrichten, das Kommentieren, das Abstimmen. 69 Prozent der befragten Amerikaner sind in der Woche vor der Befragung aktiv geworden im Netz, beispielsweise über das Posten einer Nachricht in einem sozialen Netzwerk. In Deutschland liegt der Anteil dieser partizipierenden Nutzer bei 41 Prozent. Dies sind, das ist kaum verwunderlich, eher jüngere Nutzer. Diejenigen, die mit dem Internet aufgewachsen sind, teilen eher ihre Nachrichten. Sie finden diese auch weniger über Suchmaschinen, sondern eher über soziale Netzwerke.

Digitale Medien werden klassische Medienkanäle nicht ersetzen, bestätigen die Medienforscher (durchgeführt hat die Studie das Marktforschungsunternehmen  YouGov) diverse andere Untersuchungen. Digitale Medien setzten sich quasi "auf" die anderen Mediengattungen. Der Medienkonsum, so die zumindest teilweise beruhigende Erkenntnis für Medienunternehmen und –verbreiter, sei "kein Nullsummenspiel".

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