ZDF baut bis zum Jahresende 100 Stellen ab

Fernsehen Das ZDF will bis zum Jahresende rund 100 Stellen abbauen. Dies sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut im Anschluss an eine Sitzung des Fernsehrates in Berlin. Der Sender muss auf Verlangen der KEF in der kommenden Gebührenperiode 75 Millionen Euro einsparen. Ein Einstellungsstopp soll aber möglichst bald aufgehoben werden. Die Digitalkanäle, sagte der neue und alte Chef des Fernsehrates Ruprecht Polenz, seien für das ZDF "unverzichtbar". Und: bei der Fußball-WM in Brasilien will das ZDF nicht von einem Strand senden.

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Insgesamt beschäftigt das ZDF rund 3.600 Mitarbeiter. Durch die Sparvorgabe der Kommission zur Ermittlung der Rundfunkgebühren (KEF) ab 2013 ist der Sender in die Bredouille geraten. Die Einsparungen sollen über Personalabbau (vor allem Frühverrentung und Abbau freier Mitarbeiter) und Kostenschnitten im Programm erzielt werden. Bellut, der diese Aufgabe von seinem Vorgänger Markus Schächter "geerbt" hat, sagte in Berlin, er sehe mittlerweile "die Bergspitze". Es gehe in Zukunft vor allem um die Frage, wo sich das ZDF zurücknehmen müsse, also: wo "strategisch" gespart werden könne.

Ziemlich klar ist unterdessen, dass vor allem der Digitalkanal ZDF.kultur wird sparen müssen. Doch, so Fernsehrat-Chef Polenz: "Das Geld, das bei ZDF.kultur ausgegeben wird, reicht nicht, um die KEF-Vorgaben zu erfüllen." Der Digitalsender hat indes den Nachteil, dass er eine weniger hohe Reichweite als ZDF.neo und ZDF.info aufweist – und damit unter Druck steht. Denkbar ist, dass aus dem Kulturkanal langfristig ein gemeinsamer Jugendkanal mit der ARD wird. Aber solche Projekte stehen noch in den Sternen und wurden auch von Bellut und Polenz nicht öffentlich bestätigt. Alle drei bestehenden Digitalkanäle seien politisch gewünscht gewesen, sagte Polenz. 

Im Herbst soll nun beraten werden, wie es mit ZDF.kultur weitergeht. "Wir haben einen Auftrag und können das Bild nicht einfach schwarz machen", sagte Polenz. Ein gemeinsamer Jugendkanal von ARD und ZDF sei im Übrigen noch "nie ernsthaft mit uns diskutiert worden", sagte Bellut. Er sei "nur eine Denkübung". Polenz schätzte die Kosten für einen Jugendkanal auf etwa 300 Millionen Euro, so viel habe die Einführung eines solchen Senders in Großbritannien gekostet. Dieses Geld habe das ZDF jedenfalls nicht. 

Im Streit zwischen Tageszeitungsverlagen und der ARD um die Tagesschau-App sagte Bellut, man wolle die anstehende Gerichtsverhandlung am 19. Juli in Köln abwarten. Der ZDF-Intendant sagte: "Eine Einigung ist möglich." Zwischen den Verlegern, ARD und ZDF war eine "Gemeinsame Erklärung" ausgehandelt worden, die dann aber nicht unterschrieben wurde. Die Verleger fordern von der ARD, sie solle den Textanteil an Inhalten der Tagesschau-App reduzieren. Bellut steht auf dem Standpunkt: Der Anteil von Texten in Telemedienangeboten von ARD und ZDF müsse sich von dem Textanteil in Verlagsangeboten unterscheiden – also niedriger sein. Das ZDF verhalte sich bereits nach dieser Regel.

Schließlich: Fußball. Es sei im Fernsehrat offen über Usedom gesprochen worden, sagte Bellut. Gemeint ist die EM-Berichterstattung mit der Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein und dem Kommentator Oliver Kahn auf einer Plattform im Wasser. Zwar sei das Interesse der Zuschauer groß gewesen, aber das Wasser im Hintergrund sei "ein Problem" gewesen: "Das sah einsam aus." Dass im Hintergrund Polen schemenhaft zu sehen war, sei wohl nicht allen Zuschauern deutlich geworden. Also stehe fest: Zur Übertragung der Fußball-WM in Brasilien visiere das ZDF keine großen Strände an.

Fernsehrat-Chef Polenz war am Freitag mit 59 Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen für weitere vier Jahre in seinem Amt bestätigt worden.

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