Microsoft verliert im Web 6,2 Milliarden Dollar

Publishing Man kann nicht sagen, Microsoft hätte es nicht versucht. Milliarden-Übernahmen oder -Gebote gab es einige aus Redmond. 45 Milliarden Dollar wollte der lange Zeit wertvollste Technologiekonzern der Welt 2008 für Yahoo überweisen, doch der Deal platzte. 2011 kaufte Microsoft dann Skype für 8,5 Milliarden Dollar, für 1,2 Milliarden Dollar wurde gerade erst Yammer geschluckt. Fünf Jahre zuvor gab das Dow Jones-Mitglied bereitwillig 6,3 Milliarden Dollar für den Werbespezialisten aQuantive aus – ein teuerer Fehler.

Werbeanzeige

Microsoft und das Internet – eine Liebe auf den ersten Blick, geschweige denn eine Erfolgsbilanz, ist das nicht. Der Start ins WWW wurde gehörig verschlafen. Legendär ist Bill Gates‘ Fehleinschätzung aus den frühen 90er-Jahren: "Das Internet? Interessiert uns nicht." Das war 1993. 
Schon zwei Jahre später bot Microsoft mit dem Internet Explorer selbst einen Browser an, den der seinerzeit wertvollste Techkonzern der Welt an sein Betriebssystem Windows koppelte. Netscape wurde langfristig erledigt, doch der Pyrrhussieg gipfelte in einem elendig langen Kartellverfahren gegen die EU. 
Milliarden-Coups in Redmond: Skype, Yammer, aQuantive
Operativ betrachtete der Softwareriese aus Redmond die Entwicklungen des Webs weiter eher aus dem Fernrohr – und zahlte drauf. Milliarden Dollar hat die Online-Unit in den vergangenen Jahren verloren.
Was selbst nicht klappte, sollte zugekauft werden: 45 Milliarden Dollar wollte Microsoft für das Internetportal Yahoo 2008 überweisen, doch die Übernahme scheiterte –  8,5 Milliarden Dollar wurden tatsächlich drei Jahre später für den Internet-Telefonieanbieter Skype fällig. Weitere 1,2 Milliarden Dollar erst vergangene Woche für den Business Softwareanbieter Yammer. 
Praktisch Totalverlust von aQuantive
Doch da war noch eine Großübernahme im vergangenen Jahrzehnt, die jetzt wieder in den Konzernbilanzen auftaucht – und zwar als Milliardenabschreibung. Und was für eine: 6,3 Milliarden Dollar überwies das Mitglied des Dow Jones Index 2007 für den Online-Werbevermarkter aQuantive.
Der Deal schien nötig, nachdem Microsoft das Nachsehen im Kampf gegen Google um den führenden Vermarkter Doubleclick hatte. Aber 6,3 Milliarde Dollar, mehr als die doppelte Summe als für die neue Google-Tochter? Fünf Jahre später kommt die Quittung: Tatsächlich ist aQuantive enorme 6,2 Milliarden Dollar weniger wert, wie Microsoft nach Handelsschluss in einer Abschreibung einräumte, die die nächste Quartalsbilanz verhageln wird.
"Obwohl durch die aQuantive-Übernahme Tools für unsere Online-Vermarktung entstanden sind, hat die Übernahme das Wachstum nicht wie erhofft befeuert, was zur Abschreibung führt",  teilte Microsoft mit. So klingt das Eingeständnis eines 6-Milliarden-Missverständnisses. Die Microsoft-Aktie verlor in einer ersten Reaktion nach Handelsschluss an der Wall Street knapp ein Prozent an Wert.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige