EM: Was wir über die Italiener wissen müssen

Fernsehen Jetzt kommt der Angstgegner: Gegen Italien hat die deutsche Nationalmannschaft noch nie ein Pflichtspiel gewonnen. Wenn es mit dem Titel etwas werden soll, dann muss die DFB-Elf am Donnerstag den Bann brechen. Das wird schwer genug. Denn die „Squadra Azzurra“ stellt den wohl interessantesten Mix aus genialen und verrückten Spielern, einem Trainer, der als „Zauberer von Orz“ gilt und mit einem halben "Tedesco", der besser Deutsch als Lukas Podolski sprechen soll. Lesen Sie alles, was sie über die „Azzuri“ wissen müssen.

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Statistisch gesehen hat Deutschland schon verloren
Nicht Brasilien und schon gar nicht Holland oder Spanien: Wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft einen Angstgegner hat, dann ist es Italien. Noch nie hat die DFB-Elf ein Pflichtspiel gegen die „Squadra Azzurra“ gewonnen. Die letzte Turnier-Niederlage beendete das Sommermärchen 2006 in Dortmund. Das Halbfinale gegen das Team von Marcello Lippi verlor die Mannschaft von Jürgen Klinsmann mit 0:2 nach Verlängerung. Selbst wenn man Freundschaftsspiele mitrechnet, ist die Bilanz düster. In 30 Spielen gelangen nur sieben Siege, neun Partien endeten unentschieden. Die Italiener gingen dagegen 14 Mal als Sieger vom Platz.
 
Das wahnsinnige Genie „Mad“-Mario Balotelli
„Man weiß vorher nie, für wen er zum Problem wird. Für die gegnerische Abwehr oder das eigene Team.“ Treffender konnte Mehmet Scholl Mario Balotelli kaum beschreiben. Der italienische Sturm-Tank ist berühmt-berüchtigt für seine Aussetzer und seine genialen Tore. In England zündete er bereits seine Küche an, sammelte weit über 20 Strafzettel in einer Saison, trat einem gegnerischen Spieler rüde an den Kopf und beleidigte nicht nur Verteidiger, sondern auch seinen Coach. Trotzdem ist er an guten Tagen kaum zu stoppen. Teile der englische Presse halten Mats Hummels bislang für den besten Spieler des Turnier. Gegen den verrückten Balotelli, der sich gegen England im Griff hatte, muss der Dortmunder beweisen, wie gut er wirklich drauf ist.

Jogi Löw gegen den „Zauberer von Orz“
Neben Jogi Löw ist Cesare Prandelli der wohl größte Taktik-Fanatiker unter allen Trainern bei der Europameisterschaft. Keiner steigt tiefer in den Maschinenraum der gegnerischen Spielanlage. So trat er – höchst effektiv – im ersten Spiel gegen Spanien mit einer Dreier- statt Vierkette in der Verteidigung an. Geboren ist der Taktik-Fuchs in Orzinuovi. Deshalb lautet auch sein Spitzname: „Der Zauberer von Orz“.

Riccardo Montolivo: ein halber Deutscher für Italien

Es hätte auch anders kommen können, und Riccardo Montolivo würde im Halbfinale den Adler auf der Brust tragen. Denn der italienische National-Kicker hat nicht umsonst den Spitznamen „der Deutsche“. Seine Mutter stammt aus der Nähe von Plön, und noch immer hat der 27-Jährige die doppelte Staatsbürgerschaft. Gerüchten zufolge spricht er besser Deutsch als Lukas Podolski.

Andrea Pirlo: Der gefährlichste Rentner der EM
Er ist 33 Jahre alt, sieht aber eher aus wie 44. Kaum ein Profi hat eine desinteressierte Körpersprache, um dann einfach aus dem Fußgelenk einen genialen Pass zu zaubern. Andrea Pirlo ist das Herz des italienischen Spiels. Die Tifosi nennen sie nur „den Architekten“. Es gibt kaum einen Profi, der ein Spiel besser lesen kann und dabei wirkt, als ob es ihn alles nicht angehen würde. Es wird spannend sein zu sehen, ob sich die noch immer junge deutsche Defensive von dem alten Fuchs ähnlich auseinandernehmen lässt, wie ihre Vorgänger 2006 oder die englischen und spanischen Verteidiger bei dieser EM.

Nur zur Erinnerung: Pirlo war es, der das Sommermärchen 2006 im Halbfinale gegen Deutschland mit einem genialen Pass auf Grosso in der 118. Minute der Verlängerung beendete. Die FAZ nennt ihn schlicht den "Maestro des überraschenden Passes". Die „Gazzetta dello Sport“ meint: „Pirlo ist mehr als die halbe Nationalelf“. Sein Juve- und Nationalmannschafts-Kollege Simone Pepe stellt kühl fest: „Er verwandelte eine Gruppe guter Spieler in eine Spitzenmannschaft.“

Die letzten Helden von 2006
Aus den oben genannten statistischen Gründen dürften die Deutschen mit allerhöchstem Respekt der „Squadra Azzurra“ gegenübertreten. Die bitterste Niederlage der jüngeren Geschichte gegen Italien war definitiv das verlorene Halbfinale 2006. Vom späteren Weltmeisterteam sind nur noch drei Profis dabei. Neben Pirlo Daniele de Rossi und Torwart Gianluigi Buffon. Von den Deutschen erlebten Philipp Lahm, Miro Klose, Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski die Niederlage auf dem Platz.

Italien ist keine EM-Macht
Das macht Hoffnung: Die Italiener sind keine EM-Helden. Bislang gewann der vierfache Weltmeister erst ein Europa-Turnier – 1968 auf heimischen Boden. Die DFB-Elf dagegen sammelte bereits drei Euro-Titel.

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