Zeiglers Abrechnung mit Löw-Kritikern

Publishing Arnd Zeigler redet Tacheles mit den Medien und all den Fußball-Fans, die nach nur einer Niederlage auf Jogi Löw und die deutsche Nationalmannschaft schimpfen. In einem offenen Brief nennt der TV- und Radio-Moderator „dieses unglaubliche Rumgeflenne“ für „erbärmlich und unwürdig“. Den Text veröffentlichte Zeigler bei Facebook. Das Ergebnis: Die Wut-Rede sammelte bereits über 40.000 Likes und wurde rund 10.600 Mal geteilt. Vor allem die Bild und ihre Berichterstattung geht der Journalist hart an.

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„Wer jetzt so tut als seien die deutschen Spieler nach der ersten Niederlage nach 16 Siegen hintereinander (oder wie viele waren es?) plötzlich alles Vollpfosten, Totalversager und Nullen und ihr Trainer ein Nichtskönner, der hat den Fußball nicht mal im Ansatz verstanden“, schreibt der Moderator.  

Für ihn waren die Italiener an diesem einen Tag einfach einmal besser. Wer das nicht „ertragen und akzeptieren“ könne, „der sollte möglicherweise Sport ganz allgemein meiden“.

Besonders scheint die Bild-Zeitung Zeigler aufzuregen. „Es ist wirklich interessant zu beobachten, dass es für ein Abschneiden wie diesmal bei der Bild (und überraschenderweise auch bei vielen Fußball-Konsumenten) gar keine Kategorie mehr gibt. Es gibt nur ‚Europameister’ oder ‚Vollversager’. Die merken gar nicht, dass Deutschland vorher Portugal, Holland, Dänemark und die Griechen geschlagen hat, mit zum Teil phantastischem Fußball. Und gegen Italien nicht sang- und klanglos eingegangen ist und deklassiert wurde, sondern durch zwei Abwehrfehler gegen einen an diesem Tag einfach starken Gegner verloren hat, der im Gegensatz zu uns seine Chancen verwertet hat.“ Grundsätzlich hält der Moderator die Medienkritik für einen Frontalangriff auf die Würde der Spieler, die Zeigler an die Berichterstattung zur EM 2004 erinnert. Damals hatte sich die DFB-Elf richtig blamiert.

Ein Thema liegt dem Moderator, der auch Stadionsprecher bei Werder Bremen ist, besonders am Herzen: die Diskussion zur netten Elf und fehlenden Führungsstärke. Für Zeigler ist das „eine populistische Scheißdebatte ohne jeden Nährwert“. Nur weil ein Team an einem Abend ganz einfach besser Fußball gespielt habe, werden jetzt „solche Kackthesen an den Haaren herbeigezogen“.

Neben der Wut auf den „Medien-Tamtam“ lässt aber auch die Reaktion vieler Fans, vor allem bei Facebook, den Moderator so richtig steil gehen. „Ihr, die ihr jetzt alles so furchtbar und so peinlich und so vorhersehbar findet, was da gegen Italien passiert ist: Was würdet ihr tun, wäret ihr Fans des Karlsruher SC oder von Magdeburg oder von Preußen Münster? Euch Woche für Woche die Pulsadern aufschneiden, weil eure Lieblingsspieler manchmal schlecht spielen? Und sogar wichtige Spiele verliert?“

Der Brief endet mit: „Ich finde Facebook in diesen Tagen ganz, ganz eklig. Und wenn ich mir vorstelle, wie ein scheinbar gar nicht mal so kleiner Teil meiner Mit-Fans im Stadion zu ticken scheint, fröstelt es mich."

Damit formulierte Zeigler einen genauen Gegenentwurf zu den weitverbreiteten Social-Media-Attacken, wie sie beispielsweise Armir Kassaei während und nach dem Italien-Spiel ritt. Der DDB-Chef hatte sich so sehr in Rage gezwitschert, dass die Werbebranche am Morgen danach wohl erleichtert aufatmete, als er sich immer noch lebendig zu Wort meldete: "Nach einer Nacht Schlafen ist die Wut noch größer. Wie kann man mit so einer Mannschaft so ein falsches System spielen?"

Nach über 80 Tweets des Lamentierens und der Kritik an Löw und den verschwendeten Möglichkeiten diese Teams macht Kassaei noch die Voraussage, von der wir hoffen, dass er damit nicht Recht haben wird: "Das wird die Mannschaft des ewigen Versprechens. Leider."

Arnd Zeigler kann dem Werber da offenbar nur widersprechen.

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