CoBi: 14 Betriebsräte kritisieren Döpfner

Publishing Solidarität unter Verlagen muss kein Fremdwort sein: In einem Offenen Brief an Mathias Döpfner fordern mittlerweile 14 Arbeitnehmervertreter (u. a. von Spiegel, Bauer und G+J) vom CEO der Axel Springer AG, auf die geplante Entlassung von rund 50 Angestellten der Computer Bild-Gruppe zu verzichten. In dem Schreiben weisen die Betriebsräte darauf hin, dass die Betroffenen mit ihrer Arbeit einen "wesentlichen Teil zu den glänzenden Ergebnissen des Springer-Verlages beigetragen" hätten.

Werbeanzeige

Weiter heißt es in dem Brief: "Machen Sie sich aber bitte auch die langfristigen Folgen Ihrer Vorgehensweise bewusst. Die Art und Weise des von Ihnen verantworteten Teilbetriebsübergangs in die Computer Bild Digital GmbH bedeutet eine Aushebelung tariflicher Standards, die letztlich den ganzen Beruf des Journalismusabwerten werden." Genau das sollte nach Meinung der Betriebsräte dem Springer-Chef als ehemaligem Journalist und "obersten Repräsentanten eines traditionsreichen Verlagshauses nicht egal sein".

Das Schreiben endet mit dem Bitte, Döpfner solle "wahre Größe" zeigen und von seinen Plänen Abstand nehmen.

Unterschrieben haben den Brief Betriebsräte von TV Spielfilm, Fit for Fun, Cinema, der Verlagsgruppe Milchstraße, GEO, dem Zeitverlag und Zeit Online, Bauermedia, der Morgenpost, Guner und Jahr und Spiegelnet.

Dass sich so viele Arbeitnehmervertreter solidarisch zeigen, ist schon ein ungewöhnlicher Schritt. Allerdings ist das Schreiben nicht der erste Brief, den der Springer-Chef in der Sache bekommen hat. Bislang haben alle Appelle nichts bewirkt. Der Verlag hat längst angefangen, die angekündigte Massenentlassung umzusetzen. So erhielt der Betriebsrat der Springer AG bereits Ende der vergangenen Woche 48 Anhörungen zu betriebsbedingten Kündigungen.

Seit die Axel Springer AG die Ausgliederung der AG-Mitarbeiter in die Computer Bild Digital GmbH angekündigt hat, ist in der Hamburger Redaktion der drei Titel Computer Bild, Computer Bild Spiele und Audio Video Foto Bild die Empörung so groß wie die Gegenwehr. Der Verlag mag die genaue Zahl nicht bestätigen, aber 58 Mitarbeiter haben dem Teilbetriebsübergang nicht zugestimmt. Sie erhielten darauf eine Freistellung, die zunächst bis Monatsende gilt. Vorsorglich wird die AG bei der Arbeitsagentur eine "Massenentlassung" beantragen, was bei einer möglichen Kündigung von mehr als 30 Mitarbeitern notwendig ist.

Eingeleitet wurde die Ausgliederung in eine tarifunabhängige GmbH von Springer-Vorstand Andreas Wiele. Ob dieser mit einer solchen Gegenwehr der Redakteure, die teilweise seit Jahrzehnten für die Springer AG arbeiten, gerechnet hat, darf bezweifelt werden. Auf einen ersten Offenen Brief hatte Mathias Döpfner geantwortet – man müsse den "Moment der relativen Stärke nutzen" – wirtschaftlich sei dieser Schritt notwendig. 

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige