Warum Microsoft wie Apple werden will

Es war die Ankündigung der Woche in der Techwelt: Microsoft steigt in den Tablet-Markt ein – als Hersteller. Weniger die beiden kommenden Modelle des Surface-Tablets verblüfften die Branche als vielmehr die Tatsache, dass der weltgrößte Softwarekonzern seine jahrzehntelange Strategie aufgibt und damit versucht, auch den Hardwaremarkt aufzumischen. In anderen Worten: Microsoft versucht es Apple nachzumachen. Warum, wird beim Blick auf die Margen deutlich.

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Es war die Ankündigung der Woche in der Techwelt: Microsoft steigt in den Tablet-Markt ein – als Hersteller. Weniger die beiden kommenden Modelle des Surface-Tablets verblüfften die Branche als vielmehr die Tatsache, dass der weltgrößte Softwarekonzern seine jahrzehntelange Strategie aufgibt und damit versucht, auch den Hardwaremarkt aufzumischen. In anderen Worten: Microsoft versucht es Apple nachzumachen. Warum, wird beim Blick auf die Margen deutlich.
Die Überraschung ist Microsoft gelungen: eine "große Ankündigung" sollte es am Montagabend sein – und tatsächlich, die eilig einberufene Pressekonferenz hielt, was sie versprach. Allerdings gilt das wohl weniger im eigentlichen Sinne: Die beiden Microsoft-Tablets Surface und Surface Pro sind trotz funktionaler Covertastatur eher nicht dafür geeignet, das iPad ernsthaft zu attackieren. 
Aber darum scheint es Microsoft auch gar nicht mal primär zu gehen. Es geht wohl vielmehr ums eigene Überleben, wie Techblogger John Gruber herausarbeitet.  Denn die eigentliche Botschaft mit dem Launch eigener Tablets aus einem Guss lautet: Microsoft will wie Apple werden.
Microsofts Problem: Software wird immer billiger
Der Eintritt ins jahrzehntelang verschmähte Hardware-Geschäft markiert eine scharfe Abkehr vom Software-only-Geschäftsmodell, das im vergangene Jahrzehnt prächtig funktionierte: Geld wurde so schnell gedruckt wie die Software-Lizenzen verkauft.
Microsofts Problem nach zwei Jahrzehnten im Internet-Zeitalter: Software ist immer öfter kostenlos zu haben. Jahrelang wurde die Bedrohung durch Googles Freeware-Angebote wie Docs gesehen – trotzdem verdient Microsoft von Quartal zu Quartal noch Milliarden seinem Office-Angebot. Doch der Trend geht nach unten: An der Software wird immer weniger verdient, die Erlöse von Windows gaben zuletzt nach – die Konzerngewinne sind geringer als vor fünf Jahren.  
Apple arbeitet inzwischen profitabler als Microsoft
Das hat auch Horace Dediu erkannt. Wie der Eigentümer des Marktforschungsunternehmens Asymco feststellt, verdient Microsoft mit Office- und Windows-Software-Paketen 78 Dollar pro verkauftem PC. Apple indes verdient 178 Dollar  pro abgesetztem iPad, hat Dediu ermittelt.  
"Microsoft steckt also in einem Dilemma", so sein Fazit. "Das Geschäftsmodell von relativer teuer Software und billiger Hardware, ist nicht nachhaltig", resümiert Dediu mit Blick auf die Probleme der preisgünstigen PC-Anbieter wie Dell oder HP. "Die Zukunft liegt in fast kostenloser Software, die in mittelteure Hardware integriert" – die Apple-Strategie.   
Abschreckendes Beispiel Zune
So gesehen vergangene Woche: Apples mobiles Betriebssystem iOS 6 ist fraglos das Herzstück der nächsten iPhone- und iPad-Generation, doch es wird für alle Besitzer eines iOS-Geräts kostenlos angeboten. Auch Apples Macintosh-Betriebssystem wird für rund 20 Dollar fast verschenkt – erinnert sich noch jemand an die ersten X-Versionen, die für 130 Euro über die Ladentische gingen?
Inzwischen kann sich Apple den Luxus leisten, seine marktführende Software praktisch zum Nulltarif zu verschenken – das ganz große Geld wird mit Hardware verdient: iPhones, iPads, Macs. Apple ist auf diese Weise zum profitabelsten Unternehmen der Welt aufgestiegen. 
Bleibt die Frage, ob der Erfolg so einfach zu kopieren ist. Microsoft hat es bereits einmal versucht – Mitte vergangenen Jahrzehnts mit dem iPod-Rivalen Zune. Zune? So heißt einer der größten Fehlschläge der Microsoft-Historie. Wiederholung: nicht ausgeschlossen…

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