Webseite petzt peinliche Facebook-Einträge

Anastasia hasst Ihren Boss. Natasha hat so doll gefeiert, dass Sie die Nacht im Krankenhaus verbracht hat. Und Rahim posaunt hinaus, dass er sich gerade einen Joint anzündet. Unter dem einleuchtenden Titel “We know what you’re doing” listet die Webseite von Callum Haywood offenbar versehentlich öffentlich gepostete Beiträge von Facebook-Nutzern. Für Chefs und Personaler ein gefundenes Fressen. Tragen die Listen doch Namen wie “Wer will gefeuert werden?” oder “Wer nimmt Drogen?”.

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Um zu verstehen, warum diese Webseite eines 18-jährigen britischen Programmierers solch intime Lippenbekenntnisse überhaupt listen darf, lohnt ein Blick auf Facebooks Open Graph. Denn auf den greift das Web-Experiment zu. Der Open Graph ist das, was aus Facebook ein Social Network macht. Es ist die Verbindung von Menschen mit Dingen, die sie mögen und mit anderen teilen wollen. Das kann ein Bild, ein Video oder ein Artikel sein.

Noch wichtiger: Der Open Graph stellt eine Verbindung her zwischen Personen in Facebook und außerhalb. Ein Beispiel ist die Like-Box, die dafür sorgt, dass Sie auf einer fremden Webseite ein bekanntes Gesicht begrüßt.

Diese Tatsache im Hinterkopf sollte Nutzern eigentlich klar sein, dass somit auch öffentlich verfasste Einträge für Jedermann einsehbar sind. Zwar nicht über ein simples Suchfeld, wie bei Google. Aber mit trivialen Kenntnisse über die Funktionsweise des Open Graph kann Callum etwa nach allen Einträgen in englischer Sprache suchen, die “hate my boss” enthalten, und auflisten. Und weil sie nun einmal öffentlich sind, hat Callum das Recht auf seiner Seite, diese Einträge auch zu listen.

Und nicht nur das. Der Programmierer erklärt auf einer Unterseite auch, wie leicht sich im Open Graph nach Begriffen suchen lässt. Wenn man einmal den Modus verinnerlicht hat, eignet sich die Suche durchaus als probates Recherchetool – nicht immer zum Vorteil des Gegenübers. Ein Beispiel gefällig? Diese Nutzer haben in Deutschland offenbar ein Problem mit ihrem Job.

Man darf davon ausgehen, dass User in den meisten Fällen nicht wussten, dass sie etwa über ihren Chef lästern oder ihre neue Telefonnummer herausposaunen, während die ganze Welt mitlesen kann. Denn standardmäßig stehen alle Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook auf “Öffentlich”. Auch wenn man über Wert der Seite streiten kann, so zeigt sie doch eindrücklich, wie kinderleicht Personaler oder Vorgesetzte Informationen über Sie zu Tage fördern könnten – vorausgesetzt Sie schalten Facebook nicht in den "Freundesbetrieb".

Zumindest für reguläre Eintrage lässt sich die Zielgruppen-Auswahl recht schnell justieren. Rufen Sie dazu die “Privatsphäre-Einstellungen” rechts oben über die Facebook-Startseite auf. Wählen Sie hier “Freunde” als Standard-Einstellung. Verfassen Sie künftig einen Beitrag, finden Sie unter dem Eingabefeld ein kleines Auswahlmenü, bei dem nun “Freunde” als priorisierte Zielgruppe ausgewählt sein müssten. Um die Privatsphäre-Einstellungen zu verfeinern, lohnt sich das Anlegen von Freundeslisten. Dann klappt’s auch mit dem Chef…

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