Haniel: Wir können auch selbstironisch

In dieser Woche schüttete der Verein Forum Corporate Publishing wieder das Preis-Füllhorn über Firmen-Publikationen aus. Darunter so bekannte Serien-Gewinner wie Mobil von der Deutschen Bahn und das Lufthansa-Magazin. In der Kategorie B2B Handel/Konsumgüter siegte allerdings ein Neuling – und das zu Recht! Enkelfähig, das Magazin der Haniel-Holding, ist derzeit eines der besten CP-Magazine. Warum? Weil es in einer für den Konzern brenzligen Zeit mit Kreativität und Selbstironie besticht.

Werbeanzeige

In dieser Woche schüttete der Verein Forum Corporate Publishing wieder das Preis-Füllhorn über Firmen-Publikationen aus. Darunter so bekannte Serien-Gewinner wie Mobil von der Deutschen Bahn und das Lufthansa-Magazin. In der Kategorie B2B Handel/Konsumgüter siegte allerdings ein Neuling – und das zu Recht! Enkelfähig, das Magazin der Haniel-Holding, ist derzeit eines der besten CP-Magazine. Warum? Weil es in einer für den Konzern brenzligen Zeit mit Kreativität und Selbstironie besticht.

Drei Ausgaben sind bisher von Enkelfähig erschienen. Und ausgerechnet die erste, die im vergangenen Dezember herauskam, beschäftigte sich schon mit dem Wesen der Krise. Die wütet nicht nur global und überhaupt, sondern auch bei Haniel, dem Familienkonzern aus dem Ruhrgebiet, der in der Schwerindustrie und der Schifffahrt groß wurde und heute u.a. in Handel und Dienstleistung eine Macht ist. Eine Macht allerdings, die bröckelt – die Aufstockung eines Anteils an der Metro Group hat Haniel hoch verschuldet, an der Spitze des Handelsriesen gaben sich die Chefs die Klinke in die Hand. Die Familie – über 600 Haniel-Familienmitglieder sind stimmberechtigt – habe es versäumt, der Holding "eine klare Ausrichtung zu geben", urteilte im vergangenen Jahr das Manager Magazin.

Angesichts dieser Entwicklung wirkt Enkelfähig, ein knapp 50 Seiten dickes Heft, wie eine trotzige Antwort auf die Kritiker. Eine Antwort allerdings, die Versäumnisse und Fehler nicht bestreitet oder ignoriert. Sondern mit Optimismus gegen die Fehler der Vergangenheit anschreibt. Das Ergebnis ist meistens das Gegenteil von Verkrampft. Ein Fragebogen in der ersten Ausgabe ist beispielsweise betitelt: "Sind Sie Optimist, Pessimist oder Allesmist?" Eine kleine Illustration zeigt neben einem Teller mit Pannacotta einen "Panikotter". Erinnert ein wenig an Details aus dem SZ-Magazin? Egal – recht witzig und selbstkritisch ist das, und das ist das eigentlich Überraschende.
So stellte sich beispielsweise der nicht immer glücklich an der Haniel-Spitze agierende Vorstandschef Jürgen Kluge, einst Oberboss von McKinsey Deutschland, in jedem der drei bisher erschienenen Hefte zu einem "Elevator-Chat": "Wann haben Sie zuletzt etwas mit Wonne kaputt gemacht?", fragt die Enkelfähig-Redaktion ihren Chef da. Antwort: Ein Ei, am Pfannenrand. Oder, im zweiten Heft zum Thema Frauen, lautete die Einstiegsfrage: "Herr Kluge, gut sehen Sie aus, wer schneidet Ihnen eigentlich die Haare?"

Was auch auffällt: Enkelfähig ist ein Magazin für Fans von Illustrationen. Die werden üblicherweise in Publikumsmedien sträflich vernachlässigt. Nicht so bei Enkelfähig, wo Illustrationen informativ und unterhaltsam eingebracht werden. In jedem Heft gibt es zudem eine "Graphic Business Novel". Was auch in jedem Heft zu finden sind: Porträts von Haniel-Mitarbeitern. Erster Gedanke: Laaaangweilig! Und natürlich kommen hier keine Fundamentalkritiker ihres Arbeitgebers zu Wort. Dennoch erzählen die Blattmacher nicht nur Erfolgsgeschichten. Da geht es etwa auch mal um den Kollegen, der einen Burnout erlitt und nun anderen betroffenen Mitarbeitern hilft, wieder ins Leben zu finden.

Enkelfähig erscheint in einer Auflage von 8.000 Exemplaren und als App, ist aber hier und hier online lesbar. Die Redaktion wird gemeinsam von Haniel und Burda Creative (vormals BurdaYukom) bestritten. Vier Ausgaben im Jahr sollen erscheinen. Jürgen Kluge hat Erfahrung mit intelligenten Kundenmagazinen, so initiierte er vor einigen Jahren gemeinsam mit seinem Kommunikationschef Torsten Oltmanns bei McKinsey das Wirtschaftsmagazin McWissen (das mittlerweile nicht mehr erscheint). Für das Jahresende hat Kluge seinen Rückzug bei Haniel angekündigt. Was das für den Familienkonzern bedeutet, ist unklar. Für Enkelfähig bedeutet es hoffentlich nicht das Ende. Für Unternehmen, die ihren Kunden intelligente Unterhaltung bieten wollen, ist das Blatt ein Vorbild.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige