Vlothoer Anzeiger wird Gratis-Wochenblatt

Publishing In den USA und England haben bereits mehrere Zeitungen einen ähnlichen Schritt vollzogen: Der Vlothoer Anzeiger wird von einer Abo-Tageszeitung zu einem wöchentlich erscheinenden Anzeigenblatt mit Internetauftritt. Chefredakteur Christoph Pepper, der auch das Mindener Tageblatt leitet, spricht von der "Chance für eine zeitgemäße wie angemessene Berichterstattung". Warum das Blatt gedruckt nicht mehr täglich erscheint, bleibt offen. Vermutlich ist der Anzeiger mit 1.563 verkauften Exemplaren schlicht zu klein.

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Anfang 2004 hatte der ostwestfälische Verlag J.J.C. Bruns den Vlothoer Anzeiger und die Kalletaler Zeitung von einer Tochter der Ippen-Gruppe gekauft. Bereits damals begründete der Verkäufer den Schritt mit der geringen Auflage; die Blätter seien zu klein, um angesichts der "derzeitigen Krise in der Medienbranche" zu bestehen. Der Verlag Bruns hatte dagegen eine völlig andere Strategie im Sinn: Expansion. Statt wie bisher zweimal unter der Woche erschien der Vlothoer Anzeiger als vollwertige Tageszeitung. Acht Jahre später ist die Auflage allerdings weiter gesunken.
Gedruckt erscheint die Zeitung künftig am Samstag als kostenloses Anzeigenblatt mit einer Druckauflage von 15.000 Exemplaren. Die "wichtigsten und interessantesten lokalen und lokalsportlichen Themen der Woche" sollen abgedeckt werden, plus Service, Terminkalender und Kinderseite. Die Internet-Berichterstattung soll erweitert werden, u.a. um Bildergalerien und Videos, Abstimmungen und Dokumente zum Download. Den lokalen Werbekunden werden "neue Möglichkeiten der Kundenansprache" versprochen.
Vom steigenden Kostendruck und Spaßmaßnahmen ist in der Mitteilung an die Leser nicht die Rede. Oder davon, dass sich ein mutiger Schritt, auf gedruckte lokale Berichterstattung zu setzen, für den Verlag nicht ausgezahlt hat. Der Wettkampf mit der Vlothoer Zeitung, die zum Westfalen-Blatt gehört (an der wiederum Ippen beteiligt ist), ging zumindest als Druckmedium verloren. Ob die Konkurrenz im Internet anders ausgeht? Zumindest sollen in Vlotho keine Stellen abgebaut werden.
In Großbritannien gab kürzlich Johnston Press die Umstellung einer Reihe von Regionalzeitungen auf eine wöchentliche Erscheinungsfrequenz bekannt. Allerdings bleiben die Blätter in diesen Fällen Kaufzeitungen. Der Pate der Hybridzeitung ist der Christian Science Monitor in den USA. Die Entscheidung für die Umstellung des Vlothoer Anzeigers auf ein Gratisangebot spricht im Unterschied zu diesen Beispielen nicht zwingend für großes Vertrauen in das publizistische Konzept – auch wenn dieses Potenzial hat. Vor allem soll offenbar der Anzeigenmarkt bei der Stange gehalten werden.

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