Festerling und Fehrle setzen aufs Regionale

Publishing "Ich hätte das nicht gemacht, wenn es hier darum ginge, etwas abzuwickeln." Das sagt Arnd Festerling, der neue Chefredakteur der Frankfurter Rundschau. Festerling hat mit dem Medium Magazin gesprochen – über die Spekulationen um einen Verkauf oder eine Einstellung der FR – aber vor allem über seine Pläne. Die FR solle die "zentrale Marke für Frankfurt" werden. Ähnliches hat seine Kollegin Brigitte Fehrle mit der Berliner Zeitung vor. Noch stärker solle das Blatt regional gemischt werden, sagte sie im MM.

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Doch zunächst zur FR: Festerling, ein journalistischer Allrounder und intimer Frankfurt-Kenner, will sich für seine Zeitung noch mal richtig ins Zeug legen. Wenn es um Nachrichten aus oder über Frankfurt gehe, müsse die Zeitung erste Anlaufstelle, sein, sagte er dem Medium Magazin. Der Mantel, den Journalisten der FR und der Berliner Zeitung in Berlin produzieren (DuMont Redaktion GmbH) solle so bleiben, wie er ist. Es gehe nun vor allem um Zusatzangebote für Leser, also die Erweiterung des Seitenumfangs für regionale und lokale Themen, inklusive "Qualitätssteigerungen".

Die Strategie scheint alternativlos zu sein – als überregionale Zeitung hat die FR vermutlich keine Überlebenschance. Etwa 30 bis 40 Prozent der Abonnenten wohnen nicht in Frankfurt oder Umland. Für die FR rechnen sich diese Leser nicht, aber brauchen tut sie die Zeitung trotzdem. Mit der Betonung des Lokalen und Regionalen wird die Quote der überregionalen Abos aber weiter sinken – und damit auch ein Kostenfaktor im Vertrieb. Fragt sich allerdings, wie die Umpositionierung von Werbekunden aufgenommen wird, die in einer überregionalen Zeitung schalten wollen. Die FR wird bei den Mediaagenturen hier wohl weniger nachgefragt werden.

Ganz grundsätzlich fragt sich dann noch, wie lange die FR und ihr neuer Chefredakteur überhaupt noch haben. DuMont-Vorstand Franz Sommerfeld wurde dafür gescholten, in einem Interview einen Verkauf der Zeitung nicht grundsätzlich auszuschließen. Doch bei DuMont in Köln, das ist ein offenes Geheimnis, ist man außerordentlich unzufrieden mit der Entwicklung der Zeitung, die selbst in diesem Jahr noch mindestens vier Millionen Euro Miese machen wird – und das nach zahlreichen harten Sparrunden. Und wenn sich kein Käufer findet (was wahrscheinlich ist) wäre eine Einstellung oder ein Switch auf eine geringere Erscheinungsfrequenz der gedruckten Ausgabe der nächste Schritt.

Festerlings Kollegin Brigitte Fehrle, die gerade die Berliner Zeitung übernommen hat, hat ähnliche Pläne. Die Redaktion müsse "mehr Geschichten erzählen" und die regionalen Themen im Blatt noch stärker betonen, ohne die überregionale Berichterstattung zu vernachlässigen, sagte sie in einem Interview mit dem Medium Magazin. Aber: "mal einen Text weniger aus Äthiopien und einen mehr aus Köpenick – das wäre für mich kein Beinbruch." Auch sublokale Formate beobachte sie interessiert. Eine Sonntagsausgabe – die Konkurrenten Tagesspiegel und Morgenpost erscheinen mit einer siebten Ausgabe – sei auch künftig kein Thema.

Das Tagesgeschäft der ebenfalls von Fehrle geführten DuMont Redaktionsgemeinschaft, einem Pool von etwa 20 Edelfedern, die für vier DuMont-Zeitungen schreiben, übernimmt ihr Vize Robert von Heusinger. Als zusätzlicher Vite kommt Holger Schmale dazu. Interessant: Eine Frauenquote bei der Berliner Zeitung lehnt die Journalistin ab. Ein Drittel der Ressortleiter seien bereits Frauen – "institutionalisierte Frauenförderung hat für mich nie eine Rolle gespielt."

Zur Erinnerung: Uwe Vorkötter, der bis Ende Juni die Berliner Zeitung und die Frankfurter Rundschau als Chefredakteur geleitet hat, ist künftig Berater des DuMont-Vorstands. In Berlin übernahm seine Kollegin Fehrle, in Frankfurt Festerling, der bisher Chef der Lokal- und Regionalredaktion war. Die Begründung für den Wechsel an der Spitze war der nun von beiden angekündigte Regionalisierungskurs, der die Stärken der beiden Blätter jeweils besser zur Geltung bringen soll.

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