Im Visier: Traditionell Bogenschießen

Publishing Gedruckte Zeitschriften haben es nicht leicht in Zeiten des digitalen Wandels. Sinkende Auflagen und bröckelnde Werbeumsätze überall. Wirklich überall? MEEDIA wagt sich dorthin, wo es Zeitschriften auch zu abwegigsten Themen in Hülle und Fülle gibt: dem Bahnhofskiosk. In einer losen Reihe stellen wir Magazine vor, von denen Sie wahrscheinlich noch nie gehört haben, die aber in ihren Nischen hervorragend leben. Folge eins: das Magazin Traditionell Bogenschießen.

Werbeanzeige

Zielgruppe

Na, an wen ist ein Magazin wohl gerichtet, das sich Traditionell Bogenschießen nennt? Richtig: an Bogenschützen! Das Magazin aus einem kleinen Verlag aus Ludwigshafen will Sprachrohr der Szene sein, gemacht von Bogenschützen für Bogenschützen und solche, die es werden wollen. Dabei berührt das Heft mit dem Thema Bogen auch die recht große Gruppe der Mittelalter-Fans (deren publizistisches Zentralorgan heißt Karfunkel) . Klar, da gibt es Überschneidungen – Menschen, die sich in ihrer Freizeit anlässlich von Mittelalter-Spektakeln ihr felliges Wams überstreifen und um “Handgeklapper” bitten, haben nicht selten auch ein Schwert oder eben einen Bogen dabei. Traditionell Bogenschießen ist dabei schon sehr speziell: eine Nische in der Nische.

Konzept

Traditionell Bogenschießen bezeichnet sich selbst als “das  führende  deutschsprachige  Fachmagazin  in  Europa” zum Thema. Mittlerweile gibt es sogar eine italienische Lizenzausgabe mit dem schönen Namen Tiro Con L‘Arco Tradizionale. Die Auflage des vierteljährlich erscheinenden deutschen Magazins liegt laut Verlagsangaben bei 13.000 Exemplaren. Verkauft wird Traditionelle Bogenschießen im Abo, direkt im Bogensporthandel und im Bahnhofsbuchhandel (wo wir es aufgestöbert haben). Traditionell Bogenschießen geht bei der Nutzung von Social Media durchaus moderne Wege. So gibt es eine gut gepflegte Facebook-Seite, auf der sich auch Nutzer mit eigenen Bogen-Fotos eifrig tummeln und das neue Heft wird in einem YouTube-Video vorgestellt.
###YOUTUBEVIDEO###

Machart

Traditionell Bogenschießen ist eine professionell gemachte Zeitschrift. Okay: Das Layout ist meistens ein wenig hausbacken und viele Texte sind vor allem mit Herzblut geschrieben. Aber es wird durchweg hohes Very-Special-Interest-Niveau geboten. Neben How-to-Geschichten (“Schlechtwetterköcher selbstgemacht”) gibt es Serien (“Hölzer für den Bogenbau. Teil 1: Hickory”), Vereine stellen sich vor, man findet Buchtipps, Terminkalender mit Turnieren usw. Sogar einen Comicstrip mit Bogen-Humor hat man ins Blatt genommen.

Schräge Anzeigen

Ein besonderer Spaß für Outsider bei Very Special Interest Titeln ist das Anschauen der Anzeigen. Da florieren Branchen von denen man nicht ahnte, dass sie existieren. In Traditionell Bogenschießen hat uns die Anzeige für das Buch “Dolchfechten – Das mittelalterliche Fechten mit dem Dolch nach Meister Talhoffer” mit am besten gefallen. Auch interessant: Der “Arrow Fix” – ein Apparat für die Reparatur von kaputten Holzschäften und “3D Animal Targets” von der Firma Franzbogen. Das sind z.B. zusammensetzbare Plastik-Hirsche, auf die man mit dem selbstgebauten Bogen feuern kann.

Seltsamster Lektüre Moment

Ein Bericht über das Mittelalter-Spektakel Pennsic Wars in Pennsylvania ist u.a. illustriert mit dem Foto von vielen schwarzen Damenschlüpfern, die an einem Segelmast hängen.

Steckbrief

Traditionell Bogenschießen
Verlag: Angelika Hörnig
www.bogenschiessen.de
Auflage: 13.000
Erscheinungsweise: vierteljährlich
Heftpreis: 6 Euro

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige