‚Springer der liberalste Verlag in Deutschland‘

Publishing Hacker besucht Verleger: Nach FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher gab nun Springer-Chef Mathias Döpfner den Chaos Computer Club-Aktivisten Frank Rieger und Felix von Leitner (Fefe) ein langes Podcast-Interview. In dem Gespräch ging es um das Leistungsschutzrecht, den Einfluss einzelner Werbekunden, die Bild, die Finanzkrise und den Meinungspluralismus innerhalb des Verlages: „Ich glaube, dass Axel Springer im Moment in Deutschland der vielleicht liberalste, freiheitlichste Verlag ist“.

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Für Döpfner ist es eine wichtige Grundvoraussetzung, dass die Journalisten das Gefühl haben, „dass sie schreiben können, was sie für richtig halten“. In dem Gespräch stellt der CEO ganz klar heraus, wie wichtig es ihm sei, dass das Prinzip des Ungehorsams und des Widerspruchsgeistes innerhalb der einzelnen Redaktionen und Zeitungen gelebt würde. „Ich habe das selbst so erlebt. Ich bin so journalistisch sozialisiert worden bei der FAZ, wo ich als Musikkritiker anfing“, erzählt Döpfner. „Und das ist genau die Kultur, die ich auch hier im Hause befördere.“

Als das Selbstverständnis des Verlages beschreibt Döpfner so, dass es sein Geschäft sei, Inhalte, Journalismus, gut recherchierte unabhängige Geschichten zu machen und starke, glaubwürdige Medienmarken zu etablieren. Diese sollen dann die Leserinnen und Lesern auf verschiedenen Vertriebskanälen, ob via Zeitungen, Web oder App erreichen und „damit eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Diskurs“ spielen. „Nur wenn Menschen, Themen haben, an denen sie sich reiben können, Fakten haben, auf die sie sich beziehen können, Informationen haben, über die sie sprechen können und natürlich auch sich mit Positionen konfrontieren, die vielleicht nicht ihre sind, die sie anders sehen, nur dann wird eigentlich ein gesellschaftlicher Diskurs lebendig und dazu versuchen wir beizutragen“, heißt es in dem Transskript des Podcastes.

Weite Teile des Gespräches beschäftigen sich mit wirtschaftlichen Fragen. Man hat den Springer-Chef wohl noch nie so lang über Fragen der Euro- und Griechenland-Krise sprechen hören. Zum anderen beschreibt er sehr anschaulich, unter welchen monetären Zwängen sich auch die Branche bewegt. Natürlich spart Döpfner nicht mit einem gewissen Selbstlob, wenn er daraufhinweist, dass die Axel Springer AG „wirtschaftlich hocherfolgreich“ sei und in den vergangenen sieben Jahren – mit Ausnahme des Krisenjahres 2009 – ein Rekordergebnis nach dem anderen erzielt habe: „Das Haus ist hochprofitabel.“ Verantwortlich dafür sei die frühe Digitalisierung. „Wir haben früher als alle anderen Verlage angefangen, unser Geschäft nicht als das Bedrucken von Zeitungen zu verstehen, sondern als das Erstellen von Inhalten, von gutem Journalismus, und zwar auf allen Kanälen und vor allen Dingen im Internet und das trägt mittlerweile schon 33% unseres Gesamtumsatzes bei und 34% des Gesamtgewinns. Das heißt, deshalb – wegen dieser Digitalisierung – geht es uns wirtschaftlich außerordentlich gut.“

Durch diese Digitalisierung und die strengen Regeln kann sich Springer – nach Meinung von Döpfner – auch besser den extremen Wünschen einiger Anzeigenkunden erwehren. „Die Versuche werden immer wieder gemacht: ‚Tausche ein paar Anzeigen gegen nette Berichterstattung.’ Und das ist das Ende von glaubwürdigem, unabhängigem Journalismus. Und deshalb ist es so wichtig, dass Verlage wirtschaftlich erfolgreich sind und unabhängig sind und übrigens auch deshalb ist es so wichtig, dass sie nicht nur auf Anzeigeneinnahmen angewiesen sind, sondern dass sie auch – vor allen Dingen als zweite große Erlösquelle – den zahlenden Leser haben, der mit dem Geld, das ihm diese Art von Journalismus wert ist, dazu beiträgt, daß Anzeigen nur ein Teil der Einnahmen sind, und dass es sich dann ein Verlag eben leisten kann, gegenüber einem Anzeigenkunden völlig unabhängig aufzutreten und zu sagen: ‚Das machen wir nicht’.“

Die logische Folge aus dieser Argumentation ist die konsequente Ausrichtung hin zu mehr Bezahl-Modellen im Digital-Bereich. "Wenn wir nicht das Selbstbewusstsein haben, dass man auch für das, wofür wir von früh bis abends arbeitet und ein paar hundert Leute in Bewegung sind und hohe Recherchekosten und Reisekosten und Layoutkosten und andere Produktionskosten aufgewendet werden, wenn wir nicht das Selbstbewusstsein haben, dafür auch ein bisschen Geld zu nehmen, dann sollten wir eigentlich unsere Tätigkeit einstellen“, sagt Döpfner.

Zudem hält Döpfner die Aussage, dass im Internet der Journalismus schlechter werden würde, für ein Gerücht.

Natürlich sprachen die Drei auch über die Bild. Dabei kam Döpfner – wenig überraschend – kein kritisches Wort über die Lippen. Den Springer-Chef nervt an dem Thema vor allem „diese fast ritualhafte Bild-Polemik“, die er „ein bisschen billig“  und „intellektuell mittlerweile fast beleidigend“ findet.

Tatsächlich ist der Verleger davon überzeugt, dass bei einigen Qualitätszeitungen
quantitativ die Fehlerzahl höher sei, als bei der Bild. „Also ich sag es nochmal ganz klar: Bild macht Fehler, aber Bild macht Fehler nicht absichtlich. Bild erfindet keine Geschichten, Bild fälscht keine Fakten, sondern versucht, wirklich wahrheitsgemäß zu berichten, aber natürlich die Dinge zuzuspitzen, zu emotionalisieren und sie so einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Und ich würde mir einfach etwas mehr Entspanntheit wünschen.“

Statt ständig die Bild zu kritisieren, würde es Döpfner für spannender halten, wenn „wir uns auch einmal mit den Verfehlungen und Boulevardisierungstendenzen der Qualitätsmedien auseinandersetzen würden“.

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