Die Süddeutsche bekommt ein neues Layout

Publishing Die Süddeutsche Zeitung, nicht gerade bekannt für ihren Erneuerungsdrang in Sachen Optik, erscheint am 9. Juli im neuen Layout. Das hat der neue Art Direktor Christian Tönsmann mit Vize Stefan Dimitrov entwickelt. Die Worte, mit denen sie die Reform beschreiben, klingen vertraut: "noch besser lesbar", "aufgeräumter, moderner und klarer". Trotzdem glaubt Chefredakteur Kurt Kister, die Reform sei "nicht einer der vielen, vor allem in der Branche beliebten Relaunches". Heißt: Die SZ bleibt die SZ.

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In Bayern würde man wohl sagen: Mia san mia. Den Art Direktoren ging es nach eigenem Bekunden vor allem darum, das Erscheinungsbild der Zeitung einheitlicher zu gestalten. In der Tat machte sich im Blatt über die Jahre ein typographischer und gestalterischer Wildwuchs breit. Alle im Blatt verwendeten Schriften gehören nun zu einer Schriftenfamilie. Wiederkehrende Elemente wie Inhaltsverzeichnisse, Autorenzeilen, Kommentare, Kolumnen und Infokästen werden ab Montag in einheitlicher Form präsentiert. Kommentare, Rubriken und Kolumnen sollen durch das "SZ-Grün" und Illustrationen hervorgehoben werden. Der wichtigste Text einer Seite soll optisch hervorstechen. Auch die Seitenköpfe bekommen ein einheitliches Design.

SZ-Abonnenten, die nun nervös auf den Montag warten, brauchen indes nicht zu fürchten, die Zeitung erscheine künftig ohne das Streiflicht, die Seite 3 oder die Kommentarseite. Nein, sagt Chefredakteur Kister, ohnehin kein großer Freund von neumodischen Relaunch-Fantasien, es handele sich eben "nur" um eine "Layout-Reform zum Nutzen unserer Leser und Abonnenten, die diese Zeitung aus guten Gründen so sehr mögen". Mit anderen Worten: Finger weg vom Blatt! Kleine Veränderungen gibt es dann aber doch, so erscheint die "Wissen"-Seite ab kommender Woche täglich statt wie bisher fünfmal in der Woche. Das Leserforum wandert fest ins Feuilleton. Und – endlich wächst zusammen, was zusammen gehört – die Medienseite steht nun immer direkt vor dem TV- und Radio-Programm.

In der Ausgabe vom Samstag schreibt Chefredakteur Kister über den "Schrift-Wechsel" (Überschrift) am Montag. Sein Credo: "Der Inhalt soll jeden Tag neu sein, die Verpackung eigentlich nicht." Eine Veränderung des Erscheinungsbildes sei "riskant", denn: "Für viele Leser gibt es nichts Schlimmeres als das Gefühl, die Zeitung sei nicht mehr das, was sie früher war." Doch auch Kister gesteht zu: "Eine Tageszeitung, die sich nicht verändert, bleibt stehen."

Auch einen kleinen Seitenhieb in Richtung Konkurrenz kann sich Kister nicht verkneifen: "Manche Kollegen in anderen Zeitungen haben mit gewaltigen Relaunches ihre Leser mehr verschreckt als animiert. Es gibt einen bestimmten neuen Typ eher kleinformatiger, etwas bunter Blätter mit nicht ganz so langen Texten, die bei Zeitungsdesignern beliebt sind, von vielen Lesern allerdings weniger geschätzt werden."

Die Art Direktoren arbeiten seit Monaten an der Reform, teilt der Verlag mit. Künftig sind Tönsmann und Dimitrov auch für die digitalen Ausgaben der Zeitung verantwortlich. Sie sollen zudem die Marke SZ "gestalterisch weiterentwickeln". Tönsmann berät die SZ seit Anfang 2011, Dimitrov ist seit 2008 stellvertretender Art Direktor. Ende 2010 hatte sich der langjährige Art Direktor Eberhard Wolf von der SZ verabschiedet. Tönsmann hat zuvor u.a. für die Agentur Factor Design gearbeitet und machte sich 2006 mit dem Büro ErlerSkibbe Tönsmann selbstständig. Dimitrov arbeitet seit 20 Jahren für die SZ und entwickelte u.a. das Design der Neuen Produkte (z.B. Buch- und DVD-Reihen) des Süddeutschen Verlags.

Die Süddeutsche ist mit durchschnittlich 431.756 (IVW I/2012) verkauften Exemplaren pro Ausgabe die auflagenstärkste überregionale Tageszeitung im Land. 

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