Facebook und Yahoo gehen auf Kuschelkurs

Bemerkenswerte Rolle rückwärts: Monatelang überzogen sich Yahoo und Facebook mit Klagen – nun wollen die Web-Rivalen enger zusammenarbeiten. Das verkündeten das Internet-Portal und das weltgrößte soziale Netzwerk Freitag nach Handelsschluss. Die beiden Internet-Konzerne vereinbarten eine Content- und Werbeallianz. Yahoo vollzieht damit eine 180-Grad-Wende nach der Demission von CEO Scott Thompson, der als treibende Kraft hinter der Klage kurz vor dem Facebook-Börsengang galt.

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Bemerkenswerte Rolle rückwärts: Monatelange überzogen sich Yahoo und Facebook mit Klagen – nun wollen die Web-Rivalen künftig zusammen arbeiten. Das verkündeten das Internet-Portal und das weltgrößte soziale Netzwerk Freitag nach Handelsschluss. Die beiden Internet-Konzerne vereinbarten eine Content- und Werbeallianz. Yahoo vollzieht damit eine 180-Grad-Wende nach der Demission von CEO Scott Thompson, der als treibende Kraft hinter der Klage kurz vor dem Facebook-Börsengang galt. 
Das weltgrößte soziale Netzwerk hat eine Sorge weniger: Der Patentstreit mit Yahoo endet schneller als erwartet. Anfang März hatte der Online-Pionier Facebook noch auf Patentrechtsverletzung verklagt. Vorwurf: Facebooks komplettes Modell des sozialen Netzwerks basiere auf Technologien und Ideen, die Yahoo zuerst entwickelt habe. Facebook habe sich diese jahrelang unerlaubterweise zunutze gemacht – wie etwa beim News Feed, beim Versenden von Nachrichten (inklusive Chat), die Kommentarfunktion und sogar die Darstellung von Werbeanzeigen.
Der Zeitpunkt kam nicht überraschend: 2004 hatte Yahoo den Wettbewerber Google kurz vor seinem IPO ebenfalls mit einer Klage überzogen – und Millionen Google-Aktien abkassiert, die am Ende für einen dreistelligen Millionenbetrag gut waren. Warum die Methode nicht wiederholen, muss sich der damalige CEO Scott Thompson gedacht haben – und ging in den Angriff über. Blogger und Online-Medien brandmarkten die Klage indes als Verzweiflungstat – auch innerhalb Yahoos war Thompsons Vorgehen schwer umstritten und dürfte maßgeblich zu seiner Entlassung im Mai geführt haben, für die ein gefälschter College-Abschluss wohl eher der Aufhänger war.
Interims-CEO Levinsohn repariert das angeknackste Verhältnis zu Facebook
Der frühere PayPal-Topmanager Thompson musste nach gerade mal fünf Monaten gehen – seitdem führt Ross Levinsohn, der bisher das globale Mediengeschäft verantwortete, interimsmäßig die Geschäfte.  Levinsohn reparierte das angeknackste Verhältnis zu Facebook in nicht mal zwei Monaten: Nach Handelsschluss am Freitag verkündeten beide Konzerne das Ende der Patenstreitigkeiten, Facebook hatte im April zuvor zur Gegenklage ausgeholt
An langwierigen Patenstreitigkeiten, die sich – wie die Auseinandersetzungen im Mobilfunksektor beweisen – über Jahre ziehen können, hatten offenbar beide Internetkonzerne kein gesteigertes Interesse. Stattdessen wurde das einst gute Verhältnis mit der Ankündigung einer strategischen Allianz auch formell wieder hergestellt.
Stärkere gegenseitige Vernetzung
"Wir freuen uns, dass wir unsere Partnerschaft mit Facebook vertiefen können", ließ Ross Levinsohn mitteilen. "Ich bin Sherly Sandberg  und ihrem Team sehr dankbar, dass sie mit uns hart an dynamischen Vereinbarung gearbeitet haben", sind nun ganz neue Töne aus Sunnyvale in Richtung Mountainview zu hören.
Die eigentlichen Vereinbarungen blieben indes relativ vage. Vor allem eine neue "Werbepartnerschaft" wurde angekündigt: Große "Medienevents" sollen gemeinsam vermarktet werden und Yahoo-Content stärker bei Facebook eingebunden werden – im Gegenzug können Yahoo-Leser schon länger Inhalte mit ihren Facebook-Konten verbinden. Weitere Kooperationen dürften folgen. 
Die Datenmasse der beiden Internet-Schwergewichte ist beachtlich: Facebook verfügt inzwischen über fast eine Milliarde Mitglieder, Yahoo über 700 Millionen registrierte Nutzer. Die Aktien der beiden Unternehmen legten nach Handelsschluss am Freitag moderat zu. 

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