Nexus 7: Googles Großangriff auf Apple

Publishing Alles neu macht der Juni: In einer vollgepackten zweieinhalb Stunden-Präsentation hat Google gestern in San Fransisco demonstriert, dass die Suchmaschine Apple mit allen Mitteln auf den Fersen bleiben will. Der wertvollste Internetkonzern der Welt stellte auf seiner Entwicklerkonferenz I/O eine Leistungsschau kommender Neuerung vor, die vor allem dem Hardware-Bereich betreffen: Mit dem Nexus 7 wurde ein eigenes Mini-Tablet vorgestellt, der Nexus Q ist Googles Antwort auf die Settop-Box Apple TV.

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Aufbruchsstimmung zum zweiten Halbjahr hat bei Google Tradition: Ein Jahr nach der Ankündigung von Google+ hat der wertvollste Internetkonzern der Welt nun auf seiner Entwicklerkonferenz I/O auch hardwareseitig die Zukunft eingeläutet – oder das, was er sich darunter vorstellt. Die Orientierung findet dabei allerdings eher an der Gegenwart statt, die ganz von Apple dominiert wird. 
Google hat spätestens mit seinem Zukauf von Motorola eingestanden, dass mit seiner Software-only-Strategie wohl schwer werden dürfte, zweistelliges Wachstum vorzuweisen. Das große Geld, Apple macht es im iPhone und iPad vor, liegt im Hardware-Bereich. Also bietet Google künftig nicht nur das mobile Betriebssystem Android an, sondern stellt in Kooperation mit dem taiwanesischen Partner Asus gleich Tablets selbst her. 
Nexus 7: Google-Attacke auf den Kinde Fire und iPad
Das Ergebnis heißt Nexus 7. Der Titel ist Programm: Das Mini-Tablet ist sieben Zoll groß, keine 18 cm also. Dafür ist es billig: Mit dem Kampfpreis von 199 Dollar will Google den von Apple dominierten Tabletmarkt (68 Prozent Marktanteil) ab Juli von hinten aufrollen. In einem Google-Werbevideo verkündet ein Entwickler: "Es wird das erste Tablet sein, das ich für meine Eltern kaufe. Ich bin ziemlich aufgeregt." Ob das die richtige Zielgruppe ist?
Wie auch immer: Als Konkurrenz zum iPad sehen Branchenexperten das Nexus 7 dann auch eher nicht: "Das Nexus 7 konkurriert schon vom Preis her mit Amazon Kindle", findet etwa Philip Elmer-DeWitt von CNN Money. Das Internetportal Business Insider zitiert einen Branchenexperten, der das neue Google-Tablet bereits in den Händen hatte: "Es schlägt den Kindle Fire in der Benutzerfreundlichkeit. Es ist so geschmeidig wie ein iPad 2."  
"Medienball" Nexus Q: Dreimal teurer als Apple TV
Doch damit war der Frontalangriff auf Apples Vorzeigeprodukte der vergangenene Jahre noch nicht zu Ende: Auch die Settop-Box Apple TV wurde mit einem Konkurrenzprodukt attackiert. Nexus Q heißt der schwarzrunde Mediaplayer, den Spiegel Online schlicht "futuristischen Medienball" tauft. 
Nexus Q stellt wie Apple TV eine Verbindung von Googles digitalem Ökosystem mit klassischer Unterhaltungselektronik wie dem Fernseher oder Boxen her und soll bereits Mitte nächsten Monats in den USA erscheinen. Kostenpunkt allerdings: Überraschende 300 Dollar, dreimal soviel wie Apple TV. 
Sergey Brin mit Rockstarauftritt bei Googles Glass-Präsentation
Doch Google präsentierte noch mehr: Die Smartbrille Googles Glass erhielt auf der Entwicklerkonferenz eine spektakulären Demovorführung von Serges Brin, der den Einsatz bei Fallschirmspringern demonstrierte, wo es schließlich darauf ankommt, die Hände frei zu haben. Ab 2013 können Entwickler die den Prototypen von Google Glasses für 1500 Dollar erwerben. 
Logisch, dass das mobile Betriebssystem Android anlässlich der vielen Hardware-Launchs am Ende auch seine erwartete Generalüberholung erhielt: In der Version 4.1. kommt es nun als "Jelly Bean" mit einem Siri-ähnlichen Sprachassistenten daher. "Google Beam" heißt dabei etwa das neue Feature zum Bilderteilen. Auch der gesamte Marktplatz für Apps, der Android Market, erhielt eine Runderneuerung und kommt nun als Google Play daher. 
Anleger reagierten überwiegend positiv auf die vielen Neuerungen aus Mountain View und schickten die Google-Aktie um ein knappes Prozent marktkonform nach oben.

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