JvM-Goldkampagne: Auch Idee ist nicht neu

Marketing Der MEEDIA-Bericht über Ungereimtheiten bei der Jung von Matt-Kampagne zum Holocaust-Gedenken hat vor allem in den Sozialen Netzwerken eine Diskussion über die Methoden der Werber ausgelöst. Das Kreativteam hatte für einen Casefilm über eine digitale Stolperstein-Landkarte beim Werbefestival in Cannes Media-Gold gewonnen, obwohl viele der gezeigten Klick-Optionen auf der Website gar nicht funktionieren. Jetzt stellt sich heraus: Auch die Idee zur Stolpersteine-Map ist nicht neu.

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Eine Landkarte der seit 2004 von Künstler Gunter Demnig verlegten Stolpersteine gibt es im Internet seit fast fünf Jahren. Bereits im September 2007 sicherte sich Sven-Olaf Peeck, heute Geschäftsführer der Hamburger Social Media-Agentur Crowdmedia, die Domain stolpersteine.org. Der 33-Jährige hatte die Idee, Mahnmale auf den Gehwegen, über die er buchstäblich selbst "stolperte", mit der Spiegelreflexkamera zu fotografieren und auf einer Geoskizze im Internet zu hinterlegen.
Sehr schnell wurde ihm klar, dass dies mit einer Google Maps Integration am einfachsten zu erreichen war. Peeck programmierte die Site "nach Feierabend oder am Wochenende", wie er gegenüber MEEDIA sagte. Ihm war es wichtig, dass es sich um ein Non-Profit-Projekt handelt. Das Ergebnis war ein Webauftritt im klassischen Look von Google Maps mit eckigen Symbolen für die einzelnen Stolpersteine. Mit der von Jung von Matt/Fleet gestalteten Seite ist Peecks Page vom Design und der Professionalität her sicher nicht zu vergleichen, aber die Logik ist die gleiche, und auch eine "Wiki"-Funktion zum Upload von weiteren Stolpersteinen durch Nutzer der Site hatte der Hamburger vorgesehen und angelegt.
Auf die inzwischen mehrfach preisgekrönte Web-Kampagne von Jung von Matt sei er zufällig gestoßen. "Das Ganze kam mir schon bekannt vor", sagt Peeck. Ob die Werber seine Site bei der Konzeptionierung ihrer Kampagne kannten, ist unklar, allerdings nicht unwahrscheinlich: Bei einer einfachen Google-Suche nach dem Schlagwort "Stolpersteine" erscheint die Seite von Peeck als 14. Treffer, aktuell von der Suchmaschine sogar höher gerankt als die Jung von Matt-Kampagnenseite stolpersteine-online.com.

Privatprojekt: Geoskizze der Stolpersteine auf der
Website des Hamburgers Sven-Olaf Peeck von 2007

Preisgekrönt: Kampagnensite zu den
Stolpersteinen von Jung von Matt/Fleet 2012


Eine Debatte darüber, wie originär Idee und Projekt der später ausgezeichneten deutschen Werbeagentur waren, hatte auch die Jury in Cannes geführt. Letztlich entschieden die Preisrichter aber, dass das Stolpersteine-Projekt durch die digitale Verlängerung "wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen" gerückt sei. Dass sich aber auch der Traffic auf der Jung von Matt-Kampagnensite eher in Grenzen hält, legt der Blick auf das Statistik-Tool Google Ad Planner nahe: Dort ist stolpersteine-online.com gar nicht ausgewiesen – die zur Messsicherheit erforderliche Zahl von rund 15.000 Unique Visitors wurde nicht erreicht.

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