Die Top 10 der ignorierten Themen 2012

Publishing Die Initiative Nachrichtenaufklärung hat wieder zehn Themen veröffentlicht, die von deutschen Medien in den vergangenen Monaten übersehen oder ignoriert wurden. So fallen nach Ansicht der Jury berufsunfähige Hartz IV-Empfänger in der Regel unter den Tisch, wenn über Arbeitslosigkeit berichtet wird. Ebenfalls vernachlässigt würden die Machenschaften humanitärer Hilfsorganisationen. Und: Zu selten werde in der Presse über gefälschte Kundenbewertungen im Internet informiert.

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Die Top 10 der vernachlässigten Themen im Überblick:

1: Keine Rente für arbeitende Gefangene – Strafgefangene in Deutschland seien zwar verpflichtet zu arbeiten, sie erwerben dafür aber keine Rentenansprüche. Nach ihrer Entlassung droht die Altersarmut.

2: HIV-positiv auf dem Arbeitsmarkt – Mit dem HIV-Virus infizierte Menschen klagten darüber, dass sie im Job benachteiligt werden, aber nicht durch den gesetzlichen Gleichbehandlungsgrundsatz geschützt würden.

3: Gefährliches Lifestyle-Medikament Antibabypille – Die Pharmaindustrie werbe mit den "Beauty- und Wellnes-Effekten" der Pille, verschweige aber die Risiken des Medikaments.

4: Weiterbildungs-Dozenten selber arm dran – Wer als Dozent Weiterbildungskurse im Auftrag des Arbeitsamtes gebe, sei oft selber auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

5: Hartz IV bei Krankheit – Bezieher von Hartz IV, die chronisch krank oder behindert seien, könnten oft ihre gesundheitliche Versorgung nicht sicherstellen. Das "Schlagwort Hartz IV" werde in der Medienberichterstattung "größtenteils nur auf die arbeitsfähige Bevölkerung bezogen".

6: Vergessene Zivilprozesse – Über relevante Zivilprozesse werde zu wenig in deutschen Medien berichtet, häufiger dagegen über "skandalträchtigere Strafprozesse".

7: Gekaufte Kundenbewertungen im Internet – Die "Schattenbranche" von Dienstleistern, die im Auftrag von Herstellern Wertungen im Netz abgeben, würde nicht ausreichend im Verbraucherinteresse durchleuchtet.

8: Miserable Zustände in europäischen Haftanstalten – "Über die miserablen Bedingungen in europäischen Haftanstalten haben deutsche Medien in den vergangenen Jahren nur wenig berichtet."

9: Undurchsichtige Industrie humanitärer Hilfe – Zwar berichteten Medien ausführlich über Hilfseinsätze bei Krisen und Katastrophen, nicht aber darüber, ob das Geld seine Empfänger erreiche und wann.

10: Betrugsanfälligkeit von Drogentests – Personen, denen der Führerschein entzogen wurde, weil sie etwa getrunken oder Drogen genommen haben, müssen nachweisen, dass sie "clean" sind. Dieser Nachweis lässt sich mit Kunsturin manipulieren. Offenbar kein Thema für die meisten Medien.

Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) wurde 1997 als Gemeinschaftsprojekt verschiedener Hochschulen gegründet. Vorbild ist das US-amerikanische "Project Censored". Die Jury 2012 setzte sich u.a. zusammen aus: Prof. Dr. Rainer Geißler, Christina Kiesewetter, Prof. Dr. Dr. Peter Ludes, Dr. Leif Kramp, Prof. Dr. Horst Pöttker und Rita Vock (DLF).

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